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Politik & Gesellschaft

Rezession dämpft weltweite Aufrüstung

1,6 Billionen US-Dollar wurden weltweit im Jahr 2010 für Rüstungsgüter ausgegeben. Ohne die Weltwirtschaftskrise wären es wohl noch mehr gewesen - so die Rüstungsexperten des Stockholmer Friedensinstituts SIPRI.

Ein Flugzeugträger (Foto: AP)

Die USA besitzen 11 Flugzeugträger

Das Wachstum der weltweiten Rüstungsausgaben hat sich 2010 als Folge der Finanzkrise kräftig abgeschwächt. Wie das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri (Stockholm International Peace Research Institute) am Montag (11.04.2011) in seinem Jahresüberblick angab, stiegen die Rüstungsaufwendungen im letzten Jahr um 1,3 Prozent gegenüber 2009. In den neun Jahren davor waren sie durchschnittlich um 5,1 Prozent nach oben geklettert.

Infografik Militärausgaben 2011 nach Regionen Sipri Deutsch DW-Grafik: Peter Steinmetz

Infografik Militärausgaben 2011 nach Regionen Sipri Deutsch DW-Grafik: Peter Steinmetz

So habe man in Asien versucht, "die Militärausgaben dem gebremsten Wachstum anzupassen", erklärt SIPRI-Mitarbeiter Dr. Sam Perlo-Freeman. In Zentral- und Südasien gingen die Verteidigungsausgaben erstmals seit Jahren sogar zurück. Deutlich weniger gaben etwa die Staaten Timor-Leste, Sri Lanka und Thailand aus. Mit plus 28 bzw. 26 Prozent verzeichnen Indonesien und die Mongolei die höchsten Zuwachsraten. In absoluten Zahlen steht die Volksrepublik China bei den Rüstungsausgaben in Asien weit oben an der Spitze.

Chinas Militärausgaben wachsen weiter

Chinesische Soldaten (Foto: AP)

China hat im vergangenen Jahr 4,4 Milliarden Dollar zusätzlich für Rüstung ausgegeben.

Mit 119 Milliarden US-Dollar im Jahr 2010 gibt China inzwischen 2,1 Prozent seines Bruttosozialprodukts für Rüstungsgüter aus. In der konkurrierenden Großmacht Indien sind es sogar 2,7 Prozent. Dennoch weisen auch die Zahlen für Indien eine Trendwende auf, beobachtet Perlo-Freemann. So habe Indien 2010 zum ersten Mal seit langer Zeit weniger für das Militär ausgegeben.

Die SIRPI-Zahlen zeigen auch, dass China inzwischen doppelt soviel für militärische Zwecke ausgibt wie Großbritannien, das weltweit bei den Rüstungsausgaben an dritter Position liegt.

Europa hat andere Sorgen

Überhaupt gingen in den Ländern Europas die Rüstungsausgaben um 2,8 Prozent zurück. Auffallend deutliche Reduzierungen nahmen vor allem die südosteuropäischen Staaten vor. In Bulgarien, Lettland oder Estland sanken die Ausgaben um mehr als 20 Prozent. In Griechenland, Ungarn, Albanien oder der Slowakei lagen die Einsparungen immerhin noch bei über 10 Prozent. Deutschland, das bei den weltweiten Rüstungsausgaben zusammen mit Saudi-Arabien an siebter Stelle steht, gab nach den Schätzungen des Stockholmer Instituts rund 45 Milliarden US-Dollar für Rüstungszwecke aus.

Auch dies ist ein leichter Rückgang um 1,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Außer mit nationalen Sparzwängen lässt sich dies nach Ansicht von SIPRI Forscher Perlo Freemann so erklären: "Die meisten europäischen Staaten sehen keine militärische Bedrohung mehr für sich. Sowohl das Terrorismusproblem, aber noch mehr der Klimawandel werden als Bedrohungen wahrgenommen, denen man nicht in erster Linie mit militärischen Mitteln begegnen kann. Europäische Wähler sind eher an sozialen und wirtschaftlichen Wohltaten interessiert und sehen nicht so die Notwendigkeit für hohe Militärausgaben."

Militär genießt in USA Priorität

Das Logo des renommierten Stockholm International Peace Research Institute

SIPRI beziffert die weltweit getätigten Militärausgaben

Ganz anders die USA. Hier konzentriert man sich für vor allem auf das Militärische, wenn es um die eigene Sicherheit geht. So stehen die USA auch unter Friedensnobelpreisträger Barack Obama im Präsidentenamt als weltweit führende Nation bei den Militärausgaben an der Spitze. Dort gab man im zurückliegenden Jahr mit 698 Milliarden US-Dollar fast 80 Prozent mehr für militärische Zwecke als noch im Jahr 2001, auch wenn der Anstieg im Vergleich zum Vorjahr wegen der Wirtschaftskrise geringer als zuletzt ausfiel.

Auch im Vergleich zur rivalisierenden Großmacht China stehen die USA weiterhin unangefochten da. China gibt nur etwa ein Sechstel dessen für Rüstung aus, was die USA investieren. Außerdem haben die USA ihre Militärmacht über Jahrzehnte aufgebaut und dadurch einen entsprechenden Vorsprung vor der asiatischen Großmacht. So besitzen die USA 11 Flugzeugträger, China dagegen noch keinen einzigen. Aber, so Perlo-Freeman: "Die Chinesen holen auf."

Brasiliens Großmachtambitionen

Deutlich angezogen haben auch die Militärausgaben in Südamerika. Dort versucht sich vor allem Brasilien, auch militärisch als aufstrebende Großmacht zu etablieren. SIPRI Lateinamerika-Expertin Carina Solomirano: "Brasilien ist für etwas mehr als die Hälfte der gesamten Militärausgaben Südamerikas verantwortlich. Das hat vor allem geopolitische Gründe, geht es doch auch darum, die eigene Macht über die Grenzen Südamerikas zu demonstrieren."

In ganz Südamerika wurden im zurückliegenden Jahr 63,3 Milliarden US-Dollar für militärische Zwecke ausgegeben. Das entspricht einem Anstieg von nahezu sechs Prozent. Auch in Afrika, dem Kontinent, der in den zurückliegenden Jahren die meisten bewaffneten Konflikte zu verzeichnen hatte, erreichten die Militärausgaben 2010 neue Rekordsummen. Insgesamt wurden dort 30 Milliarden Dollar für Rüstungszwecke ausgegeben. Auch dies ist ein Anstieg um immerhin 5,2 Prozent gegenüber 2009.

Autor: Daniel Scheschkewitz
Redaktion: Matthias von Hein

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