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Wirtschaft

Rezepte gegen entfesselte Märkte

Märkte sind unmoralisch, sagen Ökonomen. Aber sind Märkte alles in der Wirtschaft? Ohne Vertrauen geht es nicht. Die Rezepte sind vielfältig: Kurse, Kodizes, Corporate Responsibility - und Selbstkritik.

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Der Deutsche Aktienindex - unscharf kalkuliert

Mit dem Vertrauen in Wirtschaftskapitäne und Unternehmen ist es derzeit nicht weit her. In seiner Berliner Rede kritisierte Bundespräsident Johannes Rau "Egoismus, Gier und Anspruchsmentalität in Teilen der so genannten Eliten". Bereits zuvor forderte er eine neue Wirtschaftsethik und das Fach als Pflicht für das Ökonomiestudium.

Zu groß sind offenbar die Defizite auf diesem Gebiet: Man denke nur an den Mannesmann-Prozess, wo sich der Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und andere für Millionenprämien bei der Vodafone-Übernahme verantworten müssen.

Schließen sich Moral und Mehrwert aus? Schließlich wusste bereits der neoliberale Vordenker Milton Friedman: "The business of business is business". "Manchmal fragt man sich, ob man schizophren ist, wenn man Ethik für die Wirtschaft betreibt", sagt Martin Büscher, vom "Institut für Kirche und Gesellschaft". Er ist Ökonom, hat aber auch Theologie studiert. Leute wie er loten aus, wo Firmen und gesellschaftliche Institutionen kooperieren können.

Schlagworte fallen: Public Private Partnership, Corporate Social Responsibility - Worthülsen, die mit Leben gefüllt werden müssen. Die Evangelische Akademie Arnoldshain etwa lädt Mittelständler zu Werkstattgesprächen ein. Familienbewusstsein, Beteiligungsmodelle oder Ausbildungs-Initiativen mit Zukunft werden dort in Best-Practice-Beispielen vorgestellt.

Börsenwert oder Nachhaltigkeit?

Mitarbeiter, Kunden, Aktionäre, Behörden, die Gemeindeverwaltung oder auch Nicht-Regierungsorganisationen: Das sind so genannte Stakeholder-Gruppen, die von den Handlungen und Entscheidungen eines Unternehmens direkt beeinflusst werden. Umgekehrt können sie aber auch Ansprüche an die Unternehmensführung stellen. Als Alternative zur Shareholder-Philosophie des puren Börsenwerts setzt das Stakeholder-Konzept zum Beispiel auf "Nachhaltigkeit".

Textilfabrik in Yangon Näherinnen bei der Arbeit in der Textilfabrik Opal International Co Ltd. in der Industriezone 2 nahe der birmesischen Hauptstadt Yangon im Mai 1997

Birma (Myanmar) - Textilfabrik in Yangon.

Wie auch andere Firmen hat sich der Sportartikelhersteller Adidas-Salomon einen Kodex gegeben, der die Prinzipien der Nachhaltigkeit erfüllt. Die Auflagen für Umweltschutz sind streng, Diskriminierung oder Kinderarbeit tabu. Für weltweite Standards bei den Zulieferbetrieben hat Konkurrent PUMA den Preis für Unternehmensethik des "Deutschen Netzwerks Wirtschaftsethik" erhalten. Auditoren prüfen dort regelmäßig Arbeitszeiten oder Umweltstandards. Der Austausch mit Nicht-Regierungs-Organisationen soll Transparenz schaffen. "Ich will Menschen, die es gewohnt sind, technokratisch zu denken, die kulturelle und soziale Dimension ihres Handelns zeigen", sagt Unternehmensethiker Martin Büscher. Fördert so die Moral den Markt? Oder ist es umgekehrt?

Spezielle Indizes an der Börse listen Unternehmen, die in punkto Nachhaltigkeit klare Ziele verfolgen. Im Dow Jones Sustainability Index setzen sich auch deutsche Unternehmen wie BASF oder die Telekom dem Anlegervotum aus. Die Deutsche Bank hat den "Microcredit Developement Fonds" eingerichtet, der Kleinunternehmer, vornehmlich in Entwicklungsländern, finanziert. Solche Projekte sollen nachhaltige Anlageformen attraktiv machen.

Nachdenken über das eigene Tun

Der Homo Oeconomicus ist ein Nutzenmaximierer - der manchmal spät im Leben zum Nachdenken kommt. Hans J. Bär, der ehemalige Chef der Schweizer Privatbank Julius Bär und 55 Jahre im Geschäft, hält in seiner Autobiografie "Seid umschlungen, Millionen" seiner Branche den Spiegel vor: Mit seiner Kritik am Schweizer Bankgeheimnis, an der laxen Praxis der Schweizer Bankenaufsicht und an der Selbstbedienungsmanier der Manager hat sich der Spitzenbanker in der Schweiz die Rolle des Nestbeschmutzers eingehandelt. Aber wie sagte doch Johannes Rau in seiner letzten Berliner Rede: "Die kritische Auseinandersetzung mit Fehlern und Mängeln kann das Vertrauen stärken ..."

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