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Musik

Revolverheld: "Das Ding wollen wir holen!"

Die deutsche Rockband Revolverheld hat ihr viertes Album veröffentlicht: Immer in Bewegung. Und die vier Musiker aus Norddeutschland sind wieder auf Tournee. Die DW sprach mit der Band.

2002 nannten sie sich Manga, im Herbst 2004 Tsunamikiller. Seit dem Tsunami in Asien Ende 2004 heißt die Band #link:http://revolverheld.de/:Revolverheld.# Die vier sympathischen Jungs leben in Hamburg. Waren immer in Bewegung und immer auf der Bühne. "Freunde bleiben", "Mit Dir chilln", "Spinner" oder "Halt Dich an mir fest" haben die Fans völlig aus dem Häuschen gebracht. Alle Alben gingen in die Top 10, wurden Gold und Platin und die Musiker mit Preisen ausgezeichnet. Zum Tourstart traf die DW Leadsänger Johannes Strate und Gitarrist Kristoffer Hünecke in Köln.

DW: Bei der ECHO-Verleihung am 27. März 2014 seid Ihr nominiert. Findet Ihr überhaupt, dass man für etwas so Subjektives wie Musik Preise vergeben kann?

Johannes Strate: Jeder Künstler sagt vermutlich, dass Preise nicht wichtig sind. Wir machen keine Musik, weil wir Auszeichnungen abstauben wollen. Aber der ECHO ist die wichtigste Auszeichnung der deutschen Musikindustrie, das ehrt einen dann doch, da nominiert zu sein. Und diesmal hat man uns sogar zweimal vorgeschlagen:

Das Bild zeigt den Revolverheld-Gitarristen Kristoffer Hünecke bei einem Auftritt in Berlin. (Foto: imago/Future Image)

Kristoffer Hünecke

Die Hörerinnen und Hörer der deutschen Jugendradios haben uns für den Radio-ECHO ins Rennen geschickt, die Experten der Jury sehen Chancen für uns als "Beste deutsche Band (Rock/Pop)". Das ist das Größte in unserer bisherigen Laufbahn. Das Ding wollen wir holen!

Das ist eine schwere Entscheidung zwischen Euch Jungs und Cro…

Kristoffer Hünecke: Der trägt doch eine Maske, vielleicht ist der hässlich!?

Johannes: Oder ein Mädchen…

Kristoffer: Vielleicht ist er ein ferngesteuerter Roboter.

Als Band seid Ihr jetzt länger als ein Jahrzehnt zusammen. Wie beschreibt Ihr eine Freundschaft, die so lange hält?

Kristoffer: Das ist wie eine Beziehung, wie Liebe seit dem ersten Tag.

Habt Ihr untereinander eine engere Bindung als mit Euren Partnerinnen?

Kristoffer: Manchmal. (lacht)

Johannes: Wir schlafen im gleichen Bett.

Revolverheld Auftritt live in Huxleys Neue Welt. Berlin, am 15.03.2014(Foto:xC.xBehringx/xFuturexImage)

Beste deutsche Live-Band?

Kristoffer: Ja. Und wir reisen in einem Bus wie früher, wenn wir als Jungs in Urlaub fuhren. Immer wenn wir auf Tournee gehen, ist das so. Da nehmen wir Anteil an Sachen, die wir nicht einmal mit unseren Partnern teilen. Das ist wie eine tiefe Freundschaft eng gepaart mit einer musikalischen Bindung. Richtig schön!

Habt Ihr Spitznamen untereinander?

Johannes: Wir haben viele Spitznamen, ja, unser Schlagzeuger Jakob die meisten. Wir nennen ihn Pinsel, keine Ahnung warum…

Kristoffer: Wegen seiner Haare.

Johannes: Dieses Jahr werden wir uns, glaube ich, Herbert und Manni nennen.

Kristoffer: Weil das so herrlich dumme deutsche Namen sind.

Johannes: Das ist wie Joe und Jack in England.

Ihr steht gerade wieder am Beginn einer Tournee. Wenn Ihr soviel unterwegs seid, wie führt Ihr da ein Privatleben?

Das Bild zeigt das Gesicht des bärtigen Revolverheld-Frontmanns Johannes Strate (Foto: picture alliance/Eventpress)

Johannes Strate

Johannes: Auf Tournee haben wir kein Privatleben. Die Band ist unser Privatleben! Alle unsere Probleme und anderes teilen wir mit den Mitgliedern der Band. Nachts ruft jeder die Freundin an. Und ich skype mit meinem Sohn. Der ist jetzt eins und winkt in die Kamera. Das ist echt süß! Aber wir touren ja nur durch deutschsprachige Länder, wir sind also nicht gleich ein halbes Jahr auf Reisen. Im Moment sind wir gerade mal drei Wochen am Stück unterwegs. Klar, so lange war ich seit der Geburt meines Sohnes noch nie von ihm getrennt - da weiß ich gar nicht, wie sich das in zwei Wochen anfühlt.

Ihr habt einem Freund geholfen, habt nur für ihn und seine Freundin Euren neuen Song #link:http://www.youtube.com/watch?v=Vf0MC3CFihY:"Ich lass für dich das Licht an"# in einer Fabrikhalle gespielt. Am Ende hält er um die Hand seiner Freundin an. Das ist jetzt eines Eurer erfolgreichsten Videos. Glaubt Ihr an die Ehe?

Johannes: Ich schon. Jetzt, wo wir dieses Video gedreht haben, glaube ich dran. David war Saskia gegenüber so romantisch! Den kenne ich seit dem Tag meiner Geburt, der ist praktisch mein jüngerer Bruder. Und der hat ihr einen Heiratsantrag gestellt. Jetzt glaube ich an die Ehe, auch wenn meine Eltern geschieden sind!

Was braucht eine echte Freundschaft?

Kristoffer: Ich glaube Treue…

Johannes: Ehrlichkeit.

Kristoffer: Aufrichtigkeit und Treue sind wichtig.

Johannes: Ich finde, Du musst Deine Partnerin oder Deinen Partner nicht jeden Tag, jede Minute, jede Sekunde lieben. Und Du musst auch nicht alles teilen. Meine Partnerin muss nicht mein bester Freund sein. Ich hab' viele gute Freunde und ich hab' gute Kumpels, mit denen ich alles Mögliche teile. Du musst akzeptieren, dass man nicht immer einer Meinung sein muss. Menschen sind so unterschiedlich! Also musst Du einfach nur einen Weg finden, miteinander klarzukommen und an der Beziehung zu arbeiten.

Kristoffer: Darüber haben wir heute morgen beim Frühstück geredet. Du musst dran arbeiten und kommunizieren. Ich kenne viele Paare, die nicht mehr miteinander kommunizieren. Die sprechen zwar, aber sagen nichts Wichtiges. Das vergessen Leute vielleicht manchmal.

Das Bild zeigt die vier festen Mitglieder der Band Revolverheld v.l.n.r.: Niels Grötsch, Johannes Strate, Jakob Sinn, Kristoffer Hünecke (Foto: picture alliance/BREUEL-BILD)

Die Band v.l.n.r.: Niels Grötsch, Johannes Strate, Jakob Sinn, Kristoffer Hünecke



Ihr erzählt die Geschichten Eurer Generation. Welche Themen hat die Ü 30-Generation in Deutschland?

Kristoffer: Beziehungen natürlich.

Johannes: Die Gesellschaft verändert sich durch die Gentrifizierung. Städte verändern sich. Vor zehn Jahren gingen wir in Bars, die es heute nicht mehr gibt. Da stehen jetzt riesige Bürotürme. Da blutet mein Herz. Wir haben alle studiert, arbeiten, haben Kinder. Das Leben wird ernst. Das sind also die Themen - zehn Jahre vor der Midlife-Crisis. (lacht)

Auf Eurem neuen Album "Immer in Bewegung" verwendet Ihr in den Songtexten viel mehr Bilder als früher. Kommt das durch Eure Lebenserfahrung?

Johannes: Vielleicht. Das ist unser viertes Studioalbum, an dem wir hart gearbeitet haben. Je mehr Du über die Jahre im Studio lernst, desto mehr willst Du ins neue Album bringen. Deshalb haben wir so lange gebraucht. Wir haben viele Lieder und viele Demos produziert. Und es war ein langer Weg, bis wir dann die Songs aufgenommen haben, die heute auf unserem neuen Album zu hören sind.

Kristoffer: Unser Klang hat sich etwas verändert, ganz allgemein. Wir wollten weg vom Sound einer Rockband mit Gitarre, Bass, Schlagzeug und Gesang. Wir wollten richtig rein in große Melodien, wollten den Sound mit mehr Instrumenten auf eine gehaltvollere Ebene heben. Größer halt.

Erlebt Ihr verrückte Geschichten mit Euren Fans?

Das Foto zeigt Revolverheld ganz nah an den Fans bei einem Tourneeauftritt (Foto: imago)

Immer ganz nah an den Fans

Johannes: Eine schöne Geschichte war, wie ein Fan uns vor einigen Jahren einen Stern schenkte. Damals konntest Du eine Urkunde kaufen, auf dem Du einen Stern nach jemandem benennst. Sie kam auf uns zu und sagte: "Ich habe hier einen Stern für Euch!" und gab uns das Papier. "Was?", sagten wir. Und jetzt gibt es irgendwo den Stern Revolverhelden.

Kristoffer: Was immer schräg ist, wenn Fans sich irgendetwas von der Band tätowieren lassen - das Logo oder den Namen…

Hast Du eine Revolverheld-Tätowierung?

Kristoffer: Nein, natürlich nicht. Aber einige Fans schon. Die entscheiden sich dafür und das ist okay. Aber ich persönlich find's gruselig.

Ihr steht am Beginn Eurer neuen Tournee, worauf können sich die Fans freuen?

Johannes: Das wird die größte Revolverheld-Tournee aller Zeiten! Wir sind mit einem riesigen LKW unterwegs, bringen viel Licht und andere Sachen - viel Spielzeug.

Kristoffer: Das wurde immer größer und größer. Wir hatten erst einen kleinen Lastwagen, dann einen mittleren. Und jetzt kommen wir mit dem größten Transporter, den es gibt!

Johannes: Und wir spielen den längsten Set - mehr als zwei Stunden. Jedes Konzert ist restlos ausverkauft!

Das Interview führte Kate Müser.

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