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Wirtschaft

Revolution im Supermarktregal

Eine neue EU-Richtline macht's möglich: Von sofort an dürfen in Deutschland die meisten Produkte in fast allen Packungsgrößen verkauft werden. Verbraucherschützer warnen.

Gefüllter Einkaufswagen (Foto: dpa)

Werden schon bald mehr Mogelpackungen im Einkaufswagen landen?

Beim Vergleich der Preise von Milch, Butter, Schokolade, Wasser oder Bier müssen Kunden künftig ganz genau hinschauen. An diesem Samstag (11.04.2009) sind die strengen Verpackungsvorschriften gefallen, die bislang Einheitsgrößen für zahlreiche Artikel des täglichen Bedarfs vorschrieben. Ausgenommen sind lediglich Wein und Spirituosen.

Eine "simple Masche"

Hubertus Pellengahr (Foto: dpa)

Sieht keine Gefahr für Verbraucher: Hubertus Pellengahr

Verbraucherschützer befürchten, dass die Hersteller die Freigabe für versteckte Preiserhöhungen nutzen werden. "Damit wird Mogelpackungen Tür und Tor geöffnet", meint Gerd Billen vom Bundesverband der Verbraucherzentralen. Die Masche sei simpel und funktioniere nach dem Prinzip: Weniger drin, gleicher Preis. "Das merkt der Verbraucher meist gar nicht", ergänzt Armin Valet von der Hamburger Verbraucherzentrale.

Auf die Schliche kommt solchen Schummeleien nur, wer den Grundpreis vergleicht. Das ist der Preis, der seit dem Jahr 2000 etwa pro hundert Gramm oder pro Liter angegeben werden muss. Er soll Verbrauchern einen Preisvergleich ermöglichen. Doch da fange das Dilemma schon an, sagt Valet: "Die meisten wissen, was ein Glas Nussnougatcreme kostet. Aber wer weiß schon, was 100 Gramm Nussnougatcreme kosten?" Auch seien die Grundpreisangaben an den Supermarktregalen häufig nicht auf dem neuesten Stand oder kaum leserlich. Vor allem ältere Menschen seien mit solchen Kniffligkeiten überfordert.

Eine "sinnvolle Deregulierung"

Dass den Deutschen künftig nur noch Mogelpackungen untergejubelt werden, hält der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) für völlig abwegig. "Wir wollen unsere Kunden doch nicht vergrätzen", beteuert HDE-Sprecher Hubertus Pellengahr. Er lobt die Umstellung stattdessen als sinnvolle Deregulierung. "Der Handel will anbieten, was die Kunden wünschen und nicht das, was sich Bürokraten irgendwann mal ausgedacht haben." So gebe es heutzutage viel mehr Single-Haushalte, für die viele der bisherigen Verpackungen schlicht zu groß seien.

"Kennzeichnung wichtig"

Die Bundesregierung rechnet nach eigenen Angaben jedenfalls nicht mit einem Chaos an den Lebensmittelregalen. Das Verbraucherministerium forderte den Einzelhandel aber zu klaren Angaben auf den Verpackungen auf. "Für uns ist die richtige Kennzeichnung wichtig", sagte eine Ministeriumssprecherin in Berlin. "Verpackungen, die die Verbraucher irreführen, sind weiter verboten." Die Umsetzung der EU-Richtline bringe etliche Vorteile mit sich: So hätten die Hersteller mehr Spielraum für Innovation und könnten damit besser auf Kundenwünsche reagieren. Die Verbraucher könnten vor allem von einer größeren Auswahl profitieren. (wa/mm/afp/dpa/ap)