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Wirtschaft

Revolution im Supermarkt

Auf dem Markt der deutschen Lebensmitteldiscounter entsteht eine neue Nummer drei. Das Kartellamt stimmte der Fusion der Supermarktketten Plus und Netto zu - allerdings unter strengen Auflagen.

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Plus und Netto fusionieren

Die Plus-Mutter Tengelmann muss demnach vor dem Zusammenschluss knapp 400 Filialen des Discounters verkaufen. Zugleich untersagten die Wettbewerbshüter die geplante Einkaufskooperation zwischen der Netto-Mutter Edeka und Kaiser's-Tengelmann. "Mit dieser Entscheidung setzt das Bundeskartellamt ein Zeichen gegen die fortschreitende Konzentration im Lebensmitteleinzelhandel", sagte Kartellamt-Präsident Bernhard Heitzer.

Unter den von den Wettbewerbshütern formulierten Bedingungen dürfen Plus und Netto zur Nummer drei am Discountermarkt hinter den Konkurrenten Aldi und Lidl verschmelzen.

Edeka zeigte sich erfreut über den Abschluss der kartellrechtlichen Prüfung. Edeka-Chef Markus Mosa erklärte, die Edeka-Tochter Netto Marken-Discount werde alle 25.000 Mitarbeiter von Plus übernehmen und bis 2010 weitere 2500 neue Arbeitsplätze schaffen.

Convenience Store

Nach der Übernahme des Discounters Plus will Edeka in Deutschland einen neuen Typ von Supermarkt etablieren. Convenience Store - so lautet die neudeutsche Bezeichnung für Läden in der Nachbarschaft, die den Verbrauchern vor allem Waren zum sofortigen Verzehr bieten - etwa Salate, kleine Obstportionen, Getränke oder Süßwaren. Edeka will diesen neuen Typus allerdings nicht in Reinform einführen, sondern das bisherige Sortiment des Discounters Plus nur entsprechend erweitern. Durch die Übernahme der Supermarktkette gerate aber trotzdem die gesamte Branche in Bewegung, sagen Experten.

"Mit dem neuen Konzept spricht Edeka vor allem eine junge und berufstätige Kundschaft an, daneben aber auch viele ältere Menschen", sagt Discount-Experte Wolfgang Twardawa von der Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). Die Jüngeren suchten in den Innenstädten beispielsweise in der Mittagspause günstige Möglichkeiten, um sich etwas zu essen zu kaufen - oder um nach der Arbeit einkaufen zu gehen.

Viele ältere Menschen wiederum wohnten direkt in der Innenstadt und seien auf Discounter in ihrer Nähe angewiesen. "Die Marktführer Aldi und Lidl sind heute ohne Auto kaum noch erreichbar", sagt Twardawa. In den vergangenen Jahren seien die Billig-Supermärkte verstärkt in Industriegebiete gezogen. Darin bestehe jetzt die Chance für Edeka mit seinem neuen Konzept in den Innenstädten.

Warnung vor wachsender Marktmacht

Ein Preiskampf auf dem Markt der Discounter - und dadurch sinkende Preise für die Verbraucher - sind nach der Plus-Übernahme allerdings kaum zu erwarten, gibt Einzelhandelsexperte Ulrich Eggert zu bedenken. Ein neuer Dritter im Markt bedeute zwar mehr Wettbewerb, "jedoch haben die Discounter kaum Spielraum bei den Preisen." Deswegen sei eher davon auszugehen, dass die Preise "zumindest nicht steigen".

Die Hilfsorganisation Oxfam warnte allerdings angesichts der bevorstehenden Fusion von Plus und Netto vor den Auswirkungen der wachsenden Marktmacht der Edeka-Gruppe auf die Arbeitsbedingungen in den Produktionsländern. Edeka habe bereits angekündigt, "die gestiegene Einkaufsmacht einzusetzen, um die Lieferanten stärker im Preis zu drücken", erklärte Marita Wiggerthale, Handelsexpertin bei Oxfam Deutschland. Auch der Verband der Markenartikelhersteller forderte Edeka auf, verantwortungsvoll mit seiner neuen Marktmacht umzugehen. Dies gelte für "akzeptable Konditionen" für die Hersteller genauso wie für ein "attraktives Angebot für die Konsumenten". (wga)