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Wirtschaft

Revolution auf dem Briefmarkt

Der Wettlauf um den digitalen Brief ist eröffnet. Den Anfang macht die Deutsche Post, doch sie trifft von Anfang an auf starke Konkurrenz. Für den Briefmarkt beginnt eine neue Ära.

Ein mit einem @-Zeichen bedruckter Brief wird in einen Postkasten geworfen. (Foto: dpa)

Der Brief kommt jetzt auch elektronisch

Gut 500 Jahre nach dem Start eines regulären Postdienstes in Europa hat die Deutsche Post am Mittwoch (14.07.2010) eine neue Ära in der Briefkommunikation eingeläutet. Ab sofort kann sich jedermann für den einen neuen Service namens E-Postbrief anmelden – und rein theoretisch auch schon erste Briefe auf dem neuen, elektronischem Weg verschicken. Natürlich: Elektronische Briefe kann man schon seit dem Ende der 1980er Jahre per E-Mail versenden. Aber die mittlerweile massenhafte Verbreitung hat große Nachteile: 90 Prozent der Mails sind Spam – und Dokumente, die rechtsverbindlich sind, kann man damit nicht verschicken.

Akten, Verträge, Lotto-Scheine

Post-Chef Frank Appel (Foto: AP)

Post-Chef Frank Appel hofft auf neues Wachstum

Das soll nun anders werden. Mit dem E-Postbrief - so sagt es der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Post, Frank Appel, bringt sein Unternehmen "das Briefgeheimnis ins Internet". Das Zauberwort heißt "Trusted Transaction" - zu deutsch: vertrauliche Übermittlung. Man setzt auf Sicherheit, ein Gut - so formuliert es der für das Briefgeschäft zuständige Vorstand Jürgen Gerdes - "das im Internet bislang nicht vorhanden ist". Natürlich macht die Post das Ganze nicht aus lauter Liebe zum Menschen: Der gelbe Riese, der mit dem Briefgeschäft nicht mehr viel Geld verdient, muss sich nach neuen Wachstumsfeldern umsehen. Und das ist der Plan: Kontoauszüge, Akten vom Anwalt, Lohnabrechnungen vom Arbeitgeber, Versicherungspolicen, auch Lotto-Scheine: All das geht künftig per E-Postbrief. Das Ganze soll genauso verbindlich und verlässlich sein wie der Brief – nur noch schneller.

"Revolution geht von Deutschland aus"

Infografik E-Posbrief (DW)

Das freut natürlich auch Unternehmen, die viel Post verschicken müssen, etwa Versicherungen. Die können mit dem neuen Produkt eine Menge Kosten sparen, denn die Zustellung wird deutlich billiger. Die Allianz etwa, Deutschlands größte Versicherung mit rund 19 Millionen Kunden, hat angekündigt, beim E-Postbrief mitzumachen. Rolf Schneider, IT-Chef des Versicherungskonzerns, sprach von einer "Revolution in der digitalen Welt - und sie geht von Deutschland aus." Auch Europas größtes Software-Unternehmen SAP plant, den E-Postbrief in seine Produkte einzubinden, damit Firmen damit Gehaltszettel künftig elektronisch an ihre Mitarbeiter versenden können.

Die Konkurrenz lauert schon


Segelschiff mit United Internet-Schriftzug (Foto: AP)

Das Rennen um den E-Brief ist eröffnet

Bereits am ersten Tag des neuen Angebots hätten sich mehrere Tausend Kunden für den neuen elektronischen Briefservice registriert, verkündete Post-Brief Chef Gerdes stolz und gab während der Pressekonferenz im Post-Hauptquartier in Bonn ständig neue Zahlen durch. Das war freilich als Kampfansage an die Konkurrenz gedacht. Denn auch bei den beiden nach eigenen Angaben größten deutschen Mail-Anbietern, gmx und Web.de, kann man sich seit einigen Tagen für die neuen, dort "De-Mail" genannten E-Mail-Adressen registrieren. 125.000 Nutzer hätten sich bereits angemeldet, hatte United Internet, zu dem beide gehören, am Dienstag mitgeteilt. Und noch ein dritter Mitspieler meldet Ansprüche an: Die Deutsche Telekom, einst eine Schwester der Deutschen Post, verfügt mit ihrer Marke T-Online über ein starkes Internet-Portal.

Preis wird entscheiden

Ein Breifkasten der Deutschen Post (Foto: AP)

Auslaufmodell Briefkasten?

Der Starttermin für die Konkurrenzangebote steht zwar noch nicht fest. Wahrscheinlich ist damit Ende des Jahres zu rechnen, wenn ein entsprechendes Gesetz - das sogenannte Bürger-Portal-Gesetz - verabschiedet worden ist. Darauf wollte die Deutsche Post nicht warten, sie wollte sich einen Zeitvorteil sichern. Doch ob das reicht, bleibt fraglich. Denn für den elektronischen Brief, der, wenn gewünscht, auch in gedruckter Form zugestellt wird, verlangt die Post 55 Cent – und damit genau soviel wie für einen normalen Brief heute. Die Konkurrenz hält mit Kampfpreisen dagegen: United Internet will einen Cent weniger - und die Telekom lockt gar mit einem Gratis-Angebot: Wer sich jetzt registriert, kann die ersten Monate seine elektrischen Briefe umsonst versenden.

Wie das allerdings mit Revolutionen ist: Der Ausgang ist stes ungewiss. Insofern muss man abwarten, ob sich die neue Form der kostenpflichtigen E-Mail durchsetzt - und die Anbieter damit wirklich Geld verdienen können.

Autor: Henrik Böhme

Redaktion: Rolf Wenkel