1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Sprachbar

Reue

Passiert ist passiert, da kann man nichts machen. Jede Reue kommt zu spät, denn im Voraus lässt sich nichts bereuen. Aber dennoch: Wer bereut zeigt Einsicht und kann auf mildernde Umstände hoffen.

„Reue ist der Versuch, in sich zu gehen, nachdem man gerade so schön aus sich herausgegangen ist.“ Hans Clarin, der große Schauspieler, soll das gesagt haben. Wenn jemand aus sich herausgeht, oder sich öffnet, wie es im Beziehungsjargon so schön heißt, dann ist das doch etwas Positives. Oder etwa nicht?. Was gibt es denn

da zu bereuen?

Die Reue, die Waage und die guten Vorsätze

Es kommt wohl darauf an, was unter „Aussichrausgehen“ zu verstehen ist. Zum Beispiel, dass man/frau sich mal gehen lässt. Da gibt es die berüchtigten Fest- oder Feiertage mit all den köstlichen Dingen aus der Abteilung Essen und Trinken. Menüs mit verführerischen Vor –und Nachspeisen, von den Hauptgerichten ganz zu schweigen, dazu edle Tropfen stets zum jeweiligen Gang passend. Widerstand zwecklos. Nach solchen Tagen zeigt die Waage mit unerbittlicher Präzision, was seit dem letzten Wiegen dazugekommen ist.

Jäh fährt uns die Erkenntnis ins Hirn, dass seit der Vertreibung aus dem Paradies Genuss ohne Reue für Normalsterbliche nicht mehr möglich ist. In solchen Situationen meldet sich dann sanft, aber nachdrücklich die Vorstufe der Reue; das schlechte Gewissen. Und: Es beginnt das, was Hans Clarin wohl mit dem Versuch ‚In sich zu gehen’ gemeint hat. Wohlweislich hat er, als einer der den leiblichen Genüssen keineswegs abhold war, von einem Versuch gesprochen. Weil er genau wusste: Es wird wieder passieren; denn der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert.

„Der Wahn ist kurz, die Reu ist lang.“

„Reue ist Verstand, der zu spät kommt“, so sah es der Dichter und Professor für Psychiatrie Ernst von Feuchtersleben. Gleich zu welcher Zeit, das Thema Reue ist ein zutiefst menschliches, also zeitlos. Marie von Ebner-Eschenbach sieht Reue als eine Art der Trauer, nämlich darüber, „dass wir sind, wie wir sind.“ Mit anderen Worten, wir wären gerne anders; nämlich besser. oder um es mit einem religiösen Begriff zu benennen, schuldlos. Ohne Sünde. Wer etwas angestellt hat, der möchte es in aller Regel wieder gut machen. Das geht aber nicht. Geschehen ist geschehen. Aber es bleibt uns die Reue, eine Art zu spät gekommener Einsicht mit der Möglichkeit daraus zu lernen.

„Der Wahn ist kurz, die Reu ist lang“, heißt es in Schillers „Lied von der Glocke“. Es stimmt ja. Allzu schnell lassen wir uns zu etwas hinreißen, was wir schon am nächsten Morgen bitterlich bereuen. Nicht grundsätzlich. Aber wer hätte das noch nicht erlebt. Reue ist ein moralischer Begriff. Im westlichen Kulturkreis ist er durch das Christentum eng mit dem Begriff der Sünde, und damit auch der Schuld verbunden. Der gläubige Christ bereut seine Sünden, aber er kann Buße tun und in der Beichte von seinen Sünden freigesprochen werden.

In Sack und Asche nach Canossa

Der reuige Sünder ist ein Büßer. Er streut sich Asche aufs Haupt und bekleidet sich mit einem Sack aus grobem Tuch. Auf mittelalterlichen Darstellungen von Bußprozessionen der Mönche ist das zu sehen. ‚In Sack und Asche gehen’ sagen wir heute noch; oder scherzhaft-bildhaft ‚ich streue mir Asche aufs Haupt’, wenn wir zum Beispiel etwas vergessen haben und dadurch einen anderen in – nicht allzu große - Schwierigkeiten bringen.

Ebenfalls zur Redensart geworden ist der ‚Gang nach Canossa’. Zum Zeichen der Reue - er hatte dem Papst den Gehorsam aufgekündigt und war mit dem Kirchenbann belegt worden - machte sich König Heinrich IV. 1077 von Speyer auf nach Canossa, wo er Papst Gregor VII Abbitte leistete. Mit Erfolg. Der Bann wurde schließlich aufgehoben und Heinrich war sozusagen wieder in Amt und Würden.

Fragen zum Text:

Was wird im Text als Vorstufe der Reue bezeichnet?

1. ein gutes Essen mit Vor- und Nachspeise

2. das schlechte Gewissen

3. die Sünde

Der Weg zur Hölle ist …?

1. steinig und schwer.

2. mit guten Vorsätzen gepflastert.

3. viel zu lang.

Was bedeutet der sprichwörtliche Gang nach Canossa?

1. jemand bereut etwas und leistet Abbitte

2. jemand sündigt und bereut es überhaupt nicht

3. jemand muss wirklich weit laufen

Arbeitsauftrag:

Schreiben Sie eine Kurzgeschichte, in der die Wörter Reue, Sünde, Entschuldigung, Buße vorkommen.

Die Redaktion empfiehlt

WWW-Links

Audio und Video zum Thema

Downloads