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Aktuell Nahost

Rettungskräfte: Über 100 Palästinenser seit Soldaten-Entführung getötet

Mit aller Härte geht Israels Armee nach der mutmaßlichen Verschleppung eines Kameraden im Gaza-Streifen gegen die Palästinenser vor. Die antworten mit neuen Raketenangriffen.

Israelische Soldaten auf einem Fahrzeug des Sanitätsdienstes der Armee (Foto: picture-alliance/dpa)

Israelische Soldaten auf einem Fahrzeug des Sanitätsdienstes der Armee

Militante Palästinenser haben am frühen Samstagmorgen erneut Raketen auf Israel abgeschossen. In der Metropole Tel Aviv heulten die Sirenen. Nach Angaben des israelischen Militärs schoss die Raketenabwehr zwei Geschosse über Tel Aviv und eine über der Stadt Beerschewa im Süden des Landes ab.

Im Gazastreifen sind bei nach der mutmaßlichen Entführung eines israelischen Soldaten beiVergeltungsangriffen der Armee nach Angaben von Rettungskräften bereits mehr als 100 Palästinenser getötet worden. Allein in der Nacht zum Samstag seien bei mehreren israelischen Luftangriffen in Rafah 19 Menschen gestorben, darunter 15 Mitglieder einer Familie, erklärte ein Sprecher der Rettungskräfte. In den Trümmern eines Hauses in der Stadt wurden außerdem am Abend vier Leichen entdeckt.

Entsetzte Bewohner von Chan Junis nach den israelischen Angriffen (Foto: Reuters)

Entsetzte Bewohner von Chan Junis nach den israelischen Angriffen

In Chan Junis, das ganz in der Nähe von Rafah liegt, wurden bei Panzerangriffen zudem drei weitere Palästinenser getötet. Insgesamt starben den Rettungskräften zufolge mindestens 91 Palästinenser und 350 weitere wurden verletzt, seit Israel am Freitag eine - wie es hieß ­­­- "intensive Suche" nach dem mutmaßlich verschleppten Soldaten angekündigt hatte. Der 23-jährige Leutnant Hadar Goldin soll bei einem Angriff auf seine Armeeeinheit nahe Rafah verschleppt worden sein, zwei Soldaten starben dabei. Die israelische Justizministerin Zipi Livni machte die radikalislamische Hamas für das Verschwinden des Soldaten verantwortlich. Die Hamas werde "den Preis dafür zahlen", sagte sie nach Angaben des israelischen Portals Walla.

Vermisster Soldat bereits tot?

Die Essedin-al-Kassam-Brigaden - der bewaffnete Arm der Hamas - teilten unterdessen mit, dass sie keine Information zum Schicksal des verschleppten israelischen Soldaten hätten. "Wir haben den Kontakt zu einer unserer Kampfgruppen verloren, die in der Gegend gekämpft haben, in der der Soldat verschwunden ist", erklärten die Brigaden. Es sei möglich, dass der vermisste Soldat sowie die eigenen Kämpfer tot seien.

Der israelischen Armee zufolge ereignete sich die Entführung Goldins anderthalb Stunden nach Beginn einer Waffenruhe, die drei Tage dauern sollte. Sie war unter Vermittlung der Vereinten Nationen und der USA in der Nacht zum Freitag zwischen Israel und der Hamas vereinbart worden. Als Reaktion auf die mutmaßliche Verschleppung des Soldaten erklärte Israel die Waffenruhe für gescheitert, Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kündigte harte Gegenmaßnahmen an. US-Außenminister John Kerry forderte unterdessen von der Hamas die sofortige und bedingungslose Freilassung des vermissten Soldaten.

Palästinensische Delegation nach Kairo

Trotz des Scheiterns der Waffenruhe kündigten die Palästinenser an, eine Delegation zu Verhandlungen nach Ägypten zu schicken. Die Vertreter würden am Samstag nach Kairo reisen, um dort auch über eine Feuerpause zu beraten, sagte der Chefunterhändler der Palästinensischen Autonomiebehörde, Saeb Erekat, dem US-Sender CNN. Er appellierte an die Israelis, auch eine Delegation zu entsenden. Eine Deeskalation in dem Konflikt sei zwingend nötig.

Ursprünglich sollten am Freitag in Ägypten Verhandlungen über eine dauerhafte Waffenruhe beginnen. Nach palästinensischen Medienberichten sagte allerdings Kairo die Gespräche wegen des Scheiterns der Feuerpause wieder ab. Ägypten versucht, in dem Konflikt zu vermitteln.

sti/kle (afp, dpa rtr)