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Wissen & Umwelt

Rette ein Biotop

Wissenschaft klingt für viele nach staubigen Büchern, grauhaarigen Herren und endlosen Zahlenreihen - das stimmt nicht. Wir zeigen digitale Beispiele für den interaktiven Umgang mit Wissenschaft und Technik.

Bei einem Spaziergang in der Natur oder im heimischen Garten, sind sicherlich die meisten Menschen schon einmal darauf gestoßen: Ein aus dem ökologischen Gleichgewicht geratener Teich. Kein schöner Anblick und erst recht keine schöne Erfahrung für den Geruchssinn. In der Simulation Among Ripples des schwedischen Entwicklerstudios Eat Create Sleep haben Spielende nun die Gelegenheit, dafür zu sorgen, dass es erst gar nicht soweit kommt. Seit Januar 2015 steht das Spiel kostenlos auf der digitalen Distributionsplattform Steam zum Download bereit.

Ökosystem Stillgewässer

Stillgewässer sind komplexe Ökosysteme, in denen vielfältige Wechselbeziehungen zwischen Tieren und Pflanzen herrschen und empfindliche Stoffkreisläufe bilden. Besonders entscheidend ist dabei der Sauerstoff, der von den Wasserpflanzen produziert und von Fischen und Fäulnisprozessen verbraucht wird. Entsteht ein Sauerstoffmangel, stirbt langfristig das gesamte Gewässer.

Ebenso wichtig ist die Biomasse im Teich. Sie dient als Nahrung für die unteren Glieder der Nahrungskette, kann allerdings in zu großen Mengen etwa für überdurchschnittliches Algenwachstum sorgen. Der Sauerstoffverbrauch nimmt daraufhin rapide zu und der Teich ist erneut vom umgangssprachlichen Umkippen bedroht. Kein Wunder also, dass es - gewässerkundlich betrachtet - keine natürlichen Teiche gibt.

Gewässermanagement

Wie der Teich im Garten, kann auch das Gewässer von Among Ripples nur durch Eingriffe des Menschen überleben. Im stark vereinfachten Biotop des Spiels funktioniert dieser ökologische Balanceakt durch das hinzufügen von Tieren. Kleine Weißfische ernähren sich von pflanzlicher Biomasse und stellen die Nahrungsgrundlage für die größeren Hechte und Barsche dar. Während Krebse sich von den sterblichen Überresten der Teichkollegen ernähren, helfen Muscheln dabei, Schadstoffe aus dem Wasser zu filtern.

An der Spitze der Nahrungskette steht der Otter, der sich von allen anderen Lebewesen ernährt. Wie bei einem komplizierteren Stein-Schere-Papier-Spiel, entwickelt sich aus den verschiedenen Eigenschaften und Nahrungsbedürfnissen der Tiere ein komplexes System, das es mit Feingefühl zu beeinflussen gilt. Hinzu kommt die (wenig realistische) Möglichkeit, den Sauerstoffgehalt des Wasser manuell zu erhöhen oder zu senken, um zum Beispiel das Algenwachstum an die aktuellen Erfordernisse anzupassen.

Umkippen in Zeitlupe

Haben sich die Spielenden für eine Konfiguration aus den unterschiedlichen Lebewesen entschieden, bleibt nur noch Warten und Zuschauen. Die Präsentation von Among Ripples ist schlicht aber schön. Tiere und Hintergründe (je nach Jahreszeit ein anderer) wurden mit Wasserfarben gemalt und anschließend digitalisiert.

Die ruhige Musik plätschert unaufdringlich dahin. Viel passiert hier nicht. Große Fische essen kleinere Fische. Die anderen Tiere vermehren sich oder sterben. Der Otter frisst sie alle. Je nachdem wie artenreich das Ökosystem geraten ist, kann es mittelfristig relativ stabile Kreisläufe bilden. Sind jedoch etwa alle Krebse schon gestorben, werden die Überreste der anderen Tiere nicht mehr verarbeitet und erhöhen langfristig die Konzentration von Schadstoffen im Wasser. Wartet man zu lange, lebt also bald gar nichts mehr. Früher oder später kippt - umgangssprachlich - jeder Teich um. Ein perfektes Gleichgewicht gibt es leider nicht.

Dieser Text erschien zuerst auf der unabhängigen Plattform #link:http://www.sciencegames.de/:sciencegames.de.# Die von der Bosch Stiftung geförderte Seite sammelt und bespricht digitale Wissenschaftsspiele.

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