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Veranstaltungen

re:publica: Soziale Medien im Weltspiegel

Mit Sozialen Medien in Afrika und in Lateinamerika beschäftigten sich Experten und Blogger im Rahmen von zwei DW-Workshops bei der Bloggerkonferenz re:publica am Mittwoch, 13. April 2011, in Berlin.

BOBs-Jurorin Rosana Hermann (Mitte) bei der re:publica 2011 in Berlin

BOBs-Jurorin Rosana Hermann (Mitte) bei der re:publica 2011

Rund 250 Gäste verfolgten im Berliner Friedrichstadtpalast die Diskussion über die Situation in Afrika. Mit den beiden Bloggerinnen Amira Al-Hussaini (Bahrain) und Claire Ulrich (Frankreich), beide auch Jurymitglied beim internationalen Blog-Award "The BOBs" der Deutschen Welle, diskutierte Ludger Schadomsky, Leiter der Amharisch-Redaktion der DW.

(v.l.) Ludger Schadomsky, Claire Ulrich, Moderatorin Geraldine de Bastion und Amira Al-Hussaini

(v.l.) Ludger Schadomsky, Claire Ulrich, Moderatorin Geraldine de Bastion und Amira Al-Hussaini

„Facebook und Twitter haben es ermöglich, dass wir als Individuen über Grenzen hinweg zueinander finden“, sagte  Amira Al-Hussaini (Global Voices). Die Blogosphäre schaffe eine bislang unbekannte Solidarität unter denjenigen, die unter „korrupten Staatsführern zu leiden zu haben“. Als größten Fehler des ehemaligen ägyptischen Staatspräsidenten Husni Mubarak nannte sie seine Entscheidung, das Internet zu sperren: „Da gingen alle auf die Straße, weil man befürchtete, dass jetzt etwas besonders Schlimmes droht.“

Andere Länder, andere Relevanz

Ludger Schadomsky  bremste den Hype Sozialer Medien, zumindest mit Blick auf Äthiopien: „Hier wird das Radio der DW mit hohem finanziellen Aufwand gejammt.“ Radio spiele dort eine größere Rolle als das frei zugängliche Internet. Seiner Ansicht nach werde die Rolle Sozialer Medien in Afrika vielfach überbewertet. „Es kommt auf die Inhalte an, nicht nur auf die Technik.“ In Nigeria, wo Soziale Medien sehr verbreitet seien, zeige sich, dass die relativ hohe Akzeptanz Sozialer Medien allein nicht ausreiche, um  zivilgesellschaftliche Prozesse zu fördern.

Twittern in der Provinz

Claire Ulrich verwies auf die Situation in der Elfenbeinküste. Facebook sei hier in den vergangenen Monaten einerseits genutzt worden, um Hilfe zu organisieren und Leben zu retten. Es habe andererseits Menschen gegeben, die sich mit "Bildern schrecklicher Taten gebrüstet und Gewalt verherrlicht haben". Twitter und mobiles Internet würden in anderen Ländern bis in kleinste Dörfer hinein genutzt. Claire Ulrich: „Bei Buschfeuern kommt es zu Mass-SMS, Menschen twittern Warnungen, wenn der Wind dreht und Tierherden bedroht sind.“

Neue Meinungsvielfalt in Lateinamerika

Moderatorin Geraldine de Bastion, Rosana Hermann und Vanina Berghella

Moderatorin Geraldine de Bastion, Rosana Hermann und Vanina Berghella

In einem weiteren Workshop, zu dem die DW auf der re:publica eingeladen hatte, informierten Rosana Hermann, Bloggerin aus Brasilien, und Varnina Berghella, Journalistin und Bloggerin aus Argentinien, die Gäste über die Mediensituation in Südamerika. Hermann und Berghella gerhörten in diesem Jahr auch zur Jury des Blog-Awards "The BOBs" der Deutschen Welle.

Grundsätzlich böten Soziale Medien in dieser Region Stimmen abseits der traditionellen Medien, die monopolisiert und von mächtigen Interessensgruppen beeinflusst seien, sagte Hermann. Allerdings gebe es große Unterschiede zwischen den Ländern und deren Internet-Nutzung. So hätten ländliche Regionen, beispielsweise in Bolivien und Uruguay, keinerlei Zugang zum Internet, darauf wies Berghella hin.

Armut ja, Internet nein

Das Netzwerk „Orkut“ sei in ihrem Heimatland Brasilien sehr beliebt, so Rosana Hermann. Es liege mit rund 26 Millionen Nutzern deutlich vor Facebook (9,6 Millionen).

Die sozialen Unterschiede innerhalb der brasilianischen Gesellschaft spiegelten sich auch in der Internetnutzung wider: Demnach hätten unter den zehn Prozent der Ärmsten nur 0,6 Prozent Zugang zum Internet, unter den zehn Prozent der Reichsten hingegen 57 Prozent.

Mit Twitter gegen Slum-Räumung

Allerdings könnten Menschen mit Internet-Zugang mit Hilfe Sozialer Medien ihre Situation verändern. Hermann machte das anhand eines Beispiels aus Brasilien deutlich: Ein 17-Jähriger, der in einem Armenviertel lebte, hatte live getwittert, als die Armee die Slums räumen wollte. Innerhalb kurzer Zeit, so Hermann, hatte der junge Mann 44.000 Anhänger. Das Fernsehen wurde auf die Geschichte aufmerksam, der Jugendliche wurde in Talkshows eingeladen. Mittlerweile hat er eine eigene Zeitung. „Bei Sozialen Medien geht es nicht nur darum, dass man sprechen kann, sondern dass man gehört wird“, fasste Hermann die Wirkung Sozialer Medien zusammen.

Varnina Bergella, Journalistin und Bloggerin aus Argentinien, machte deutlich, dass viele soziale Probleme in ihrem Land über Blogs, Facebook und Twitter thematisiert würden. Allerdings gebe es bisher kaum einen politischen Diskurs in den Sozialen Medien. „Meistens wird nur wenig über Politik gesprochen.“

Bildung: Gefragtes Element im Web 2.0

Ein weiterer DW-Workshop befasste sich auf der re:publica mit "Trasmedialem Story-Telling" anhand der Reihe "Jojo sucht das Glück". Wie Bildungsinhalte mit Hilfe verschiedener Formate und Plattformen (Video, interaktives Internet und Facebook) vermittelt werden.

Die DW-Expertise war auch in weiteren re:publica-Panels gefragt: Unter anderen beteiligten sich Cyrus Farivar (Englisches Programm), Marcus Bösch (DW-Akademie) und Zahi Alawi (DW-TV/Arabisch) an den Diskussionen.

Martina Bertram, Kathrin Reinhardt

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Martina Bertram

T +49.228.429-2055 martina.bertram@dw.com