1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Global Ideas

Reporter-Tagebuch: Moore und Mücken

Mareike Aden hat in Weißrussland Kindheitsängste bekämpft und einen Team-Rekord aufgestellt.

(Foto: DW-TV)

Es surrt. Es  brummt. Es schwirrt. Noch halte ich das Mikrofon ohne zu zucken oder zu wackeln. Auf meiner rechten Schulter zwickt es schon – schon wieder. Ich schiele doch zur Seite: Ein großes Insekt sitzt dort. Autsch. Noch ein Stich mehr. Seit drei Tagen reisen wir durch ganz Weißrussland, um uns von Wissenschaftlern verschiedene Moore zeigen zu lassen. Ich halte einen Rekord: Die meisten Stiche, die größten Dellen und Beulen – mit Abstand. Die zahlreichen Abwehrmittel helfen kaum gegen die Insektenscharen. Ich wusste gar nicht, dass es so viele Insekten gibt, die stechen.

Kameramann Jurij bei den Dreharbeiten, das Mückenspray ist immer dabei (Foto: DW-TV)

Kameramann Jurij bei den Dreharbeiten, das Mückenspray ist immer dabei

„Wir sind anscheinend schon immun, wir spüren das kaum noch “, sagen die Moorforscher, die seit Jahren Tag für Tag mit den Insekten Seite an Seite arbeiten, anscheinend in friedlicher Koexistenz. Mir dagegen schlägt der Kameramann Jurij im Scherz vor: „Du solltest dir das kühlende Gel, das du dauernd benutzt auf die Dienstreisekostenabrechnung schreiben.“ Doch schon eine Stunde später hört auch er auf mich zu auszulachen: Seine Hand schwillt nach einem Stich plötzlich auf die doppelte Größe an.

Mückenschutz - Gummistiefel fürs Moor (Foto: DW-TV)

Mückenschutz - Gummistiefel fürs Moor

Eigentlich bin ich nicht zimperlich, immerhin bin ich auf dem Land aufgewachsen. Aber wenn es um Mücken, Wespen, Bienen und alle anderen stechenden Insekten geht, bin ich dann doch regelrecht panisch. Als Kind hielt ich es für den schlimmsten Job der Welt in der Bäckerei zu arbeiten – wegen all der Bienen und Wespen, die in der Auslage um den Erdbeerkuchen herumkrochen.

Als ich nach vier Tagen im Moor wieder in Moskau ankomme, finde ich die fast insektenlose Betonwüste der russischen Hauptstadt, die ich sonst eher verfluche, auf einmal ganz angenehm – für eine Weile zumindest. Als ich am Nachmittag das Drehmaterial aus den weißrussischen Mooren anschaue, da vermisse ich schon wieder das Stapfen durch den Schlamm, die weiten Landschaften und die Stille und die saubere Luft. Aber dann höre ich wieder dieses Geräusch, genau an meinem rechten Ohr. Es kommt immer näher. Ich zucke zusammen. Dann merke ich: Das Surren kommt aus dem Kopfhörer – zum Glück.  Moorforscherin werde ich in diesem Leben wohl nicht mehr.

Autorin: Mareike Aden
Redaktion: Klaus Esterluß