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Journalismus

Reporter ohne Grenzen zeichnet polnischen Journalisten aus

Große Ehre für einen Investigativreporter: Der Pole Tomasz Piatek ist von Reporter ohne Grenzen zum Journalisten des Jahres 2017 gekürt worden. Die Journalistenorganisation lobte vor allem seine akribischen Recherchen.

Tomasz Piatek polnischer Journalist (Imago/Zumapress/B. Zawrzel)

Darf sich über die Anerkennung freuen: der polnische Journalist Tomasz Piatek

Piatek hatte in Artikeln für die linksliberale Tageszeitung "Gazeta Wyborcza" und danach in einem im Sommer veröffentlichten Buch scharfe Kritik am polnischen Verteidigungsminister Antoni Macierewicz geübt und ihm vorgeworfen, in illegale Waffen- und Geldgeschäfte mit Russland verstrickt zu sein. Dafür droht ihm eine Anklage vor einem Militärgericht, wie Reporter ohne Grenzen mitteilte.

Als Medium des Jahres würdigte die Journalistenorganisation die unabhängige türkische Nachrichtenseite "Medyascope". Die Plattform biete verfolgten Journalisten und Bloggern durch Live-Videos und Podcasts eine Stimme und ermögliche öffentliche Debatten über Themen, die in der Türkei unterdrückt werden.

Zum Bürgerjournalisten des Jahres wählte die Jury den Fotografen und Blogger Soheil Arabi aus dem Iran, der seit 2013 wegen regierungs- und islamkritischer Einträge auf Facebook im Gefängnis sitzt. Die Preise wurden am Dienstagabend in Straßburg verliehen.

Demokratische Kontrolle

Dass der Investigativjournalist Piatek vor einem Militärtribunal landen könnte, sei ein im postkommunistischen Polen einmaliger Vorgang, erklärte Reporter ohne Grenzen. Es sei unklar, warum nicht wie üblich ein ziviles Gericht den Wahrheitsgehalt seiner Recherchen prüfe. Im Falle einer Anklage drohten dem Reporter bis zu drei Jahre Haft. "Akribische Recherchen wie die von Piatek sind unerlässlich, um Lügen und Täuschungsmanöver von Politikern zu entlarven", sagte der Geschäftsführer der deutschen Sektion von Reporter ohne Grenzen, Christian Mihr. "Engagierte Reporter wie er gewährleisten die demokratische Kontrolle von Regierungen", betonte er.

 Der seit Ende 2015 amtierenden nationalkonservativen polnischen Regierung werden massive Einschränkungen der Pressefreiheit zur Last gelegt. Seit dem Machtwechsel ist Polen auf der jährlichen Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen um 36 Plätze auf Rang 54 von 180 Staaten gefallen.

Mit den Preisen ehrt die Organisation jährlich Journalisten, Redaktionen und Bürgerjournalisten, die sich in besonderer Weise um die Förderung oder Verteidigung der Pressefreiheit verdient gemacht haben. Die Auszeichnung ist in jeder der drei Kategorien mit 2.500 Euro dotiert.

kle/ww (epd, dpa)

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