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Meilensteine

Reportage vom Beitritt der BRD und der DDR zur UNO am 18. September 1973

"Premierenstimmung": Hanswolf Haunhorst berichtet vom Beitrittsakt beider deutschen Staaten bei der UNO

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Kurz vor der Aufnahme der beiden deutschen Staaten in die Vereinten Nationen am 18. September 1973 in New York. Vorn die DDR mit Außenminister Otto Winzer, der sich mit dem Bundesaußenminister Walter Scheel unterhält

Am 5. Juli 1972 hatte die SED-Zeitung „Neues Deutschland“ unter anderem eine lapidare Meldung zu bieten: „Dr. Waldheim erneut für Universalität der UNO“. Gemeint war damit auch die Mitgliedschaft der BRD und der DDR in dieser Welt-Organisation. Doch es sollten noch weitere 14 Monate vergehen, bis die beiden deutschen Staaten vollberechtigte Mitglieder der Vereinten Nationen werden durften. Bis dahin konnte die Bonner Regierung die Bestrebungen der DDR um die staatliche Anerkennung unterminieren – wohl auch mit Hilfe von Milliardenbeträgen, die die BRD an die UNO überwies. Erst der Grundlagenvertrag, den die Bonner Regierung dem SED-Regime abgetrotzt hatte, ebnete für die beiden deutschen Staaten den Weg in die Vereinten Nationen.

Mitglieder 133 und 134 ohne Abstimmung

Am 18. September 1973 war es nun so weit: die Mitglieder 133 (DDR) und 134 (BRD) sollten offiziell in die Staatengemeinschaft aufgenommen werden. Eine formelle Abstimmung sollte ausfallen, das Wort „Akklamation“ machte damals die Runde. Schließlich, nach einigen kurzen und ungeplanten Reden, wurde an diesem Tag um die Zustimmung des Weltplenums gebeten. Die „Süddeutsche Zeitung“ vom 20. September 1973 beschreibt die darauf folgende Reaktion auf folgende Weise: „Der Applaus gilt als positives Votum. Er fällt allerdings gezügelt aus, klingt bestimmt nicht so, als sei man über den Zuwachs begeistert.“ Anschließend wurden den beiden deutschen Delegationen ihre Plätze zugewiesen. Die Delegation der DDR führte damals Otto Winzer an, die der BRD Walter Scheel. Insbesondere für die damalige DDR war dieser Akt von ganz herausragender Bedeutung: als Vollmitglied der Vereinten Nationen konnte sie diplomatische Beziehungen zu den meisten Staaten der Erde aufnehmen, was sie auch bald tat. In seiner ersten Rede vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen stellte Walter Scheel ganz klar fest, dass dieser Beitrittsakt für die BRD nicht mit der Besiegelung der deutschen Teilung gleich zu setzen ist.

Der Reporter Hanswolf Haunhorst war am 18. September 1973 im Sitz der UNO in New York und berichtete von dort über Details von diesem Tag.

Andreas Zemke

Redaktion: Diana Redlich

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