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Europa

Rentenkrise in den Niederlanden

Niederländische Renten werden zum größten Teil aus Fonds-Gewinnen gespeist. Weil die Börsenkurse im Zuge der Finanzkrise in den Keller gerutscht sind, fehlt es den Fonds an Geld. Die Rentner fürchten nun um ihre Pension.

Blick auf die Hände eines alten Mannes, der einen Regenschirm festhält (Foto: AP)

Viele Niederländer sorgen sich um ihre Rente

In zwei Jahren soll Fons Caris seine verdiente Rente bekommen. Der 63-Jährige aus Maastricht hat über 50 Jahre als Installateur geschuftet - bis es nicht mehr ging. Seit vier Jahren ist er Frührentner. Aber nun macht sich der Niederländer Sorgen um seine Altersversorgung ab dem 65. Lebensjahr: "Mindestens fünf Jahre lang werden die Renten nicht mehr an die Inflation angepasst. Und das wird wirklich schlimme Folgen haben: Alles wird schließlich teurer: Lebensmittel, Gas, Wasser, Strom - aber wir bekommen nicht mehr Geld", befürchtet er.

Den Finanzmärkten ausgeliefert

Eine sinkende Börsenkurve auf einer Anzeigetafel (Foto: AP)

Die Finanzkrise hat auch die Rentenfonds der Niederländer getroffen

Wie Fons Caris geht es Hunderttausenden Niederländern. Sie dachten, ihren Sozialstaat könnte nichts erschüttern. Aber jetzt hat die Finanzkrise das niederländische Rentensystem ins Wanken gebracht. Die Renten sind zwar noch sicher - nicht sicher ist allerdings, wie hoch sie ausfallen werden. Und das liegt daran, dass sich die Niederlande viel stärker als zum Beispiel Deutschland auf Investitionen am Aktienmarkt verlassen haben.

Konkret sieht das so aus: Jeder Niederländer bekommt eine Grundrente vom Staat, die unabhängig vom Gehalt ausgezahlt und über Steuern finanziert wird. Den größeren Teil der Altersversorgung machen allerdings die Betriebsrenten aus. Diese werden von Rentenfonds erwirtschaftet und genau da liegt nun das Problem: Den Fonds geht das Geld aus.

" Man muss bestimmtes Risiko eingehen"

Das Kapital von APG etwa, dem größten Fondsverwalter des Landes, ist in den vergangenen Monaten um 40 Milliarden auf 200 Milliarden Euro geschrumpft. Denn die Pensionsfonds der APG-Gruppe haben ein Drittel der Rentengelder in Aktien investiert. Dennoch wehrt sich der strategische Direktor des Fonds, Olaf Sleijpen, gegen den Vorwurf der Spekulation: "Wir haben das Geld unserer Kunden nicht absichtlich verspielt. Aber wenn man die Renten der Inflation anpassen und entsprechend erhöhen will, dann muss man schon ein bestimmtes Risiko eingehen." Das hätten die Kunden schließlich auch so gefordert, sagt der Fondsmanager.

Die Regierung in Den Haag hat nun von den Fonds verlangt, ihre Finanzen innerhalb der kommenden fünf Jahre wieder in Ordnung zu bringen und dazu - so die Strategie der Unternehmen - soll jeder Niederländer seinen Teil beitragen: "In unseren Plänen steht, dass die Renten weiterhin ausbezahlt werden. Aber sie werden in den kommenden Jahren nicht mehr an die Inflation angepasst. Gleichzeitig werden die Beiträge der Arbeitnehmer und -geber erhöht. Die Belastungen werden also gerecht verteilt - auf die Rentner, die jetzt weniger bekommen, und die, die noch arbeiten und mehr bezahlen müssen", sagt Olaf Sleijpen.

Radikale Einschnitte

Zwei Hände klappen ein Portemonnaie auf, in dem fünf Euro liegen (Foto: dpa)

Alles wird teurer, doch die Höhe der Rente soll gleich bleiben

Diese Belastungen sind drastisch: Der Fondsverwalter APG etwa hebt die Beiträge um knapp 50 Prozent an, auf jetzt gut 20 Prozent des Bruttolohns. Aber selbst diese Maßnahmen reichten nicht, meint die niederländische Regierung. Sie will tief greifende Änderungen und fordert, das Rentenalter von 65 auf 67 Jahre anzuheben - und zwar nicht nur wegen der aktuellen Krise, erklärt Pieter Omtzigt, der Sprecher für Rentenfragen bei den regierenden Christdemokraten: "Die Lebenserwartung ist für Frauen um zehn, für Männer um acht Jahre gestiegen. Die Menschen bekommen also viel länger Rente. Unsere Geldprobleme, die durch die Finanzkrise noch verschärft worden sind, zwingen uns deshalb zu diesem radikalen Schritt."

Auf Begeisterung stößt er mit diesem Vorschlag allerdings nicht. Die Gewerkschaften werfen der Regierung vor, diese lange geplante Verlängerung der Lebensarbeitszeit nun mit Hilfe der Krise durchsetzen zu wollen. Noch laufen die Verhandlungen zwischen der Regierung und den Sozialpartnern, aber Rentner Fons Caris ist schon jetzt bitter enttäuscht: "Die Regierung gibt den Banken und den großen Unternehmen Milliarden Euro Unterstützung und trägt die Krise auf unserem Rücken aus. Das Rentenalter soll hoch gesetzt werden, die Arbeitslosenhilfe wird gekürzt. Wir müssen für die Fehler der Banken bezahlen."


Autorin: Ruth Reichstein

Redaktion: Sandra Voglreiter

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