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Fokus Südosteuropa

Rentenfonds in Serbien schwer gebeutelt

Die Reform des Rentensystems in Serbien geht nur schleppend voran. Die Rentenkasse ist leer. Rentner indes gibt es immer mehr, nicht zuletzt weil sie wegen Personalabbau in den Vorruhestand geschickt werden, so Experten.

Straßenszene in Belgrad (Foto: dpa)

Zahlreiche Serben haben mehr Freizeit als ihnen lieb ist

Das Hauptproblem des Rentensystems in Serbien ist Finanzexpertin Jelica Putnikovic zufolge, dass der Rentenfonds leer ist. Die regierenden Politiker hätten sich häufig des Rentenfonds bedient, um Staatskosten zu decken. Nun müssten Finanzierungslücken aus dem Etat gefüllt werden. Der Staatshaushalt werde wiederum aus verschiedenen Quellen gespeist - von der Auslandsverschuldung bis zum Verbrauch der Staatsreserven, meint Putnikovic.

Auf diese Weise würde sich die Finanzlage kurzfristig entspannen. Eine Atempause die die regierenden Politiker nutzten, um die Öffentlichkeit davon zu überzeugen, dass sie alles unter Kontrolle hätten. Um dieses Hin- und Hergeschiebe zu beenden, ist Putnikovic zufolge eine Rentenreform überfällig.

Zunächst sollten die Rentenausgaben verringert werden, da sie schließlich 12 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausmachten. Ein weiterer wichtiger Schritt sei das Renteneintrittsalter zu erhöhen und zugleich die Vorruhestandsregelungen zu verschärfen.

Diese seien zurzeit sehr flexibel geregelt, so dass sich viele weit unter dem Rentenalter zur Ruhe setzten. Putnikovic zufolge muss ein Rentensystem geschaffen werden, dass die Rente sichert beziehungsweise einen Fond, in den, das was eingezahlt wird, auch dort bleibt und nicht anderweitig ausgegeben wird.

Überschuss an Rentenbeziehern

Blaue Gruppe von Spielfiguren stehen einer roten gegenüber (Foto: dpa)

Zu viele Rentenbezieher für wenige Einzahler

Kritik an der angekündigten Rentenreform übt der Unabhängige Gewerkschaftsverband Serbiens. Sollte die Regierung die geplanten Reformen durchführen, ohne sich mit den Sozialpartnern zu verständigen, würden die Renten bis 2013 auf 40 Prozent des Durchschnitteinkommens (322 Euro Stand Juni 2010) sinken.

Der Vorsitzende des Gewerkschaftsverbandes, Ljubisav Orbovic, sagte der Deutschen Welle, die serbische Wirtschaft sei nicht in der Lage einen solchen, auf Einlagen gestützten, Rentenfonds zu tragen. Zusätzlich belaste die schlecht verlaufene Privatisierung in Serbien den Rentenfonds.

"Das heißt, das Problem ist nicht die Höhe der Rente, sondern die Zahl der Rentner, weil in der jüngsten Vergangenheit zahlreiche Menschen regelrecht in den Vorruhestand getrieben wurden", so Orbovic. Ihm zufolge stellt die desolate Wirtschaftslage im Lande ein weiteres Problem dar. Dadurch würden entsprechend weniger von den ohnehin vergleichsweise wenigen Beschäftigen in den Rentenfonds einbezahlen.

Wirtschaftsaufschwung als Chance

Männchen in Arbeitsmontur arbeiten an Türmen von Münzgeld (Graphik: bilderbox)

Mehr Beschäftigung gefordert

Die Wirtschaftlerin Jelica Putnikovic schätzt die Lage ähnlich ein. Sie sagt, die Regierung habe als Antwort auf die Wirtschaftskrise Sparmaßnahmen eingeführt wie beispielsweise den aufgeblähten Staatsapparat zu reduzieren.

Das heißt, sie habe zahlreiche arbeitsfähige Mitarbeiter in den Vorruhestand geschickt. Somit habe sie die Kosten aber nur zu Lasten des ohnehin überlasteten Rentenbudgets verschoben. Wenn zudem noch die hohe Zahl der Arbeitslosen addiert werde, sei es offensichtlich, warum der Rentenfonds so schlecht dastehe.

In Serbien gibt es Statistiken zufolge 1.860.000 aktiv Beschäftigte, die in die Rentenkasse einzahlen, aber 1.580.000 Rentner und rund 800.000 Arbeitslose, die keine Abgabe an den Rentenfond leisten.

"Es belasten demzufolge nicht nur die Rentner das Budget, sondern auch die Arbeitslosen und dies sind relativ junge Menschen", sagt Orbovic und fügt hinzu, die Belastung sei in letzterem Fall doppelt, einerseits zahlten diese Arbeitslosen nicht in die Rentenkasse ein, bekämen dennoch aus einem anderen Topf staatliche Unterstützung, auch wenn diese nur geringfügig sei. Also müsse die Regierung die Wirtschaft ankurbeln und Beschäftigung schaffen. Anders können sie die Strukturprobleme nicht lösen.

Ein weiterer Reformpunkt ist die Erhöhung des Rentenalters. Der geltenden Rentenregelung zufolge liegt das Rentenbeitrittsalter in Serbien zurzeit bei 59 Jahren bei Frauen und 64 bei Männern. Die angekündigte Reform sieht vor, das Rentenbeitrittsalter auf 60 beziehungsweise auf 65 anzuheben.

Alternative Lösungen wie eine private Altersvorsorge sind in Serbien noch nicht gängig. Jelica Putnikovic weist zwar darauf hin, dass es private Angebote gebe, die Rechtslage jedoch ungeklärt sei und der Verbraucherschutz unzureichend.

Autoren: Ivica Petrovic / Mirjana Dikic

Redaktion: Fabian Schmidt

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