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Deutschland

Rente erst mit 70?

Politiker und Experten in Deutschland diskutieren erneut über das Renteneintrittsalter. Wie lange müssen die Menschen in Zukunft für ihre staatliche Rente arbeiten? Und wie hoch wird sie sein?

Symbolbild Rentenpolitik

Streitpunkt Rente: mit 67 oder noch später?

Die große Koalition aus SPD und CDU/CSU hat im März 2007 die Lebensarbeitszeit von 65 auf 67 Jahre angehoben. Das passiert in mehren Schritten, bis für alle Jahrgänge ab 1964 schließlich ein Renteneintrittsalter von 67 Jahren gilt. Das soll die staatliche Rente in einer alternden Gesellschaft zukunftssicherer machen.

Gleichzeitig hat die große Koalition damals festgeschrieben, dass die Renten auch dann nicht gekürzt werden können, wenn das Lohnniveau, an das die Renten gekoppelt sind, sinkt. Heute regieren CDU und CSU zusammen mit der liberalen FDP, und die Diskussion um die Zukunft der Rente hält an.

Die Alten und der Arbeitsmarkt

Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) wird nicht müde, vom Wert der älteren Arbeitnehmer für die Betriebe zu schwärmen. Nichts könne Erfahrung ersetzen. Das habe man gerade angesichts der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise gesehen, wird sie im "Hamburger Abendblatt" (12.8.2010) zitiert.

Portraitfoto der Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) (Foto:dpa)

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen

Sie sei sicher, so die Ministerin weiter, dass dieser Trend anhalten werde, da die "alten Hasen" in vielen Firmen für die Nachschulung der Auszubildenden gebraucht würden. Mit ihrer "fachliche(n) Kompetenz und einer ausgereiften Persönlichkeit" seien sie auch in Zukunft unentbehrlich.

Lautstarke Unterstützung bekommt die Ministerin von den deutschen Arbeitgebern, deren Präsident Dieter Hundt mit 71 Jahren nahezu vorbildhaft noch lange nicht ans Aufhören denkt. Gebetsmühlenartig wiederholt er das Argument, für "Ältere gibt es immer mehr Jobs!"

Vergleicht man die heutige Zahl der Beschäftigten zwischen 55 und 64 Jahren mit der des Jahres 2000, so trifft seine Aussage auf den ersten Blick zu. Heute arbeiten aus dieser Altersgruppe rund 20 Prozent mehr als noch vor 10 Jahren. Aber trotz aller Beteuerungen bleibt die Realität, dass es gerade die älteren Arbeitslosen in Deutschland sehr schwer haben, eine neue Tätigkeit zu finden.

Portraitfoto von Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt (Foto: dpa)

Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt

Diesem Argument tritt Arbeitgeberpräsident Hundt mit einer Vision entgegen. In "RP-online" betonte er, dass die Betriebe "in Zukunft auf die Mitarbeit, die Erfahrung und die Qualifikation Älterer sehr angewiesen" sein werden, weil sich die "Qualität der Arbeit" sehr verändert habe.

Drehen an der Rentenschraube

Vor diesem Hintergrund drehen Wirtschaftswissenschaftler wie Michael Hüther vom arbeitgebernahen "Institut der deutschen Wirtschaft" (IW) nun erneut an der Schraube der Lebensarbeitszeit. Bis 70 Jahre, so ihr Credo, müsse in Zukunft gearbeitet werden, wenn weder das Rentenniveau sinken noch die Beitragshöhe steigen sollen.

Die Bundesagentur für Arbeit, die nicht in Verdacht steht, regierungskritisch zu argumentieren, hat auf Nachfrage der "Deutschen Welle" allerdings folgende Zahlen zur Verfügung gestellt: Ende 2009 waren knapp 27,5 Millionen Männer und Frauen in Deutschland sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Die 55- bis 64-jährigen stellten davon einen Anteil von 13,4 Prozent. Betrachtet man die Altergruppe der 60- bis 64-jährigen, sinkt der Anteil sogar auf 3,8 Prozent. Also: Je älter man wird, desto geringer sind die Chancen, seine Arbeit zu behalten oder einen neuen Job zu bekommen.

Rentenalter und Rentenkürzung

Sobald die Rente mit 67 Jahren gesetzlich greift, werden alle, die früher in Rente gehen, eine empfindliche Kürzung zu spüren bekommen. Wer dann beispielsweise mit 65 aufhören möchte, muss einen Rentenabschlag um 14,4 Prozent in Kauf nehmen. Derzeit beträgt nach einer Untersuchung der Universität Freiburg die durchschnittliche Rente 984 Euro. Die Kürzung würde die Rente auf ungefähr 740 Euro sinken lassen.

Mit einer Gehhilfe spaziert ein Rentner durch einen Park in Ludwigsburg. (Foto:AP)

Rente erst mit 70 Jahren?

Während Arbeitgeber und Regierung nicht müde werden, für die längere Lebensarbeitszeit zu werben, sprechen SPD und Gewerkschaften die verdeckte Rentenkürzung offen an. "Schon heute schaffen es nur die wenigsten, tatsächlich bis zur Regelaltersgrenze zu arbeiten", so DGB-Vorstandssmitglied Annelie Buntenbach.

Würde man nun das Rentenalter erst mit 70 Jahren erreichen, müssten alle, die schon vorher keine Arbeit mehr haben oder nicht mehr arbeiten können, mit drastisch gekürzten Renten auskommen. Für den Staat könnte das heißen, dass er Steuermittel einsetzen muss, um die Betroffenen oberhalb des Existenzminimums zu halten.

Autor: Matthias von Hellfeld (mit RP Online/afp/Hamburger Abendblatt)

Redaktion: Sandra Petersmann

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