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Südafrika

Rennen um Zuma-Nachfolge eröffnet

Mit viel Pomp hat Südafrikas regierender ANC seinen 105. Geburtstag gefeiert. Doch Skandale um Präsident Jacob Zuma haben der Partei geschadet. Hoffnungen setzen viele jetzt ausgerechnet in seine Ex-Frau.

Standing Ovations für Jacob Zuma im Orlando-Stadion von Soweto. Südafrikas Skandal-Präsident wird gefeiert wie ein Popstar - fast so, als wäre es sein Geburtstag und nicht der seiner Partei. Die Ortsverbände haben dafür gesorgt, dass alle 40.000 Plätze in dem Fußballstadion an diesem 8. Januar besetzt sind, dem 105. Geburtstag des ANC. Daran konnten weder der Regen noch die Kritiker in den sozialen Medien etwas ändern. Auf Twitter hatten sie unter dem Hashtag #DontFillUpOrlandoStadium zum Boykott der Mega-Party aufgerufen.

Der Parteivorsitzende Zuma redet mehr als eine Stunde vor seinen Anhängern, räumt ungewohnt demütig "Fehler" ein und verspricht eine Rundumerneuerung seiner Partei. "Wenn Führungspersönlichkeiten und Mitglieder des ANC korrupt sind und stehlen, dann betrügen sie die Werte dieser Partei, das Volk und unser Land. Wir werden das nicht zulassen", sagt der 74-Jährige. "Wir müssen den Menschen Hoffnung geben. Wir müssen uns vereinen im Kampf gegen unsere Feinde: Die heißen Arbeitslosigkeit, Armut und Ungleichheit." Versprechen, für die ihn seine Anhänger noch immer bejubeln. Für Zumas Kritiker jedoch klingen diese Worte wie Hohn.

Südafrika Zuma hält Rede im Orlando Stadion in Soweto (Reuters/J. Oatway)

Zuma sagt der Krise seiner Partei den Kampf an - dabei steckt er selbst tief mit drin

Erst Freiheitsbewegung, jetzt Skandalpartei

Die Beliebtheit des ANC, der seit dem Ende der Apartheid in Südafrika ununterbrochen an der Macht ist, hat unter Zuma stark gelitten. Der Präsident persönlich ist in einen gigantischen Korruptions- und Finanzskandal verwickelt. Er soll nicht nur seine Privatvilla auf Staatskosten saniert, sondern auch einer befreundeten Unternehmerfamilie Aufträge zugeschanzt und weitreichende politische Mitspracherechte eingeräumt haben. Bei den Kommunalwahlen 2016 fuhr der ANC das schlechteste Ergebnis seit 1994 sein. Damals gewann Friedensnobelpreisträger Nelson Mandela mit der ehemaligen Befreiungsbewegung die ersten demokratischen Wahlen, wurde Südafrikas erster schwarzer Präsident. Mandela - und mit ihm der ANC - wurde weltweit zum Symbol des Freiheitskampfes, zum Vorbild für Versöhnung und Frieden.

"Der ANC hat sich im Wahlkampf lange auf Jacob Zuma konzentriert, in den nationalen, aber auch in den lokalen Wahlen", sagt Phillip de Wet, Redakteur bei der südafrikanischen Zeitung Mail&Guardian. "Aber sie haben gemerkt, dass es ein Problem ist, wenn der Präsident mit Kleptokratie assoziiert wird, mit einer Art Fäulnis innerhalb der Partei. Einige Wähler werfen dem ANC sogar vor, er diene einem Autokraten. Eine Absetzung von Jacob Zuma würde der Partei helfen, aber es muss mehr getan werden."

Südafrika Tausende protestieren vor Präsidentenpalast gegen Zuma (Reuters/M. Hutchings)

2016 gab es immer wieder Demonstrationen gegen Zuma, viele fordern seinen Rücktritt

AU-Vorsitzende Kandidatin für Zuma-Nachfolge

Früher als erwartet hat jetzt die Frauenliga des ANC das Rennen um Zumas Nachfolge eröffnet. Am Vortag der Geburtstagsfeiern sprach sich das einflussreiche Bündnis für Zumas Ex-Frau Nkosazana Dlamini-Zuma als neue ANC-Vorsitzende und Präsidentschaftskandidatin 2019 aus. Noch ist sie Vorsitzende der Afrikanischen Union, ihre Amtszeit endet in diesem Jahr. Die 67-Jährige selbst hat sich noch nicht zu ihren Zukunftsplänen geäußert. "Sie ist eine Führungsfigur im ANC", sagt die Präsidentin der Frauenliga, Bathebile Dlamini. "Und sie hatte schon viele Ämter in der südafrikanischen Regierung und in Afrika inne". Auch die ANC-Jugendliga, der Veteranenverband und die Premierminister aus mindestens drei der insgesamt neun Provinzen haben sich hinter Dlamini-Zuma gestellt.

Unter Mandela war sie Gesundheitsministerin, von 1999 bis 2009 Außenministerin unter Präsident Mbeki und dann bis 2012 Innenministerin unter Zuma. "Sie ist ein ANC-Urgestein. Ihr wird zugetraut, dass sie Südafrika in der Welt repräsentieren kann", sagt Phillip de Wet. "Sie war länger nicht Teil des konfusen und harten politischen Alltags hier in Südafrika - und das ist ihr großer Vorteil. Sie war weit weg - in der AU." Dass Dlamini-Zuma bis 1998 mit dem heutigen Präsidenten Zuma liiert war, schade ihrer Glaubwürdigkeit nicht, so der Journalist. "Auch wenn sie einmal mit Zuma verheiratet war, ist sie heute nicht mehr besonders eng mit ihm verbandelt. Sie ist ihr eigener Boss, sie gilt als unverdorben."

AU Präsidentin Nkosazana Dlamini-Zuma (Simon Maina/AFP/Getty Images)

Weit weg von den Reibereien, aber nicht weg von der Bildfläche: AU-Präsidentin Dlamini-Zuma in Addis Abeba

Die Gräben innerhalb des ANC

Das, so Phillip de Wet, könne man von Cyril Ramaphosa, dem aktuellen Vize-Präsidenten, nicht sagen. Der einstige Mandela-Vertraute und Mitarchitekt des demokratischen Übergangs soll eigentlich ins mächtigste Amt im Staat vorrücken, so will es die politische Tradition in Südafrika. Kritiker werfen dem ehemaligen Gewerkschafter und heutigen Unternehmer inzwischen eine zu große Nähe zu Zuma vor. Hinter ihm steht aber sein ehemaliger Gewerkschaftsdachverband Cosatu, auch die Kommunistische Partei sowie mehrere regionale Regierungschefs und Minister haben sich für ihn ausgesprochen. Am Rande der ANC-Geburtstagsfeier warb Ramaphosa für mehr Einheit in der Politik. "Wir haben Grabenkämpfe über die Zuma-Nachfolge 2017 geführt, wir sind gespalten, hintergehen uns gegenseitig, es wird nur gekämpft und gekämpft", sagte er.

Voraussichtlich im Dezember 2017 werden die Delegierten über den neuen Parteivorsitz entscheiden. "Das Land und der ANC sind sehr tief gespalten über Jacob Zuma und wir sehen bereits, dass sich potenzielle Nachfolger als versöhnende Figuren präsentieren. Wer kann die Partei und das Land wieder vereinen? Das wird die entscheidende Frage sein", sagt Journalist Phillip de Wet. Wie viele andere erwartet auch er einen harten Kampf bis Dezember, der die Gräben in der südafrikanischen Gesellschaft noch vertiefen könnte.

Mitarbeit: Subry Govender

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