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Kultur

Renate Lingor: Deutschland in Europa Vorreiter beim Frauenfußball

Bei der FIFA-Wahl zur Weltfußballerin des Jahres in Zürich (18.12.06) kam die deutsche Nationalspielerin Renate Lingor auf den dritten Platz. Über die Bedeutung der Auszeichnung spricht sie im Interview mit DW-WORLD.DE.

Abendrobe statt Fußballkluft: Renate Lingor umrahmt von Weltfußballerin Marta (re) und Kristine Lilly

Abendrobe statt Fußballkluft: Renate Lingor umrahmt von Marta (rechts) und Kristine Lilly

DW-WORLD.DE: Herzlichen Glückwunsch zu der Auszeichnung - sind Sie enttäuscht, dass Sie nur "Dritte" geworden sind, oder stolz, überhaupt so weit vorne gelandet zu sein?

Renate Lingor: Ich bin überhaupt nicht enttäuscht, ich habe mich riesig gefreut, überhaupt dabei zu sein und ehrlich gesagt auch nicht wirklich viel mehr erwartet. Es ist schon sensationell gewesen. Es war ein wunderschöner Abend, und ich habe mich auch riesig für die anderen beiden gefreut, die es in meinen Augen verdient haben.

Ihre Teamkollegin Birgit Prinz hat in den letzten drei Jahren jeweils die Ehrung als beste Fußballerin der Welt gewonnen. Sie beide verstehen sich blind auf dem Platz, haben gemeinsam mit dem 1. FFC Frankfurt etliche Titel geholt - verstehen Sie sich auch abseits des Platzes so gut?

Spielgestalterin in Nationalmannschaft und beim 1. FFC Frankfurt: Renate Lingor

Spielgestalterin in Nationalmannschaft und beim 1. FFC Frankfurt: Renate Lingor

Wir verstehen uns auch außerhalb des Platzes sehr gut, wobei wir privat nicht ständig Zeit miteinander verbringen. Mit der Birgit kann man sehr viel Spaß haben und auch sehr gut privat reden.

DFB-Präsident Theo Zwanziger schwärmt in höchsten Tönen von Ihnen: Sie seien ein "Idol für viele junge Spielerinnen" - sind das Äußerungen, die verpflichten, spüren Sie dadurch Druck?

Nein, ich bin da sehr gelassen. Ich freue mich, wenn ich Kindern eine Freude machen kann, wenn man in lachende Kinderaugen sieht, wie jetzt mit unserer Schulfußball-Offensive, die wir gestartet haben. Man kann so ein bisschen davon abgeben, was man selber erreicht hat. Das macht mir sehr viel Spaß, aber setzt mich auf keinen Fall unter Druck.

Ihr schönstes Erlebnis auf dem Fußballplatz 2006?

Mit Sicherheit der Gewinn des UEFA-Pokals mit dem 1. FFC Frankfurt. Wir haben nicht alle Saisonziele erreicht, die wir uns vorgenommen haben. Aber den wohl schönsten Wettbewerb haben wir dann doch für uns entscheiden können. Weil es kurz vorher ein paar Niederlagen gegen den Endspielgegner Potsdam gab, war das natürlich ein besonders schöner Abschluss der Saison.

Wie ordnen Sie den Stellenwert des Frauenfußballs hierzulande ein - hat Deutschland da etwa im Vergleich mit den USA Nachholbedarf?

Gerade wenn man nach Europa schaut, sind wir sogar Vorreiter. Wir haben einen Präsidenten mit Theo Zwanziger, der sehr viel für den Frauenfußball in Deutschland tut, der sich sehr für den Mädchenfußball engagiert. Der auch sehr interessiert ist, der nicht nur leere Worte nach außen trägt, sondern auch Taten folgen lässt und uns wirklich den Rücken stärkt. Ich denke, die Förderung des Frauenfußballs ist in Deutschland sehr gut. Sicherlich ist in den USA die Breite viel mehr da, doch wenn man das langsam angehen lässt, wird das in den nächsten Jahren in Deutschland noch weiter voran gehen.

Ronaldinho-Nachfolger: Fabio Cannavaro ist Weltfußballer des Jahres

Ronaldinho-Nachfolger: Fabio Cannavaro (links) ist Weltfußballer des Jahres

Was denken Sie über die Wahl von Fabio Cannavaro zum Fußballer des Jahres - verdient?

Ich habe mich gefreut für ihn. Man hat die Freude in seinen Augen gesehen, er war die ganze Zeit am Grinsen und kam sehr sympathisch rüber. Ich habe mich auch für ihn gefreut, weil es sicherlich sehr unerwartet war und auch mal was Besonderes, als Verteidiger so eine Auszeichnung zu bekommen. Das muss man erst mal hinkriegen.

Sie haben Sportwissenschaften studiert - ein zweites Standbein nach Ihrer Fußballerinnen-Karriere?

Ich arbeite bereits seit April dieses Jahres beim DFB in der Abteilung Schulfußball. Ich habe da aber nur eine Teilzeitstelle, damit ich auch weiterhin auf dem Feld Leistung bringen kann.

Ihre Ziele für 2007?

Auf jeden Fall, die Ziele erreichen, die wir jetzt noch mit dem Verein haben: Und zwar ins Pokalfinale kommen und die deutsche Meisterschaft erreichen, damit wir nächstes Jahr wieder im UEFA-Cup spielen können. Und dann natürlich eine gute Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft hinlegen, und die dann möglichst positiv abschließen.


Renate Lingor ist seit Jahren Dreh- und Angelpunkt der deutschen Nationalmannschaft und beim Bundesligisten 1. FFC Frankfurt. Mit den Hessinnen feierte sie fünf deutsche Meistertitel und Pokal-Siege. Im Sommer 2006 gewann Lingor mit dem FFC zum zweiten Mal nach 2002 den UEFA-Cup.

International ins Rampenlicht trat die 31-jährige Karlsruherin bei Olympia 2000 in Sydney, als sie mit der DFB-Elf wie auch vier Jahre später Bronze gewann.

Zur Weltfußballerin des Jahres 2006 wurde am Montagabend (18.12.06) in Zürich Marta aus Brasilien (475) gefolgt von der US-Amerikanerin Kristine Lilly (388) gewählt. Renate Lingor kam mit 305 Punkten auf den dritten Platz.

Fabio Cannavaro ist zum Weltfußballer des Jahres gekürt worden. Der italienische Abwehrspieler kam bei der Wahl der Nationaltrainer und Kapitäne der FIFA-Mitgliedsverbände auf 498 Punkte und verwies damit den nach der WM zurückgetretenen Franzosen Zinedine Zidane (454) und den zuletzt zweimal erfolgreichen Brasilianer Ronaldinho (380) auf die Plätze zwei und drei. Bester Deutscher unter den 30 Bewerbern wurde Michael Ballack auf dem elften Rang (53).

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