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Europa

Renaissance der Ikonen

Russisch-orthodoxe Kirchen sind bekannt für ihre mit Gold bemalten Heiligenbilder und Ikonenaltare. Die Kirchen erleben seit dem Ende der Sowjetunion eine Renaissance - und Ikonenmaler haben viel zu tun.

Blick auf ein Kloster mit Zwiebltürmen (Foto: Erik Albrecht)

Das Dreifaltigkeitskloster in Sergijew Possad ist bekannt für seine Ikonen

Das Dreifaltigkeitskloster in Sergijew Possad in der Nähe von Moskau sieht mit seinen Zwiebeltürmen und goldenen Sternen von außen sehr hübsch aus. Doch der wahre Schatz des Klosters ist im Gebäude aufbewahrt: In den Klosterkirchen stehen prunkvolle Ikonen, alle handbemalt.

Die besten Ikonenmaler Russlands

Blick in ein Atelier (Foto: Erik Albrecht)

Im Atelier der Ikonenmalschule malen die Studenten ihre ersten Ikonen

In einem Seitenflügel des Klosters ist die beste Ikonenmalschule in ganz Russland untergebracht. 100 Studenten lernen hier das alte Handwerk. Unter ihnen ist der Russlanddeutsche Alexej Lemmer. Er sitzt an seinem Arbeitsplatz, vor ihm auf seinem Schreibtisch steht eine halbfertige Ikone des Apostel Paulus. Noch fehlt ihm das Antlitz. "Wenn ich die Ikone male, hängt viel von meinem geistigen Zustand ab. Denn es ist immer so, dass der Ikonenkünstler bei der Ikone einen Teil von sich hinterlässt", erklärt der 26-Jährige.

In dem engen Atelier für die Erstsemester steht ein Schreibtisch an dem nächsten. Drumherum stehen unzählige Ikonen - alle mit dem typischen goldenen Kranz um die Köpfe. Für die Heiligenscheine verwenden Alexejs ältere Blattgold. Sie arbeiten gerade an einer Ikonenwand für den Altar einer russisch-orthodoxen Kirche in London.

Gold für die Profis, Farbe für die Anfänger

Blick auf einen Turm mit goldenen Ikonenmalereien (Foto: Erik Albrecht)

Ikonen zieren nicht nur das Innere orthodoxer Kirchen, sondern auch ihre Fassaden

Als Anfänger muss Alexej sich noch mit einfacher Farbe begnügen. Mit einem Stampfer zermahlt er auf einer Glasplatte die Brocken, aus denen er die Farben mischt: "Die Pigmente, die hier benutzt werden, kommen in der Natur vor. Sie werden dann mit Hilfe von diesem Glas verrieben. Und dann werden die mit Hilfe von Eigelb vermischt", erzählt er. Die Eier sollen die Naturfarben auf der Holzoberfläche der Ikonen binden. Zehn bis zwanzig Stück braucht man für eine große Ikone.

Spätestens in zwei Jahren wird Alexej solche Heiligenbilder als Auftragsarbeiten für orthodoxe Kirche malen. Das Studium in Sergijew Possad dauert drei Jahre, danach kann man zwei weitere Jahre ein Zusatzstudium machen. Alexejs Berufswunsch steht schon fest: Er will Priester werden - und Ikonen malen. Schon in Deutschland war Alexej Messdiener in der orthodoxen Kirche im bayerischen Ingolstadt. Dort hatte er auch eine Ausbildung zum Großhandelskaufmann gemacht. Doch die Arbeit war ihm zu trocken. "Dauernd am Computer und am Telefon. Das war nichts für mich. Ich wollte etwas geistlich Erfüllendes", sagt Alexej.

Ein erfüllendes Leben

Ein junger Mann steht vor einer Staffelei (Foto: Erik Albrecht)

Alexej Lemmer ist im ersten Jahr in der Ikonenmalschule

Der Studienalltag ist hart: Alexej teilt seinen Schlafsaal mit 22 Kommilitonen. Kurz vor fünf Uhr morgens ist der erste Gottesdienst - und auch wenn die Teilnahme keine Pflicht ist, wird man in jedem Fall wach. Den Tag über hat er theologische Vorlesungen und malt. Seine Freunde in Deutschland haben anfangs nicht verstanden, dass er alles aufgegeben hat, um ins Priesterseminar zu geben. Alexej kann sich dagegen ein anderes Leben gar nicht mehr vorstellen.


Autor: Erik Albrecht
Redaktion: Julia Kuckelkorn

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