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Filme

Religion und Berlinale: Geht das?

Im Programmheft steht nichts von Religion. Aber: Ein herausragendes Beispiel für die Auseinandersetzung mit christlichen Werten im Film läuft dieses Jahr im offiziellen Wettbewerb: "Sophie Scholl - die letzten Tage".

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Szene aus "Sophie Scholl - Die letzten Tage"


Der Film erzählt von den letzten Lebenstagen der Münchner Studentin Sophie Scholl, ihres Bruders und eines Kommilitonen, die sich nicht mit dem Unrecht der Nazis abfinden wollten und dafür in den Tod gingen. Der Film ist jedoch kein Aufarbeitungsmelodram und kein Märtyrerdrama. Es ist das Werk eines jungen Regisseurs (Marc Rothemund, Jahrgang 1968) über junge Menschen und ihre Einstellung zu Zivilcourage.

Filmszene Sophie Scholl - Die letzten Tage

Szene aus "Sophie Scholl - Die letzten Tage" (Schauspieler: Julia Jentsch, Fabian Hinrichs)

Der Medizinstudent Hans Scholl (Fabian Hinrichs) und seine Schwester Sophie (Julia Jentsch), die Biologie und Philosophie studierte, waren führende Mitglieder der studentischen Widerstandsgruppe "Weiße Rose" in München. Mit Flugblattaktionen riefen sie immer wieder zum Widerstand gegen das Nazi-Regime auf. Der Film zeigt das letzte konspirative Treffen der Gruppe, die Debatten der Studenten, die Verhaftungen am 18. Februar 1943 – und die anschließenden Verhöre.

Julia Jentsch in dem Film Sophie Scholl - Die letzten Tage

Szene aus "Sophie Scholl - Die letzten Tage"

Stundenlang muss Sophie Scholl den Psychodrill der Gestapo aushalten. " Wie sie die Stärke hatte, den Gestapo-Verhörspezialisten Robert Mohr (im Film: Alexander Held) erst zu täuschen und dann nicht vor ihm zusammenzubrechen, ihm ihre Angst und Traurigkeit nicht zu zeigen, hat mich am meisten an Sophie beeindruckt", sagt Darstellerin Julia Jentsch. Aus dem Verhör wird eine Diskussion über Gewissen, Freiheit und Glaube.

Marc Rothemund zeigt in seinem Film unter Berufung auf die Verhörprotokolle, dass der von Sophies Idealismus und Mut sichtlich beeindruckte Gestapo-Beamte der Studentin einen Weg gewiesen hatte, ihr eigenes Leben zu retten. Doch diesen Weg wollte die Tochter eines württembergischen Bürgermeisters, der seine Kinder zu Toleranz und Eigenständigkeit erzogen hatte, nicht gehen. Ermöglich wurde diese Sicht durch die Entdeckung der Verhörprotokolle, die bis zum Zusammenbruch der DDR im zentralen SED-Parteiarchiv gelagert waren.

Freies Bildformat, Julia Jentsch als Sophie Scholl

Szene aus "Sophie Scholl - Die letzten Tage"

Offenbar hatte die SED-Machthaber keinerlei Interesse daran, Sophie Scholl als Persönlichkeit zu zeigen, die der NS-Herrschaft mit großem Mut und in tiefbegründeter christlicher und patriotischer Überzeugung die Stirn bot. Dennoch: Die Sophie, die Julia Jentsch darstellt, hat keinen Heiligenschein - nicht einmal in den Momenten, in denen die überzeugte Protestantin in ihrer Zelle Verse von Augustinus betet. "Gott war für sie Ansprechpartner in einer Umgebung, in der es keinen Ansprechpartner gab", sagt Jentsch.

Berlinale und Ökumene

Plakat der Berlinale 2005 in Berlin mit Galeriebild

Plakat der Berlinale 2005

Die ökumenische Jury der Berlinale hat dieses Jahr viele Filme zu beurteilen, nicht nur im offiziellen Wettbewerb. Seit 1992 sind die internationalen Filmorganisationen der evangelischen und der katholischen Kirchen - Interfilm und Signis - durch eine aus sechs Mitgliedern bestehende gemeinsame ökumenische Jury vertreten. Die Jury vergibt ihren Hauptpreis für einen Film aus dem Wettbewerb, sowie je einen mit 2.500 Euro dotierten Preis für einen Film aus der Sektion Panorama und aus dem Programm des Forums.

Die Jury ehrt mit den Preisen Filmschaffende, die in ihren Filmen ein menschliches Verhalten oder Zeugnis zum Ausdruck bringen, das mit dem Evangelium in Einklang steht, oder die es in ihren Filmen schaffen, die Zuschauer für spirituelle, menschliche und soziale Werte zu sensibilisieren. "Die Regisseure mögen es, die ökumenischen Filmpreise zu bekommen", weiß Angelika Obert, Filmbeauftragte der evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg. "Denn sie wissen, diese Jury macht sich Gedanken." Und niemand bekommt den Preis allein wegen seiner "Botschaft". Jurymitglieder 2005 sind: Thomas Kroll (Jurypräsident), Clotilde Lee (Korea), Charles Martig (Schweiz), Johanna Haberer (Deutschland), Dina Iordanova (Schottland), Gordon Matties (Kanada). (arn)

Symbolbild Film Festival roter Teppich

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Was sind die besten Dramen, die lustigsten Komödien, die Top-Schauspielerinnen und die größten Leinwandhelden? In der Serie "KINO Favoriten" präsentiert das DW-Filmmagazin seine ganz persönliche Auswahl.