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Deutschland

Religion oder Werteunterricht?

Diskussion statt Freistunden: Berlin will, dass sich seine Schüler über Lebensgestaltung, Normen und kulturell-religiöse Traditionen unterhalten. In einem neuen Schulfach "Werteunterricht". Die Gegenwehr ist heftig.

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Das Leben erklären


Samstag, 9. April, Berlin, Bildungsparteitag der SPD: Mit großer Mehrheit von 166 zu 51 Stimmen (77 Prozent) beschließen die Delegierten, einen verpflichtenden, religiös und weltanschaulich neutralen Werteunterricht einzuführen. Das Fach soll ab der 7. Klasse unterrichtet werden. Es kann nicht zu Gunsten eines Religionsunterrichts abgewählt werden. Damit soll in der Hauptstadt der Zustand beendet werden, dass gut die Hälfte der 300.000 Schüler statt des freiwilligen Religions- und Weltanschauungsunterrichtes Freistunden wählen.

Islam-Unterricht an Schule

Was ist besser: Konfessioneller oder weltanschaulich neutraler Unterricht?

Laut Grundgesetz ist Religion in allen Bundesländern ordentliches Schulfach. Für den Stadtstaat Berlin gilt aber die so genannte Bremer Klausel, die besagt, dass Landesregelungen weiter gelten, die bei der Verabschiedung des Grundgesetzes 1949 in Kraft waren. In Berlin gab es damals keinen staatlichen Religionsunterricht. Heute gibt es ihn und wird es auch weiterhin geben - als das, was es die letzten Jahre auch war: freiwilliges Zusatzangebot. Außerdem sollen die Kirchen im Werteunterricht eigene Projekte gestalten dürfen.

Scharfe Kritik

Berliner Dom wird 100

Der Vorsitzende der nordrhein-westfälischen CDU, Jürgen Rüttgers, kritisierte, die Idee des Werteunterrichts könne "nur von Leuten kommen, die nicht verstanden haben, was Kinder für ein selbstbestimmtes Leben brauchen: Werte und eben Gott". Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) und sprach von einer "schrecklichen Fehlentwicklung" bei den Sozialdemokraten in der Hauptstadt. "Wenn man den Religionsunterricht abschafft und damit die Möglichkeit, feste christliche Werte zu erkennen, dann lässt man die Menschen im Stich", erklärte er.

Gesangbuch in der Kirche

Das Christentum sei "eine Religion, die über alle Konfessionen und Religionen hinweg verbindet", ließ Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) wissen. "Wir brauchen einen offensiven Umgang mit dem Christentum in unserem Land", sagte er. Die Berliner CDU und die katholische Kirche haben bereits angekündigt, notfalls gegen den staatlich verordneten Werteunterricht zu klagen und ein Normenkontrollverfahren vor dem Bundesverfassungsgericht anzustrengen. Es soll prüfen, ob ein Pflichtfach Werteunterricht ohne Abwahlmöglichkeit gegen die verfassungsrechtlich garantierte Glaubensfreiheit verstößt.

Türken in Deutschland Moschee in Berlin Gebet

Beten in Berlin

Auch die Islamische Föderation sieht sich durch die Vorstellungen der Berliner SPD zum Werteunterricht diskriminiert. Es stelle sich nämlich die Frage, "was mit den Weltanschauungs- und Religionsgemeinschaften passiert, die keine Kirchen sind", erklärte der Vorsitzende des Dachverbands, Burhan Kesici. Es wäre "nicht hinnehmbar", wenn die Islamische Föderation, der Humanistische Verband, die Jüdische Gemeinde sowie Buddhisten und Alewiten "nicht mehr Ansprechpartner für das neue Fach" wären. Dann wäre dies "kein verbindender, sondern ein trennender und diskriminierender Wertunterricht, der eine Kluft zwischen den Weltanschauungen und Religionen zur Konsequenz hätte".

Lesen Sie im zweiten Teil, ob die Schulen ein neues Fach überhaupt verkraften können.

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