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Nahost

Religiöser Dialog mit Hindernissen

Das Verhältnis von Papst Benedikt XVI. zu Juden und Muslimen ist getrübt. Eine Reihe von Missverständnissen hat dazu beigetragen.

Papst Benedikt XVI. (Foto: AP)

Vor fünf Jahren wurde Joseph Ratzinger zum Papst gewählt

Der erste Synagogenbesuch seit Petrus in Rom oder die Visite in der Ummayyaden-Moschee in Damaskus - Papst Johannes Paul II. hat in seiner Amtszeit neue Maßstäbe im Dialog mit Juden und Muslimen gesetzt. Große Fußstapfen, in die sein Nachfolger Kardinal Joseph Ratzinger vor fünf Jahren treten musste. Wie hat Benedikt XVI. den Dialog mit Juden und Moslems gestaltet? So viel ist klar: Das Wort "Missverständis" kam in den vergangenen Jahren ausgesprochen häufig vor.

Am 12. September 2006, bei seinem zweiten Deutschland-Besuch, bedient sich der Honorarprofessor Joseph Ratzinger in einer Vorlesung an der Universität Regensburg eines Zitats des byzantinischen Kaisers Palaiologos. Es sorgt für die erste Zerreißprobe seines Pontifikats. Benedikt zitiert: "Zeig mir doch, was Mohammed Neues gebracht hat, und da wirst du nur Schlechtes und Inhumanes finden wie dies, dass er vorgeschrieben hat, den Glauben, den er predigte, durch das Schwert zu verbreiten." Es folgt ein Aufschrei der Empörung in der muslimischen Welt, weil Papst Benedikt XVI. in seiner Rede nicht eindeutig klarstellt, dass er sich das umstrittene Zitat nicht zu eigen machen will. Vatikan-Sprecher Frederico Lombardi versucht zu vermitteln. Es handele sich um ein bedauerliches Missverständnis.

Missverständnisse mit Muslimen

Iraker verbrennen eine Papstpuppe und eine deutsche Flagge (Foto: AP)

Benedikts Rede in Regensburg führte zu heftigen Protesten im Irak

Unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen reist Benedikt zwei Monate später, Ende November 2006, in die Türkei. Dort bemüht sich der Papst um Schadensbegrenzung. Der Islam sei "eine Religion des Friedens, der Toleranz und der Liebe", so Benedikt. Eine Entschuldigung äußerte der Papst nicht. Zu Recht, so Kardinal Karl Lehmann, es gebe auch nichts zu entschuldigen. Auch Lehmann führt den Protest in der muslimischen Welt auf ein Missverständnis zurück. Es müsse aber "in einem freien, akademischen Bereich" möglich sein, über Dinge zu reden, "über die man in allen Bereichen der Welt eigentlich ohne große Schwierigkeiten reden kann", so der damalige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz.

Juden empört über Karfreitagsfürbitte

Die Kette der Missverständnisse mit anderen Religionen reißt nicht ab. Von Beginn seiner Amtszeit an will der neue Papst die Seligsprechung von Papst Pius XII. voran treiben, obwohl dieser im Dritten Reich zum millionenfachen Judenmord geschwiegen haben soll. Dazu kommt, dass Benedikt 2008 die alte Messe, die so genannte Lateinische Messe, aufwertet. Was im Dritten Reich in der Kirche gebetet wurde, darf nun, in leicht abgewandelter Form, wieder ausgesprochen werden. Der genaue Wortlaut lautet nun: "Gott möge die Herzen der Juden erleuchten, denn indem die Heidenvölker in Deine Kirche eintreten, wird auch ganz Israel gerettet." Die Empörung der Juden weltweit ist groß, weil viele in der "Karfreitagsfürbitte" den Aufruf heraus hören, Juden sollten doch endlich zum richtigen, nämlich katholischen Glauben finden. Salesianerpater Norbert Hofmann, der im Vatikan für den Dialog mit den Juden verantwortlich ist, bestreitet das und führt als Beleg dafür an, dass es "kein Institut zur systematischen Bekehrung von Juden zum Christentum" im Vatikan gebe und spricht von einem bedauerlichen "Missverständis".

Papst rehabilitiert Pius-Brüder

Holocaust-Leugner Richard Williamson (Foto: AP)

Für die Rehabilitierung von Holocaust-Leugner Richard Williamson (links) wurde der Papst scharf kritisiert

Doch die Aufregung um die Karfreitagsfürbitte ist nur der Auftakt zu größerem Ärger. Benedikt hatte die Lateinische Messe auch deshalb aufgewertet, um die abtrünnige Pius-Bruderschaft in die Kirche zurückzuholen. Am 24. Januar 2009 teilt der Vatikan die Rücknahme der Exkommunikation der Pius-Bischöfe mit. Zeitgleich werden die Medien weltweit durch einen Bericht des Nachrichtenmagazins "Spiegel" auf ein schwedisches TV-Interview mit dem jüngst rehabilitierten Bischof Williamson aufmerksam, der darin mehrmals den Holocaust leugnet.

Bei seiner wöchentlichen Generalaudienz erinnert Papst Benedikt wenig später an die Schoah und betont, dass niemand dieses Verbrechen jemals vergessen oder minimieren dürfe. Die deutsche Kanzlerin Merkel fordert den Papst unterdessen zu einer Klarstellung auf. Der Papst selbst räumt einige Monate später zwar ein, es habe handwerkliche Fehler der Kurie in der Williamson-Affäre gegeben, zugleich aber bekräftigt er seine Absicht, die Pius-Bruderschaft wieder in die katholische Kirche einzugliedern. Eine Entschuldigung an die jüdische Welt, die jahrhundertlang unter Pogromen durch Christen gelitten hat, bleibt aus. Eins bleibt am fünfjährigen Pontifikat von Papst Benedikt XVI. im Umgang mit anderen Religionen haften: Es hat eine Reihe von Missverständnisse mit Muslimen und Juden gegeben.

Autor: Christian Schlegel
Redaktion: Anne Allmeling