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Aktuell Deutschland

Rekordzahl neuer Drogen in Europa

Die EU-Beobachtungsstelle für Rauschmittel hat eine Rekordzahl neuer synthetischer Drogen entdeckt. Außerdem warnt sie vor HIV-Epidemien an sozialen Brennpunkten Südeuropas. Die Prognose sei besorgniserregend.

Während in den meisten EU-Ländern die Zahl der neuen HIV-Fälle unter Drogenkonsumenten sinkt, kommt es in einigen Ländern Süd- und Osteuropas zu "besorgniserregenden Ausbrüchen". Das geht aus dem neuesten Bericht der Europäischen Drogenbeobachtungsstelle ( EBDD) hervor, der in Berlin vorgestellt wurde. In Griechenland, Rumänien und Bulgarien stieg die Zahl der neu diagnostizierten HIV-Infektionen im Drogenmilieu sprunghaft an. Auch in Estland und Litauen werden wieder mehr Fälle registriert.

In Athen, wo 2011 eine lokale Epidemie unter Rauschgiftsüchtigen ausbrach, seien der Austausch gebrauchter gegen neue Spritzen und die Behandlungsmöglichkeiten ausgebaut worden, sagte Roland Simon vom EBDD. Doch laut Bericht gibt es "Grund zur besorgniserregenden Prognose, dass das potenzielle Risiko für neue örtlich begrenzte HIV-Epidemien möglicherweise zunehmen wird". Verwiesen wird auf den sozialen Verfall in manchen Wohnvierteln und die eingeschränkten finanziellen Mittel der Staaten, Gegenmaßnahmen zu treffen. Hinzu komme die verstärkte Migration aus EU-Nachbarländern wie Russland und der Ukraine, wo pro 1 Million Einwohner 104 bzw. 152 Neuerkrankungen an AIDS gemeldet werden (EU: 2,5 Neuerkrankungen).

"Ursprünglich für die Betäubung von Nashörnern gedacht"

Die Palette psychoaktiver Substanzen, die zunehmend über das Internet gehandelt werden, wird immer vielfältiger und unübersichtlicher. Die in Lissabon ansässigen Drogenbeobachter der Europäischen Union entdeckten allein in diesem Jahr bereits über 50 bisher unbekannte Drogen. Die größten Gruppen sind dabei Cathinone, die die Wirkung von Kokain nachahmen können, und Cannaboide ( "Spice"-ähnlich). Vermehrt werden Produkte aufgespürt, in denen mehrere Substanzen vermischt sind, so dass sie bisher nicht unter das Betäubungsmittelgesetz fallen. Das Problem dabei sei dass bei vielen Substanzen der Konsum beim Menschen niemals beabsichtigt war, erläuterte Tim Pfeiffer-Gerschel, Leiter der Deutschen Drogenbeobachtungsstelle: "Die Risikoabschätzung ist extrem schwierig, wenn man sich vor Augen hält, dass Substanzen konsumiert werden, die für die Betäubung von Nashörnern vorgesehen sind".

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Drogenberatung und Therapie in Berlin (16.04.2012)

Drogenbeauftrage Dyckmans: "Cannabis nicht harmlos"

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans, wandte sich erneut gegen eine Legalisierung von Cannabis in Deutschland, die unter anderem von liberalen und linken Politikern gefordert wird. "Cannabis ist keine harmlose Droge", sagte sie, es gebe immer mehr Patienten, die sich wegen Marihuana in Behandlung begäben.

Positiv registriert das EBDD europaweit einen rückläufigen Konsum von Heroin, das seit den 70er Jahren die meisten drogenbedingten Krankheiten und Todesfälle verursachte. Der Rückgang hänge damit zusammen, dass heute in der EU und Norwegen die Hälfte aller Konsumenten von Opioiden Zugang zu einer Substitutionstherapie haben.

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