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Wirtschaft

Rekordverlust von AIG lässt die Börsen weiter abstürzen

Die Aktienmärkte sind nach dem Rekordverlust von 100 Milliarden Dollar beim US-Versicherer AIG weiter in die Knie gegangen. Der Dow Jones Index stürzte unter 7000-Punkte - den tiefsten Stand seit mehr als elf Jahren.

Der Schrecken sitzt in den Gliedern

Der Schrecken sitzt in den Gliedern

Zum Wochenauftakt sank der Index der Wall Steet um 4,25 Prozent und notierte zu Börsenschluss bei 6762,82 Punkten. Seit Jahresbeginn 2009 hat er damit mehr als 20 Prozent an Wert verloren. Der Technologie-Index Nasdaq fiel am Montag (02.03.2009) um 3,99 Prozent und lag zu Handelschluss bei 1322,85 Punkten. Zuletzt hatte der US-Aktienindex die 7000er-Marke am 28. Oktober 1997 gerissen. Am Morgen hatte der Versicherungskonzern AIG mit minus 61,7 Milliarden Dollar den höchsten Quartalsverlust der US-Geschichte bekannt gegeben. Auch die größte europäische Bank HSBC musste einen schweren Gewinneinbruch um 70 Prozent hinnehmen.

Analysten begründen den Kurssturz in New York mit der zunehmenden Unsicherheit der Anleger, ob sich die Lage bald stabilisieren könne und ob insbesondere die Banken sicher seien. Bill Strazzullo, Chefstratege bei Bell Curve Trading, glaubt, es könne immer noch schlimmer kommen, sogar viel schlimmer. Er hält es für möglich, dass der Dow Jones Index auf um die 5000 Punkte fallen könnte.

So tief kann man stürzen: AIG-Büros in New York

So tief kann man stürzen: AIG-Büros in New York

Der Deutsche Aktienindex (DAX) und andere internationale Indizes gingen am Montag ebenfalls auf Talfahrt. Der DAX verlor 2,73 Prozent auf 3739 Zähler - Tiefststand seit August 2004. Vor allem Aktien von Banken und Versicherungen machten Verluste. Der TecDAX sank zwischenzeitlich sogar auf den tiefsten Stand seit Juli 2003 und verlor zuletzt 3,58 Prozent auf 428 Zähler. "Das ist ein rabenschwarzer Start in die Börsenwoche", sagte Aktienhändler Christian Falkner von alpha Wertpapierhandel. Nach den kräftigen Verlusten vom Montag drehte der deutsche Aktienmarkt am Dienstag zunächst ins Plus. In der ersten Handelsstunde legte der DAX um 0,96 Prozent auf 3745 Punkte zu. Auch die Nebenwerte MDAX und TecDAX erholten sich.

Kurseinbrüche weltweit

Die Börse in Japan verzeichnete nach dem Absturz am Montag erneut leichte Verluste. Der Leitindex Nikkei verlor am Dienstag bis Handelsschluss 9,7 Prozent auf 7229 Punkte. Im Handelsverlauf war der Nikkei zeitweise auf den niedrigsten Stand seit 26 Jahren gesackt. Bereits am Montag hatte der Leitindex 3,8 Prozent auf 7280 Punkte eingebüßt. Auch der britische FTSE 100 war zeitweise zum Wochenstart um mehr als vier Prozent auf 3675 Punkte gesunken, den niedrigsten Stand seit April 2003. HSBC gaben um 20 Prozent nach.

Für den einstmals weltgrößten Versicherungskonzern AIG steht für das Jahr 2008 insgesamt ein Verlust von knapp 100 Milliarden Dollar zu Buche. Im Jahr 2007 hatte AIG noch insgesamt ein Plus von 6,2 Milliarden Dollar gemacht.

"Desto größer die Verluste"

Wallstreet in New York

Wall Street in New York

Die US-Regierung kündigte am Montag an, AIG weitere 30 Milliarden Dollar an staatlichen Hilfen zur Verfügung zu stellen. Der Versicherer wurde schon seit vergangenen September mit rund 150 Milliarden Dollar an Staatshilfen am Leben erhalten. "Je mehr die Märkte nachgeben, desto größer werden die Verluste für AIG", sagt Hans-Peter Burghof von der Universität Hohenheim. Sein Trost: "Aber 2008 war schon so schlimm, dass es kaum noch schlechter werden kann."

AIG bietet Versicherungsleistungen für rund 100.000 Kunden an, darunter Unternehmen, Gemeinden, große Finanzkonzerne und Pensionsfonds in 130 Ländern. Die Regierung stützt den Konzern wegen des "systemischen Risikos" einer AIG-Pleite - es könnte danach zu einem Domino-Effekt mit schweren Folgen für andere Wirtschaftsbereiche kommen.

Und die Folgen für Deutschland?

So hätte eine AIG-Pleite wohl auch Folgen für deutsche Kommunen. Bei Cross-Border-Leasing-Geschäfte haben Gemeinden mittels komplexer Vertragswerke ihre Kanalnetze, Teile von Stadtbahnen oder Müllverwertungsanlagen US-Investoren gegen Geld überlassen, um sie gleich wieder zurückzumieten. Die langen Laufzeiten der Abkommen sind oft von AIG versichert. Geht der Konzern pleite, müssten neue, vermutlich teurere Versicherungspolicen abgeschlossen werden. (sam)

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