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Wirtschaft

Rekordumsatz und Schweigen von Daimler

Der Autobauer Daimler legt trotz der Debatten um Diesel-Manipulationen und Fahrverbote weiter kräftig zu. Zu den neuen Kartell-Vorwürfen äußert sich der Konzern nicht.

Der Autobauer Daimler hat im zweiten Quartal einen Rekordumsatz erzielt. Der Konzern erwirtschaftete von April bis Juni einen Umsatz von 41,2 Milliarden Euro und lag damit sieben Prozent über dem Vorjahresquartal, wie Daimler am Mittwoch mitteilte. Im zurückliegenden Quartal verkaufte Daimler weltweit 822.500 Pkw und Nutzfahrzeuge. Das ist ein Plus von acht Prozent und entspricht ebenfalls einem Bestwert beim Absatz. Das Konzernergebnis verbesserte sich leicht auf 2,5 Milliarden Euro.

Daimler verteidigte damit seine Position als größter Premiumhersteller weltweit vor BMW. Doch der Erfolg wird von Dieselbetrugs- und Kartellvorwürfen überschattet. Die Staatsanwaltschaft ermittelt, ob bei Mercedes-Benz die Abgasreinigung ähnlich wie bei Volkswagen manipuliert wurde. Zudem prüft die EU-Kommission, ob Daimler mit den anderen deutschen Herstellern Volkswagen und BMW seit den 1990er Jahren im großen Stil illegale Absprachen über ihre Fahrzeuge traf. Einem Insider zufolge hatte Daimler noch vor VW den Kartellverdacht gegenüber den Behörden gebeichtet. So könnte der Autobauer aus Stuttgart als Kronzeuge straffrei ausgehen.

Der Konzern schweigt beharrlich

Zu diesem Vorwurf will sich der Stuttgarter Konzern weiterhin nicht äußern. "Wir sind gut beraten, uns nicht an Spekulationen zu beteiligen", sagte Vorstandschef Dieter Zetsche am Mittwoch. Für die bestehenden Kooperationen mit anderen Herstellern bedeuteten die Berichte aus seiner Sicht zunächst nichts. Die Gespräche seien im existierenden Rechtsrahmen erfolgt. Der "Spiegel" hatte über ein womöglich seit vielen Jahren bestehendes mutmaßliches Kartell berichtet, in dem sich VW, Audi, Porsche, BMW und Daimler über Technik, Kosten und Zulieferer verständigt haben sollen. Auch die anderen Hersteller schweigen dazu.

Der Kartellverdacht gegen deutsche Autobauer wird Ifo-Präsident Clemens Fuest zufolge nicht zu Absatzeinbrüchen führen. "All diese Firmen produzieren trotz allem ja gute Autos", sagte der Chef des Münchner Instituts für Wirtschaftsforschung (Ifo) am Mittwoch im Bayerischen Rundfunk. "Die waren in der Vergangenheit zwar vielleicht etwas teurer für Konsumenten als sie hätten sein müssen, aber der Autoabsatz ist da nicht unmittelbar bedroht." Auch nach Bekanntwerden des Abgasskandals bei Volkswagen sei dort der Verkauf weiter gut gelaufen.

Den Ruf der Hersteller sieht Fuest allerdings beschädigt: "Ganz interessant ist die Wirkung an den Finanzmärkten, da sind die Autoaktien um insgesamt etwa zehn Milliarden gefallen", so der Experte. Mögliche Strafzahlungen und Entschädigungen könnten die Konzerne verkraften. "Die haben ja gute Gewinne gemacht in der Vergangenheit und die würden das schon zahlen können. Das sind schon sehr große Firmen, die auch hohe Belastungen tragen können."

zdh/ul (rtr, dpa, afp)

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