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Fokus Osteuropa

Rekordumsätze auf russischer Luftfahrtmesse MAKS

Die nackten Zahlen lesen sich auf den ersten Blick gut. Doch unter Experten wie Besuchern gab es auch unzufriedene Stimmen. Deren Fazit: Mit Le Bourget kann die MAKS nicht mithalten.

Flugschau auf der MAKS 2011 (Foto: epa)

Flugschau auf der MAKS 2011

Mit dem Ergebnis der russischen Luftfahrtmesse MAKS geben sich die Organisatoren betont zufrieden: Nach vorläufigen Schätzungen wurden Verträge mit einem Umfang von 16 Milliarden US-Dollar abgeschlossen – ein neuer Spitzenwert. Auf der MAKS 2009 hatten die auf der Messe abgeschlossenen Verträge einen Umfang von rund 10 Milliarden US-Dollar.

Da staunt sogar Premierminister Putin (Foto: ITAR-TASS)

Die Sukhoi T-50 vollführt Kunststücke bei der Flugschau

Gar nicht rekordverdächtig waren indes die Besucherzahlen: Nur rund 440.000 Besucher wollten die Leistungsschau auf dem Flugplatz Schukowskij bei Moskau sehen. 2009 waren hingegen 550.000 Besucher gezählt worden. Grund für das schwächere Interesse könnte das regnerische Wetter gewesen sein.

Organisatoren und Experten interpretieren Zahlen unterschiedlich

Der zehnte Internationale Luft- und Raumfahrtsalon MAKS fand vom 16. bis 21. August 2011 statt. Die Leistungsschau findet statt im Wechsel mit der ILA, der größten Messe der Luft- und Raumfahrtindustrie in Deutschland. Die Moskauer MAKS gilt vor allem als Treffpunkt der osteuropäischen und asiatischen Branchenvertreter. 842 Unternehmen aus 40 Ländern – auf diese Teilnehmerzahlen verweist der Organisator der Messe Wladimir Borisow: „Wir können mit Überzeugung sagen, dass die Messe als Business-Plattform funktioniert hat.“ Gut 240 Flugzeuge wurden präsentiert, wobei gut 90 Modelle an den Vorführungen im Rahmen der Flugschauen teilnahmen.

Während die Organisatoren die diesjährige Veranstaltung loben, sind Experten weniger enthusiastisch. Sie weisen auf etliche geplatzte Vertragsabschlüsse hin und sehen auch bei der Zahl der internationalen Verträge Nachholbedarf gegenüber anderen großen Luftfahrtmessen.

Premierminister Putin betaunt die Flugschau (Foto: ap)

Da staunt sogar Premierminister Putin

Unstrittig ist, dass der staatliche russische Flugzeugbauer und Airbus-Rivale UAC (russisch OAK) den Löwenanteil der abgeschlossen Verträge für sich beanspruchen kann. Das Unternehmen soll rund 100 Flugzeuge im Wert von insgesamt 7,5 Milliarden US-Dollar liefern – mit der Option auf weitere. Gefragt waren dabei insbesondere Maschinen des Typs MS-21, die insbesondere für mittlere Strecken eingesetzt wird, und der Sukhoi Superjet 100.

Wer kauft was?

Für die MS-21 interessierten sich ausschließlich russische Käufer: Allein die Leasing-Tochter von UAC nahm 50 Exemplare ab. Der Superjet hingegen fand ausländische Kunden. 20 Flugzeuge orderte die indische Fluggesellschaft Aviotech, 12 die indonesische SkyAviation. Interesse an insgesamt sechs Maschinen des Typs Antonow 158 meldete die staatliche kubanische Fluggesellschaft Cubana de Aviacion an und schloss entsprechende Vorverträge und Optionen ab.

Das Interesse russischer Fluggesellschaften an ausländischen Maschinen war verhalten. Die heimische Transaero verständigte sich mit Airbus auf den Kauf von acht Maschinen vom Typ A 320 NEO, während das Leasingunternehmen Iljuschin Finance 10 Flugzeuge von Bombardier Aerospace orderte sowie 10 weitere optionierte.

Zu Le Bourget ist es noch weit

Was das Volumen der abgeschlossenen Kontrakte angehe, könne die MAKS der französischen Leistungsschau in Le Bourget nicht das Wasser reichen, meint Branchenanalyst Oleg Pantelejew. Dort konnte sich im Juni allein Airbus Verträge über 55 Milliarden US-Dollar sichern.

Sukhoi Superjet 100 (Foto: ap)

Sukhoi Superjet 100

Eigentlich hatten insbesondere staatliche russische Auftraggeber der MAKS zum Erfolg verhelfen sollen. Doch entgegen der Weisung von Premier Wladimir Putin sind laut Pantelejew nicht alle für 2011 geplanten Rüstungsaufträge abgeschlossen worden. Unbestätigten Angaben von Beobachtern zufolge sollen Aufträge zwischen dem russischen Verteidigungsministerium und UAC über 24 MIG-Kampfflieger und 60 JAK-Trainingsflugzeuge geplatzt sein.

Lange Gesichter bei Besuchern

Aus ihrer Unzufriedenheit machten auch einige Besucher keinen Hehl. Entgegen der Versprechungen der Organisatoren mussten sich die Besucher auch in diesem Jahr am Eingang lange in Geduld üben. Nikolaj Gawschin besucht die Messe zum wiederholten Mal, denn als Pilot der russischen Luftwaffe ist sein Interesse groß: „Es ist immer das gleiche Spiel. Sie machen immer die gleichen Fehler und die Schlangen werden immer länger.“

Die Flugschauen lassen ebenso zu wünschen übrig, findet Gawschin: „Ausländer haben gar nicht mitgemacht und die gezeigten Formationen waren einfach. Außerdem haben weniger Gruppen teilgenommen.“ Große Ernüchterung machte sich vor allem am letzten Tag unter den Besuchern breit. Nicht nur, dass wegen des Regens die Flugschau drastisch verkürzt wurde, schlimmer noch war, dass der mit Spannung erwartete russische Jagdflieger der fünften Generation Sukhoi T-50 wegen eines Maschinenschadens einen Start abbrechen musste.

Autor: Jewlalija Samedowa, Birgit Görtz

Redaktion: Bernd Johann