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Wirtschaft

Rekordschäden durch Naturkatastrophen

Normalerweise richten Stürme und Überschwemmungen die größten Zerstörungen an. Doch 2011 haben zwei Erdbeben zu den höchsten Schäden aller Zeiten geführt, berichtet der Münchener Rückversicherer Munich Re.

Ein Japaner geht in der durch das Erdbeben und den Tsunami verwüsteten japanischen Stadt Kesennuma auf einer überfluteten Straße (Foto: dapd)

Tsunami in Japan: Teuerste Naturkatastrophe aller Zeiten

Zerstörte Kirche in Christchurch, Neuseeland (Foto: dapd)

181 Tote beim Erdbeben in Neuseeland

Naturkatastrophen haben 2011 Schäden in noch nie erreichter Höhe angerichtet. Weltweit kosteten sie 380 Milliarden Dollar, teilte der weltgrößte Rückversicherer Munich Re in München mit. Das sind zwei Drittel mehr als im bisherigen Rekordjahr 2005, als die Schäden bei 220 Milliarden Dollar lagen. Allein die Erdbeben in Japan im März und Neuseeland im Februar verursachten fast zwei Drittel dieser Summe. Die versicherten Schäden übertrafen mit 105 Milliarden Dollar ebenfalls den Rekordwert von 2005, als die Versicherer Schäden in Höhe von 101 Milliarden Dollar begleichen mussten.

"So eine Serie schwerster Naturkatastrophen wie im abgelaufenen Jahr ereignet sich zum Glück nur sehr selten", sagt Torsten Jeworrek, im Vorstand von Munich Re für das weltweite Rückversicherungsgeschäft zuständig. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich solche Ereignisse am gleichen Ort wiederholten, läge zum Teil bei einmal in 1000 Jahren "oder sogar höher", so Jeworrek.

Das Jahr der Erdbeben

Rauch steigt aus einem Reaktor in Fukushima (Foto: dapd)

Auch ohne Reaktorunglück 210 Milliarden Dollar Schaden

Normalerweise sind wetterbedingte Naturkatastrophen die größten Schadensverursacher, wissen die Versicherungsstatistiker. Doch das Jahr 2011 war anders: "Zwei Drittel der gesamtwirtschaftlichen und rund die Hälfte der versicherten Schäden entfielen auf geophysikalische Ereignisse, insbesondere die großen Erdbeben", heißt es im aktuellen Schadensbericht der Munich Re. Das ist sehr ungewöhnlich, denn in den vergangenen 30 Jahren waren im Schnitt nur knapp zehn Prozent aller versicherter Schäden die Folge von Erdbeben.

Zur "teuersten Naturkatastrophe aller Zeiten", so der Munich-Re-Bericht, wurde das Erdbeben am 11. März in Japan. Das Seebeben der Stärke 9,0 war zwar das stärkste, das je in Japan registriert worden ist - doch die unmittelbaren Schäden waren dank der strengen Bauvorschriften in Japan "relativ moderat". Viel zerstörerischer war der anschließende Tsunami, der ganze Orte, Straßen und Bahngleise wegspülte. 16.000 Menschen kamen ums Leben, die gesamtwirtschaftlichen Schäden schätzen die Statistiker der Munich Re auf 210 Milliarden Dollar - die Folgen des Atomunglücks in Fukushima noch nicht eingerechnet.

Produktionsstopp durch Hochwasser

Ein Thai-Junge nutzt einen Plastikbottich als Kanu (Foto: dapd)

Hochwasser in Thailand: Zweistellige Milliardenschäden

"Auch wenn der Eindruck täuscht - die Erdbebenwahrscheinlichkeit insgesamt hat nicht zugenommen", meint Peter Höppe, Leiter der Geo-Risikoforschung beim Münchener Rückversicherer. Die schweren Erdbeben seien aber eine "dringende Mahnung, die Risiken bei Standortentscheidungen, insbesondere für Atomkraftwerke unbedingt zu bedenken".

In Thailand ist die Regenzeit von Mai bis Oktober im abgelaufenen Jahr besonders intensiv ausgefallen - die Behörden bezeichneten die Überschwemmungen als die schlimmsten seit 50 Jahren. 800 Menschen kamen ums Leben, hunderttausende Häuser und riesige landwirtschaftliche Flächen wurden überflutet. Und nicht nur das: Sieben große Industriegebiete mit Produktionsanlagen vor allem japanischer Konzerne wurden ebenfalls überschwemmt, bei vielen Herstellern elektronischer Schlüsselkomponenten, beispielsweise Computer-Festplatten, kam es zu Produktionsunterbrechungen und Lieferengpässen. Die gesamtwirtschaftlichen Schäden schätzen die Münchener Rückversicherer auf einen zweistelligen Milliardenbetrag.

"Wir sind auf solche Extremsituationen vorbereitet", beruhigt Munich-Re-Vorstand Torsten Jeworrek. "Es ist unsere Aufgabe, auch für extreme Schäden aufzukommen und damit einen Beitrag zu deren Bewältigung zu leisten." Was nicht weiter verwundert. Denn jede Katastrophenmeldung treibt den Versicherern Neukunden in die Arme und belebt das Geschäft. Die Munich Re hat 2010 mit 47.000 Mitarbeitern auf allen fünf Kontinenten rund 46 Milliarden Euro an Beiträgen eingenommen und einen Gewinn von 2,4 Milliarden Euro erzielt.

Autor: Rolf Wenkel
Redaktion: Henrik Böhme