1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wirtschaft

Rekordjahr für Entwicklungsfinanzierer DEG

Die deutsche Entwicklungsbank DEG hat im vergangenen Jahr mehr Geld für Investitionen zur Verfügung gestellt als jemals zuvor. Auch in Afrika wächst das Geschäft, aber deutlich langsamer als anderswo.

Namibia UWTC Abwasserreinigungsanlage in Windhoek (DEG/Thorsten Thor)

Anlage zur Abwasserreinigung in Namibias Hauptstadt Windhoek. Die DEG hat die Investition mitfinanziert und berät den Betreiber, Ujams Wastewater Treatment Company (UWTC).

Rund 1,6 Milliarden Euro an Neuzusagen - im vergangenen Jahr hat die Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft DEG privaten Investoren so viel Geld zur Verfügung gestellt wie noch nie in ihrer fast 55-jährigen Geschichte. Gegenüber dem Vorjahr ist das ein Anstieg von 45 Prozent.

Die DEG gehört zur staatlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und finanziert weltweit private Unternehmungen in Entwicklungs- und Schwellenländern, durch direkte Kredite oder über Beteiligungen an Banken und Fonds, die ihrerseits Kredite an Firmen vergeben. Mit ihrem Engagement verbindet die DEG die Auflage, Umwelt-, Arbeits- und Menschenrechtsstandards einzuhalten.

Weil die Bank Projekte nie allein finanziert, braucht es weitere Geldgeber. Insgesamt ermöglichte die DEG mit ihren Zusagen im vergangenen Jahr Investitionen von 6,6 Milliarden Euro. Nach Angaben von Bruno Wenn, Sprecher der DEG-Geschäftsführung, wurden dadurch 440.000 Arbeitsplätze geschaffen oder gesichert.

Afrika wächst weniger stark

Rund 60 Prozent der Neuzusagen gingen an kleine und mittelständische Unternehmen. In vielen Entwicklungsländern haben sie Schwierigkeiten, langfristige Finanzierungen zu erhalten.

Besonders stark wuchs das Geschäft der DEG in Lateinamerika. Hier vergab die Bank 507 Millionen Euro an Neuzusagen, ein Plus von 64 Prozent. Der südamerikanische Kontinent liegt nun fast gleichauf mit Asien, wo die DEG zuletzt 512 Millionen Euro zusagte, ein Plus von 34 Prozent.

Nigeria Gebäckproduzent Beloxxi (DEG)

In Nigeria investierte der Gebäckproduzent Beloxxi in deutsche Anlagentechnik und schuf rund 300 neue Arbeitsplätze, die DEG trug zur Finanzierung bei.

Auch in Afrika gab es Wachstum, doch es fiel deutlich kleiner aus. Die DEG sagte hier 331 Millionen Euro zu, ein Plus von 17 Prozent.

Die DEG wirbt seit Jahren für mehr Investitionen in Afrika. "Trotz aller Risiken, die es in Afrika gibt, glauben wir fest daran, dass es dort auch große Chancen gibt", sagte DEG-Geschäftsführer Wenn der Deutschen Welle. "Und diese Chancen wollen wir ergreifen."

Risiken, aber auch Chancen

Trotz der Appelle sind gerade deutsche Firmen oft zurückhaltend mit Investitionen in Afrika. Das liege auch daran, wie öffentlich über den Kontinent gesprochen werde, glaubt Wenn. "Oft sehen wir Afrika als Kontinent, wo man Hilfe leisten muss - und nicht als Kontinent, wo man Geschäfte machen kann."

Zu den Aufgaben der DEG gehöre es deshalb, hier für ein Umdenken zu sorgen. "Wir können den Nachweis erbringen, dass es sich wirtschaftlich lohnt, sich in Afrika zu engagieren", so Wenn. "Wir sind optimistisch, dass wir immer mehr deutsche Firmen überzeugen können, zusammen mit uns den Weg nach Afrika zu gehen."

Im vergangenen Jahr hat das nicht funktioniert. Die Beteiligung der DEG an deutschen Investitionen in Afrika hat sich von rund 60 Millionen im Jahr 2015 auf rund 30 Millionen halbiert.

Dabei ist die Erhöhung privater Investitionen in Afrika ist erklärtes Ziel der Afrika-Politik der deutschen Bundesregierung ("Marshall-Plan für Afrika") und auch ein Schwerpunkt bei den G20-Treffen der wichtigsten Wirtschaftsnationen der Welt, deren Vorsitz Deutschland in diesem Jahr innehat.

Mehr private Investitionen, so das Argument, stärken die dortige Wirtschaft und schaffen neue Arbeitsplätze. Langfristig, so die Hoffnung, würden dann auch weniger Afrikaner versuchen, illegal nach Europa zu gelangen.

253 Millionen Euro für deutsche Firmen

Wenn fordert die Bundesregierung auf, die Investitionen deutscher Firmen in Entwicklungsländern über staatliche Hermes-Bürgschaften besser gegen politische Risiken abzusichern. Gerade kleine und mittelständische Unternehmen könnten diese Risiken nicht alleine tragen.

Video ansehen 02:09

Flucht vor der Hoffnungslosigkeit

Von den Finanzierungszusagen der DEG profitierten im vergangenen Jahr auch 110 deutsche Unternehmen, die für ihre Investitionen insgesamt 253 Millionen Euro erhielten. Das war fast doppelt so viel wie 2015.

Im laufenden Jahr soll dieser Wert weiter gesteigert werden, auf voraussichtlich rund 300 Millionen Euro. "Deutsche Firmen müssen sich neue Märkte erschließen und in Entwicklungs- und Schwellenländern aktiv werden", so Wenn. "Und sie müssen auch darüber nachdenken, ob sie vor Ort produzieren, um die lokale Nachfrage zu befriedigen."

Audio und Video zum Thema