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Welt

Rekordjahr für die GIZ

Armutsbekämpfung, Klimaschutz, Flüchtlingshilfe - mehr Geld denn je steckt die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in Entwicklungsprojekte weltweit. Doch es gibt auch Kritik an ihrer Arbeit.

Sie versteht sich als Unternehmen, sie hat im vergangenen Jahr die Rekordsumme von zwei Milliarden Euro umgesetzt - und doch ist die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) eine Firma der etwas anderen Art. Sie hat sich nämlich nicht Profit zum Ziel gesetzt, sondern will Menschen helfen, ihre Lebensbedingungen zu verbessern. Mit Projekten zur Förderung von Wirtschaft, Umweltschutz und Demokratie sowie der Bekämpfung von Armut in der Welt will sie das erreichen. Ihre Aufträge erhält die GIZ dabei vor allem von der Bundesregierung.

Tanja Gönner (Photo: Michael Kappeler/ dpa)

Tanja Gönner, Vorstandssprecherin der GIZ

In Berlin stellte GIZ-Vorstandssprecherin Tanja Gönner am Dienstag den Jahresbericht des Unternehmens vor. Schwerpunkt der Arbeit seien Maßnahmen zum Klimaschutz und zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels: "Sie machen etwa ein Drittel unseres gesamten aktuellen Portfolios aus." Die GIZ berate beispielsweise mehr als 30 Länder bei der Umstellung auf erneuerbare Energien. "Wir sind hier mit der Energiewende in Deutschland international ein Vorbild", so Gönner. So sei das Erneuerbare-Energien-Gesetz, das die Einspeisung von sauberem Strom in das Stromnetz regelt, ein echter Exportschlager und Vorbild für viele Länder.

Flüchtlinge und Fachkräfte

Einen zweiten Schwerpunkt legt die GIZ auf Flüchtlingshilfe. Mehr als sechs Millionen Flüchtlinge seien in den vergangenen zehn Jahren von der GIZ versorgt worden, sagt Gönner. "Im Osten der Ukraine beispielsweise haben wir vor dem herannahenden Winter im letzten Jahr neue, winterfeste Unterkünfte für bis zu 4.600 Flüchtlinge gebaut." Im Nordirak errichte das Unternehmen zurzeit Unterkünfte für 6000 Flüchtlinge sowie Schulen und Gesundheitsstationen für 200.000 Menschen, darunter viele Jesiden, die vor dem Terror des "Islamischen Staates" fliehen mussten. Mit langfristigen Maßnahmen wie einem Ausbildungsprojekt für 50.000 Menschen in Pakistan versuche es zudem, die Ursachen von Flucht zu bekämpfen.

Flüchtlingszentrum in Charkiw (Photo: DW/A. Indjuchowa)

Die GIZ hat in Charkiw Container für Flüchtlinge aufstellen lassen

Mit ihrer Arbeit will die GIZ jedoch nicht nur zur Entwicklung in ärmeren Ländern beitragen. Sie und andere deutsche Entwicklungshilfeorganisationen diskutieren seit einigen Jahren verstärkt deutsche Interessen. Gönner verwies in Berlin darauf, dass die GIZ den Zuzug von ausländischen Fachkräften fördere, die auf dem deutschen Arbeitsmarkt dringend gesucht werden. Im vergangenen Jahr habe man bereits 500 Pflegekräfte unter anderem aus Serbien, Tunesien und Vietnam nach Deutschland vermittelt. Die GIZ-Chefin betonte, die Arbeit helfe auch, knapper werdende Rohstoffe wie Seltene Erden für die deutsche Industrie zu sichern.

Made in Germany

Uwe Kekeritz, entwicklungspolitischer Sprecher der Grünen im Deutschen Bundestag, kritisiert diesen Ansatz. Entwicklungspolitik würde damit umfunktioniert zu einer Förderung der deutschen Industrie. "Ich habe nichts dagegen, wenn bei Projekten, die dem Gemeinwohl der Bevölkerung vor Ort dienen, auch deutsche Unternehmen mit Aufträgen verdienen", so Kekeritz im Gespräch mit der DW. "Aber bei dem, was zur Zeit abläuft, scheint es ganz klar umgekehrt zu sein."

Vietnamesische Altenpflegerinnen für Deutschland (Photo epd)

Aus Vietnam hat die GIZ Altenpflegerinnen nach Deutschland geholt

"Made in und made with Germany", dieses Label heftet Friedrich Kitschelt, Aufsichtsrat der GIZ, dem Unternehmen gerne an. Es orientiere sich dabei stets an der Nachfrage in den Zielländern, so Kitschelt. "Partner und Auftraggeber verbinden mit der GIZ zurecht ein breites und hochwertiges Leistungsangebot." Stolz ist er auch darauf, dass nicht nur die Bundesregierung, sondern auch ausländische Auftraggeber Projekte der GIZ finanzieren. Rund 152 Millionen Euro haben staatliche und private Stellen dafür im vergangenen Jahr an die GIZ überwiesen.

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