1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wirtschaft

Rekordjahr für die Autoindustrie

Doppelter Grund zum Feiern: Pünktlich zum Jubiläum "125 Jahre Automobil" erzielen die großen Hersteller Verkaufserfolge wie nie zuvor. Doch schon ziehen dunkle Wolken am Horizont auf – die Schuldenkrise lässt grüßen.

Dieser Auftritt hat Kult-Charakter: Volkswagen-Chef Martin Winterkorn besucht Mitte September 2011 auf der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt mit großem Gefolge den Messestand des südkoreanischen Herstellers Hyundai. Dort inspiziert er den neuen Golf-Konkurrenten, das Hyundai-Modell "i30". Der Verschluss an der Lenkradverstellung des Fahrzeugs lässt sich zu seiner großen Überraschung völlig geräuschlos bedienen. "Da scheppert nix", kommentiert der mächtige VW-Mann sichtlich ungehalten und fragt seinen herbeigerufenen Designchef: "BMW kann's nicht, wir können's nicht - warum kann's der?".

Martin Winterkorn (VW) lobt auf der IAA 2011 Hyundai; Amateurvideo wird zum Youtube-Hit

VW-Chef Martin Winterkorn lobt auf der IAA 2011 Hyundai - das Amateurvideo wird zum YouTube-Hit

Die von einem unbekannten Messebesucher gefilmte Szene wird im Internet ein Hit: Beim Videoportal YouTube registriert man für das verwackelte Handyvideo mehr als 1,5 Millionen Aufrufe.

Bestes Ergebnis aller Zeiten

Die unfreiwillige Werbung für die Konkurrenz wird wohl als größte Kuriosität in die Annalen des Autojahres 2011 eingehen. Ein Jahr, in dem 125 Jahre Automobilgeschichte gefeiert wurden - und neue Umsatzrekorde. "Es wird absolut das beste Jahresergebnis bei den Autobauern und Zulieferern, was wir je gesehen haben", sagt Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des Centers Automotive Research an der Universität Duisburg-Essen gegenüber DW-WORLD.DE. Besonders die deutschen Autobauer VW, BMW und Daimler werden "Traumrenditen erwirtschaften und mit dicken Gewinnpolstern ins nächste Jahr gehen".

Dudenhöffer rechnet in diesem Jahr insgesamt mit gut 60 Millionen verkauften Neufahrzeugen weltweit. Der Autoanalyst Frank Schwope von der NordLB bezieht die Nutzfahrzeuge mit ein und spricht sogar von insgesamt rund 80 Millionen Neuzulassungen. – wobei er sich sich auf Zahlen des Weltverbandes der Autoindustrie OICA beruft.

Infografik: die wichtigsten PKW-Märkte weltweit (DW-Grafik: Per Sander)

GM belegt Platz eins

Größter Hersteller der Welt 2011 dürfte nach Schätzungen aus Fachkreisen der US-amerikanische Konzern General Motors mit gut neun Millionen verkauften Autos werden. Auf den Plätzen zwei und drei folgen demnach der deutsche Hersteller Volkswagen mit rund acht Millionen verkauften Einheiten und der ehemalige Champion Toyota aus Japan mit rund sieben Millionen Verkäufen.

Allerdings hatten die Japaner mit Qualitätsproblemen und vor allem mit den Folgen von Naturkatastrophen zu kämpfen: Erdbeben und Reaktorcrash in Japan, Überschwemmungen in Thailand, wo wichtige Produktionsstätten und Zulieferer des Konzerns betroffen waren. Ferdinand Dudenhöffer: "Toyota war ein verletzter Kämpfer in diesem Jahr, deutlich verletzt. Und einem verletzten Sportler wird man nie einen Weltrekord zutrauen können."

VW holt auf

Der deutsche Volkswagenkonzern dagegen kommt seinem selbst gesteckten Ziel, bis zum Jahr 2018 weltweit die Nummer eins zu sein, immer näher. Die Wolfsburger sind bereits Europas größter Autohersteller. In Deutschland stellen sie einer Studie zufolge in diesem Jahr bundesweit mit Golf, Passat und Polo erstmals die drei meistverkauften Automodelle. Die VW-Gruppe, zu der auch Marken wie Audi, Skoda und Porsche gehören, werde 2011 einen Marktanteil von knapp 37 Prozent erreichen.

Das Foto zeigt Frank Schwope, Autoanalyst bei der NordLB (Foto: NordLB)

Frank Schwope: "Fünfkampf der Autokonzerne"

Analyst Frank Schwope sieht beim Kampf um die Weltspitze in den nächsten Jahren neben VW auch den jetzigen Spitzenreiter General Motors weiterhin ganz vorne. Auch die nächsten Konkurrenten Toyota, Renault/Nissan und Hyundai-Kia – bereits jetzt schon auf Platz fünf – dürfe man nicht unterschätzen. Mittelfristig sei auch ein großer chinesischer Konzern denkbar, der in diesen Fünfkampf eingreifen könne, so Schwope zu DW-WORL.DE.

"Größter Autobauer der Welt" - für den Analysten geht es bei diesem inoffiziellen Titel in erster Linie lediglich ums Prestige. Der Kunde werde sich aber fragen, "ob er unbedingt ein Auto kaufen will vom größten Massenhersteller der Welt."

Wichtiger als Größe sei sowieso die Rentabilität. Vor allem im nächsten Jahr. Denn dann, da ist sich die Fachwelt einig, wird der Boom nicht weiter anhalten.

Lesen Sie weiter: Auto-Boom flaut ab

Die Redaktion empfiehlt

WWW-Links

Audio und Video zum Thema