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Wirtschaft

Reisen nach Ägypten abgesagt

Nach den Hinweisen des Auswärtigen Amtes ziehen deutsche Reisekonzerne die Notbremse. Bis 15. September wollen sie keine Urlaube mehr in der Region anbieten. Für Ägypten ein großer Rückschlag.

Strand in Hurghada. (Foto: picture alliance/Robert Harding World Imagery)

Strandurlaub in Hurghada - der blutige Konflikt im Land scheint hier weit weg

Noch immer steigen die Urlaubsflieger Richtung Ägypten die Luft. Doch nun sind sie - zumindest auf dem Hinflug - oft nahezu leer. Denn die deutschen Reiseveranstalter haben ihre Angebote nach der nicht enden wollenden Welle der Gewalt in Ägypten gestrichen: Tui, Thomas Cook, DER Touristik und Alltours haben sämtliche Urlaubsreisen abgesagt. Air Berlin fliegt weiterhin Badeorte am Roten Meer an, aber nimmt keine Neubuchungen mehr entgegen.

Mit diesen Maßnahmen reagieren die Konzerne auf die Lageeinschätzungen der Bundesregierung. Das Auswärtige Amt rät vor Reisen in das Land ab. Dies gelte auch für die bei deutschen Touristen beliebten Badeorte am Roten Meer. Für den Norden der Sinai-Halbinsel sowie die Grenzgebiete zu Israel gilt weiter eine Teilreisewarnung. In den Touristengebieten am Roten Meer könne zwar noch von einer ruhigen Lage gesprochen werden, hieß es. Aber die Entwicklung im Land sei nicht kalkulierbar.

Fast alle bleiben

Ein Taucher bewundert die Unterwasserlandschaft im Roten Meer.

Tief unten im Roten Meer locken faszinierende Pflanzen und Tiere - auch während der politischen Krise

"Für uns als Reiseveranstalter ist der Sicherheitshinweis vom Auswärtigen Amt entscheidend, was wir tun und wie die Haftungen sind", erklärte Pressesprecher Mathias Brandes von Thomas Cook im DW-Gespräch. Bei einer Reisewarnung würden keine Reisen mehr angeboten und alle Gäste sofort zurück geholt. Rät das Auswärtige Amt lediglich ab, wie es zurzeit in Ägypten der Fall ist, werden die Reisen gestrichen. Als Entschädigung werde entweder ein anderes Reiseziel angeboten oder aber das Geld ausgezahlt. "Aber alle, die vor Ort sind, können, sofern sie möchten, ihren Urlaub fortsetzen." Und davon hätten nach Angaben des Reiseveranstalters wohl auch fast alle Gebrauch gemacht. "Wir haben gerade mit der Reiseleitung am Roten Meer telefoniert. Dort gab es zwar einige Nachfragen von den Gästen, aber keine Wünsche, frühzeitig zurückzukehren."

Vor allem junge Familien suchen auch im heißen Monat August das Land auf. "Zum einen ist es preislich recht attraktiv. Zum anderen gibt es sehr viele 4 und 5-Sterne-Anlagen, fast alle mit All inclusive. Das ist für Familien attraktiv", sagte Brandes. Vor allem bei Deutschen ist Ägypten beliebt. Aber auch immer mehr Russen verbringen - dank der Visafreiheit - gern in dem Land ihren Urlaub. Doch auch dort wurde mittlerweile der Verkauf von Touristenreisen gestoppt. "Wer bereits alle nötigen Papiere hat, kann zwar fliegen. Aber wir raten dringend davon ab", sagte Irina Tjurina vom Verband der russischen Reiseveranstalter in Moskau. Das russische Außenministerium denke darüber nach, den Urlaubern die Rückkehr zu empfehlen.

Wirtschaftlicher Einbruch

Reporter flüchten sich während einer Auseinandersetzung zwischen den Muslimbrüdern und der Polizei. (Foto: MOSAAB EL-SHAMY/AFP/Getty Images)

Nach den blutigen Kämpfen rät das Auswärtige Amt von Reisen ab - eine Katastrophe für die Wirtschaft

Für Ägypten ist das Wegbleiben der Touristen eine wirtschaftliche Katastrophe. Bis zu 20 Prozent des Bruttoinlandsproduktes werden mit den Gästen aus aller Welt erwirtschaftet. Der jährliche Umsatz beläuft sich auf mehr als zehn Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Mit den Gebühren für die Nutzung des Suezkanals wurden im gleichen Zeitraum lediglich 5,1 Millionen Dollar erlöst. In diesem Jahr wollte das Tourismusministerium die Gästezahlen sogar von 11,5 Millionen im Vorjahr auf bis zu 14 Millionen hochschrauben.

Denn schon seit Beginn des politischen Umbruchs vor rund zweieinhalb Jahren sind die Buchungen um rund ein Drittel eingebrochen. Nach der neuen Gewaltwelle seit der Räumung der Protestcamps am Mittwoch dürfte die Zahl noch weiter sinken. Doch noch seien einige Tausend Urlauber aus Deutschland da, erklärte Thomas Cook-Sprecher Brandes. Genaue Zahlen werden von den Konzernen jedoch nicht bekannt gegeben.

Touristenorte nicht um die Ecke

Sicherheitsbedenken gebe es aus Veranstaltersicht erstmal nicht, denn die Touristen-Regionen am Roten Meer, vor allem Hurghada und Scharm Al Scheich, seien kaum direkt betroffen. "Die Gäste, die dort den Urlaub in den Hotels verbringen, sind gut geschützt und sie merken so gut wie nichts persönlich davon, was dort im Land passiert", sagte Brandes. Hurghada liegt etwa acht Stunden entfernt von Kairo. "Das ist nicht gerade um die Ecke." Von den politischen Unruhen, Straßenschlachten und Hunderten Toten bei Kämpfen zwischen Islamisten und Sicherheitskräften erfahren die meisten Urlauber höchstens aus dem Fernsehen.

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