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Globale Zusammenarbeit

Reisefreiheit als Entwicklungsmotor

Tourismus gilt als Instrument für nachhaltige Entwicklung. Warum Reisefreiheit so wichtig ist, erklärt Taleb Rifai, Generalsekretär der UN-Welttourismusorganisation, im DW-Interview.

Ein Strand in Goa / Indien (Foto: Murali Krishnan)

Ein Strand in Goa/Indien

DW: Herr Rifai, der Tourismus wird gleich zwei Mal in der Abschlusserklärung der UN-Konferenz von Rio erwähnt. Das ist ein Erfolg für die Welttourismusorganisation der Vereinten Nationen (UNWTO). Was genau bedeutet das?

Taleb Rifai: Wir sind sehr froh darüber. Zwei ganze Paragraphen sind dem Tourismus gewidmet. Damit wird der Tourismus zum ersten Mal überhaupt als Teil der Entwicklungsagenda betrachtet. Dafür haben wir uns schon seit langem eingesetzt. Denn der Tourismus und die Reisebranche sind lange nur am Rande wahrgenommen worden, was den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Einfluss auf die Menschen betrifft. Jetzt wird der Tourismus als Quelle für Arbeitsplätze und Einkommen erkannt, als Motor für nachhaltige Entwicklung. Genau das wollten wir erreichen. Einen Tag zuvor hatten die Staats- und Regierungschefs der G20-Länder in Los Cabos die Bedeutung von Tourismus und Reisefreiheit in ihre Abschlusserklärung aufgenommen. Auch darüber sind wir sehr froh.

Aber es gibt nach wie vor große Hindernisse für den internationalen Reiseverkehr, wie zum Beispiel Visabestimmungen. Welche Veränderungen erwarten Sie da?

Das ist richtig. Aber jetzt, nachdem Tourismus als Wirtschafts- und Entwicklungsfaktor anerkannt ist, muss alles getan werden, um Reisebeschränkungen aufzuheben. Die G20-Erklärung bezieht sich ausdrücklich auf Einreisebestimmungen und auf die Notwendigkeit, das Reisen zu erleichtern. Wir machen Fortschritte. Wir müssen jetzt offene Grenzen fordern, analog zu den Open-Skies-Abkommen zur Liberalisierung der zivilien Luftfahrt, zum Beispiel zwischen der EU und den USA. Offene Grenzen und offene Luftfahrtwege sind entscheidend für Reisefreiheit und Tourismus.

Wie passen diese Forderungen zu der Gefahr von Terrorismus?

Porträt des Generalsekretärs der UNWTO, Taleb Rifai (Foto: DW)

Taleb Rifai: "Wir müssen offene Grenzen fordern"

Jedes Land hat das Recht, seine Grenzen zu schützen und zu kontrollieren. Wir beobachten jedoch mit Sorge, wie die Grenzen gesichert werden, denn die Maßnahmen haben nichts mit den Möglichkeiten der modernen Technologie zu tun. Darüber hinaus bin ich nicht sicher, ob die vermeintliche Verbindung zwischen Sicherheit und Visabeschränkungen richtig ist. Gibt es einen Beleg dafür, dass mehr Einreisebeschränkungen auch für mehr Sicherheit sorgen? Ich würde das nicht als gegeben ansehen. Es mag in Einzelfällen Missbrauch von Visabestimmungen geben. Aber rechtfertigt das all die Beschränkungen? Das muss genauer untersucht werden.

Sie haben mit der Erwähnung von Tourismus in den Abschlusserklärungen von G20 und Rio+20 ein wichtiges Ziel erreicht. Welche Schritte wird die UN-WTO als nächstes unternehmen?

Wir müssen jetzt mit jedem Mitgliedsland und jedem regionalen Bündnis einzeln in einen Dialog treten. Wir verhandeln mit der EU zurzeit über eine kritische Überprüfung der Visabestimmungen. Und die Reaktionen sind sehr positiv. Die EU fängt an, die Zusammenhänge zu erkennen. Auch in den USA hat es eine ermutigende Entwicklung gegeben: US-Präsident Barack Obama hat Bestimmungen in Kraft gesetzt mit dem Ziel, die Zahl der Visagenehmigungen zu erhöhen. Das beflügelt den Arbeitsmarkt. Er hat es ganz klar formuliert: Je mehr Leute die USA besuchen, desto mehr Amerikaner werden Arbeit finden. Wir müssen Verbindungen herstellen zwischen den Hauptherkunftsländern und den Hauptreisezielen. Wir haben neue Verfahren erarbeitet, um die Auswirkungen von Visagenehmigungen auf den Arbeitsmarkt und die Einkommensentwicklung zu berechnen, die wir den Tourismusministern der G20-Staaten vorgelegt haben. Wir haben noch viel zu tun.

Der Jordanier Taleb Rifai ist seit 2010 Generalsekretär der Welttourismusorganisation der Vereinten Nationen (UNWTO) mit Sitz in Madrid.