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Kultur

Reise in künstliche Welten: "Die Tribute von Panem - Mockingjay Teil 2"

Millionen Fans in aller Welt freuen sich auf den letzten Teil der "Tribute von Panem"-Kinoreihe. In Berlin hat der Film nun seine Weltpremiere gefeiert. Die Visionen, die er zeigt, sind so neu allerdings nicht.

Eine kleine Schicht der Menschheit lebt im Luxus, der Rest muss schuften. Die eine Gruppe, die kleinere, beutet die andere aus. Die Gesellschaft ist gespalten. Nur notdürftig bleibt der Friede gewahrt. Doch die da unten begehren auf. Aufstände drohen, die Revolution wird vorbereitet. Wem das bekannt vorkommt, der hat sich im Kino vermutlich schon einige Filme aus den Genres Science-Fiction, Fantasy oder Abenteuer angeschaut.

Wenn weltweit ein meist jüngeres Publikum derzeit fieberhaft auf den vierten und letzten Teil der "Tribute von Panem"-Saga wartet ("Die Tribute von Panem - Mockingjay Teil 2"), dann ist das nur ein kulturelles Phänomen, das sich alle paar Jahre wiederholt. Neu ist lediglich der Seriencharakter. Erweist sich heute ein Film als kommerzieller Erfolg auf dem Weltmarkt, dann ist eine Fortsetzung so gut wie sicher.

"Metropolis" gab's nur einmal…

Als Fritz Lang das monumentale Science-Fiction-Opus "Metropolis" 1927 in die Kinos brachte, dachte man noch anders. Heutzutage hätte man vermutlich eine ganze Serie aus dem Stoff gefertigt - "Metropolis schlägt zurück" oder zumindest "Metropolis II" hätte man die Fortsetzungen vermutlich betitelt. Spätestens Ende der 1970er Jahre hatte man das dann raus. Regisseur George Lucas drehte seinen Film "Star Wars". Der entpuppte sich als Mega-Hit, drei Jahre später war "Das Imperium schlägt zurück" auf dem Markt. Der siebente Teil startet demnächst in den Kinos, weitere sind bereits bis ins Jahr 2020 terminiert.

Lenny Kravitz im Film Die Tribute von Panem (Foto: StudioCanal/dpa)

Szene aus einem der Vorgänger-Filme: "Die Tribute von Panem - Tödliche Spiele"

Und nicht nur das. Der Begriff "Merchandising" wurde damals mit dem ersten "Star Wars"-Film richtig populär. Es blieb nämlich nicht nur bei Fortsetzungen der Filme. Die Spielzeug-Industrie stieg im großen Stil ein. Später wurden Video- und Computerspiele entwickelt und erfolgreich auf den Markt gebracht. So ist es auch heute: Wenn ein mit vielen Millionen Dollars produzierter Film erfolgreich ist, dann folgt meist das, was man industrielle Verwertungskette nennt. Manchmal sind die Summen, die über den Verkauf von Lizenzen eingenommen werden, größer als die, die nur mit Kino-Tickets erreicht werden.

Künstliche Kino-Welten bieten Blick in die Zukunft

Meist ist es eine ganz bestimmte Art von Filmen, die sich zu solch erfolgreichen Kinoserien entwickeln. Bestimmte Genres bieten sich für diese allumfassende Vermarktung besonders gut an: Filme, die den Zuschauern eine neue Welt eröffnen, eine, die nicht der realen entspricht. Nicht zufällig sind das immer wieder Zukunftsvisionen.

Das einfache Prinzip "Gut gegen Böse" wird in Endlosschleifen mit neuen Zutaten immer wieder variiert. Vor dem Hintergrund phantasievoller Landschaften, die früher aus Pappmaschee oder Plastik entstanden und heutzutage meist digital am Computer erzeugt werden, lassen Produzenten, Regisseure und Spezialisten der einzelnen Film-Gewerke neue, künstliche Welten entstehen.

George Lucas 70. Geburtstag mit Peter Jackson (Foto: Evan Agostini/Getty Images)

Zwei Meister künstlicher Filmwelten: die Regisseur George Lucas (l.) und Peter Jackson ("Der Herr der Ringe")

Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Geheimnisvolle Wesen zwischen Mensch und Tier, Roboter aller Couleur, Replikanten, Androiden und Erdbewohner in den seltsamsten Kostümen bevölkern diese Filme. Die Fortbewegungsmittel erinnern manchmal, auch wenn sie sich in der Film-Zukunft bewegen wie in der australischen "Mad Max"-Saga, eher an das Mittelalter als an die Neuzeit. Meist sind es jedoch Raumschiffe oder andere visionäre Flugkörper. Bei den Waffen, die in diesen Filmen schon immer eine wichtige Rolle gespielt haben, ist das ähnlich. Auch hier gilt: Pfeil und Bogen sind nicht out, auch, wenn die Drehbuchautoren die Handlung in ferner Zukunft angesiedelt haben.

Ausstattungsfilme früher und heute

Fantasy- und Science-Fiction-Genrefilme, die künstlichen Welten am häufigsten als Gefäß dienen, unterscheiden sich mit all ihren Fantasie-Accessoires aber im Grunde nicht von Ausstattungsfilmen alter Schule. Sie sind nur die eine Seite der gleichen Medaille: "Der Ausstattungs- und Kostümfilm teilt sich in zwei Richtungen", so die Filmpublizistin Ursula Vossen, "die eine weiß sich der historischen Treue verpflichtet, die andere erschafft eine Welt nach ihren Vorstellungen, wenn auch vor einem geschichtlichen Hintergrund." Der kann dann auch ruhig in der Zukunft spielen.

Wenn nun also zur Weltpremiere von "Die Tribute von Panem - Mockingjay Teil 2" in Berlin (4.11.) die Filmprominenz zusammenkam, dann tauchte sie ein in eine Welt, die in einer nicht näher definierten Zukunft spielt. Auch die arbeitet allerdings wieder mit zahlreichen Ingredienzien aus der Vergangenheit.

Der Cast von Die Tribute von Panem - Mockingjay Teil 2 bei der Filmpremiere in Berlin (Foto: JOHN MACDOUGALL/AFP/Getty Images)

Der Cast von "Die Tribute von Panem - Mockingjay Teil 2" bei der Filmpremiere in Berlin

Wichtig nur ist, dass die Tribute-Macher einen vollkommen geschlossenen Kosmos entwickelt haben und dieser dem Publikum angeboten wird. Für eine ganz bestimmte Generation wird diese künstliche Welt dann zum Erweckungserlebnis und begleitet sie möglicherweise ein Leben lang. Im günstigsten Fall, wie bei der Star-Wars-Serie, kann das Phänomen Jahrzehnte andauern und generationenübergreifend erfolgreich sein. Es bleibt abzuwarten, ob auch "Die Tribute von Panem - Mockingjay Teil 2" ein Welterfolg wird.

Am 18./19. November läuft der Film weltweit regulär in vielen Ländern der Erde an. In den USA startet er am 20.11.2015. Die aktuelle Ausgabe von KINO berichtet am 7.11. über den neusten Teil der Tribute-Reihe und wirft einen Blick hinter die Kulissen der Special-Effects-Spezialisten in Deutschland und in den USA.

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