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Kultur

Reise in die DDR-Vergangenheit

Dresden hat seine geliebte Kakadu-Bar zurück. Nach der offiziellen Premiere des Films "Der rote Kakadu" von Dominik Graf wurde der wichtigste Drehort als Bar im Stil der 1960er-Jahre wiedereröffnet.

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Die neuen Betreiber der Dresdner Kakadu-Bar, Ulf Neuhaus und Reni Wild

Das 1952 gegründete Etablissement genoss in Dresden bis zur Wende Kultstatus. Auch für Prominente aus dem Osten war die Kellerbar des Parkhotels im noblen Stadtteil Weißer Hirsch eine angesagte Adresse. Mit dem Mauerfall ging ihr das Publikum aus. Nun wurde die legendäre Bar für 500.000 Euro aufgemöbelt - mit Inventar der 1960er-Jahre sowie Speisekarte in Ost- und Westformat. Das Filmteam sorgte für einen erfolgreichen Dauertest.

Ein wenig verrückt müsse man für ein solches Projekt sein, räumen die Betreiber freimütig ein. "Eine Nachtbar auf 800 Quadratmeter Fläche ist wie ein Schiff. Das ist, als würden wir die Titanic wieder heben", sagt der Geschäftsführer der Kurhaus und Parkhotel Weißer Hirsch GmbH, Piet Oehmichen. Die Suche nach Interieur avancierte zur Reise in die Vergangenheit.

Kleiderordnung und Befruchtungszimmer

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Szene aus dem Film "Roter Kakadu"

Seit 1952 gehörte die "Kakadu-Bar" in Dresden zu den angesagten Adressen der Szene. Ob die Partys immer so heiß waren wie im Film, mag bezweifelt werden. Die Bar legte Wert auf Etikette. "Jeans, Kordhosen oder Turnschuhe waren tabu," erinnert sich Ex-Kellner Steffen Ludwig an die einstigen Glanzzeiten. Allerdings sei es gerade in den hinteren Räumen bisweilen heftig zur Sache gegangen.

Ludwig zeigt auf einen Raum, der im unverkrampften ostdeutschen Sprachgebrauch "Befruchtungszimmer" hieß. "Die Peep-Show haben eigentlich wir erfunden", meldet der 58-Jährige nachträglich ein Patent "Made in GDR" an. Freilich lief die nackte Wahrheit nicht unter den Augen der allgemeinen oder berufsbedingt wachsamen Öffentlichkeit ab. Oehmichen geht davon aus, dass viele hier den Bund fürs Leben fanden.

Haue und Herrengedeck

Ein Hauch von Exklusivität wehte stets durch die Kakadu-Bar. 60 Prozent der Eintrittskarten gingen in den Vorverkauf, bei dem es meist Warteschlangen gab. Der Rest war für Stammkundschaft oder Prominente reserviert. Auch heute noch bekannte Fußballer von Dynamo Dresden lehnten manchmal am Tresen. Schlagersänger und Musiker aus dem Osten wählten das Lokal, weil sie nach feuchtfröhlicher Nacht ihre Häupter zwei Etagen weiter oben im Parkhotel betten konnten.

Bis zu 400 Menschen füllten von montags bis samstags die Tanzbar. Ab den 1970er-Jahren ersetzten mehr und mehr Discjockeys die Live-Bands. Wenn Alkohol die Gemüter erhitzt hatte oder Gäste die Zeche prellten, kam der bareigene Sicherheitsdienst zum Einsatz. "Da gab es schon mal Haue," beschreibt Ludwig den Ernstfall. Sonst ging aber alles seinen sozialistischen Gang. Paare teilten sich ins übliche "Herrengedeck": Die Männer tranken das Bier, die Frauen den Sekt.

Altes Flair - auch in der Leitung

Zur Wende war die Party urplötzlich zu Ende. "Wir saßen über Nacht in einer fast leeren Bar," schildert Steffen Ludwig das Finale. Als Oehmichen später mit der GmbH im Parkhotel einstieg, wurde er immer wieder von Dresdnern auf die geliebte Lokalität angesprochen. "Wir haben eine halbe Million investiert und hoffen, man sieht es nicht," sagt der Geschäftsführer.

Erfahrene "Kakadu"-Fans sollen das Flair der alten Bar an jeder Tischecke spüren. Mit Reni Wild und Ulf Neuhaus wurde ein Chef-Duo engagiert, das optisch gut zur Szene passt. Fortan werden die Gäste Vertrautes wieder finden und Neues entdecken. Koch Jens Retschke hält neben mediterraner Küche Typisches aus DDR-Zeiten bereit: "Zigeunersteak" wird genauso serviert wie "Fruchtkaltschale mit Waffelbruch" oder die Dose Ölsardinen mit zwei Scheiben Toastbrot. (wga)

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