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Wirtschaft

Reisball und Elektroautos

Toyota, immer noch der größte Autohersteller der Welt, steht unter Druck. Managementfehler und mangelhafte Fertigungsqualität bedrohen die Marktführerschaft. Jetzt hat Toyota dargelegt, wie es wieder aufwärts gehen soll.

Das Toyota-Logo auf einem Auto Quelle: AP

Toyota-Präsident Akio Toyoda hat am Mittwoch (9.3.2011) in Tokio einen auf zehn Jahre angelegten Strategieplan für sein Unternehmen vorgestellt. Toyota will in Zukunft effizienter und kundenorientierter arbeiten, seine Absatzstrategien und seine Angebotspalette neu ausrichten und so den ersten Platz unter den großen Automobilkonzernen verteidigen. Tags zuvor hatte Akio Toyoda die "Detroit Auto Show" besucht, eine der größten und wichtigsten Automobilmessen der Welt. Schon dabei hatte er versprochen, Toyota werde in Zukunft härter arbeiten und die Kunden ernster nehmen.

Konzern-Chef Akio Toyoda Quelle. AP

Konzern-Chef Akio Toyoda will Toyota neu ausrichten

Um zu demonstrieren, was er meinte, zog Toyoda in Detroit drei Reisbälle hervor und hielt sie den Journalisten entgegen. Zwei dieser drei Reisbälle, in Japan nennt man sie Onigri, seien in einem Geschäft hergestellt worden, der dritte aber in einem Haushalt. Alle drei Reisbälle seien gut, nur der dritte sei aber wirklich gut. Er sei eben "mit Liebe gemacht". Genau so werde Toyota in Zukunft auch seine Autos bauen, versprach Toyoda und sagte: "Wir werden Herz und Seele in unsere Fahrzeuge stecken, so wie eine Mutter Onigri herstellt."

Aus der Krise lernen

Am Mittwoch, als Toyoda die Unternehmenspläne für die nächsten zehn Jahre vorstellte, unternahm der Konzern-Chef einen Ausflug in die jüngere Vergangenheit. Er wies auf die internationale Finanz- und Wirtschaftskrise hin und sagte, sein Unternehmen sei nach dem Lehman-Schock in die roten Zahlen gerutscht und habe in der Konsequenz auch Probleme mit der Qualität der Autos gehabt. Das war vor allem in den USA zu spüren gewesen, wo Toyota viele Autos in die Werkstätten hatte zurückrufen müssen. Das war insofern sehr schmerzlich, als der amerikanische Markt für Toyota sehr wichtig ist, bislang setzt der Konzern dort etwa die Hälfte seiner Fahrzeuge ab.

Nächtlicher Straßenverkehr in Indien Quelle: AP

Bevölkerungsreiche Schwellenländer wie Indien sind der Automarkt der Zukunft

In Zukunft, so Toyoda, werde man sich mehr auf den Markt in den Schwellenländern konzentrieren. Dort werden die größten Wachstumszahlen erwartet, die Märkte in Indien und China seien lange nicht so gesättigt wie in den etablierten Märkten Amerikas und Europas. Für die USA kündigte er an, vermehrt auf die E-Mobilität setzen zu wollen. In Detroit waren drei neue Versionen des Hybridautos Prius präsentiert worden. Da der Benzinpreis aller Voraussicht nach in den nächsten Jahren weiter steigen wird, sei nun der Augenblick gekommen, vermehrt auf Elektroantriebe zu setzen.

Toyota wird schlanker

Bei der Präsentation seines Zehnjahresplans erinnerte Akio Toyoda auch an den "Toyota-Way", das sogenannte Kaizen. Dieses japanische Wort heißt etwa "stetiges sich verbessern" und soll, wie in den Anfangsjahren des Konzern vor dem Zweiten Weltkrieg, verstärkt das Handeln jedes einzelnen Toyota-Mitarbeiters bestimmen. Damit werde man diese ehrgeizigen Ziele erreichen: Bis 2015 soll der Absatz auf zehn Millionen Fahrzeuge im Jahr gesteigert und eine operative Gewinnmarge von fünf Prozent erreicht werden. Für das Rechnungsjahr 2010 wird diese noch auf 2,9 Prozent geschätzt. Langfristig wird ein Betriebsgewinn von jährlich einer Billion Yen (das entspricht ungefähr 8,6 Milliarden Euro) angestrebt, in 2010 hatte Toyota 7,2 Milliarden Euro erwirtschaftet.

Toyota Prius

Der Prius von Toyota - das erste serienreife Elektromobil

Dazu wird sich Toyota nicht nur vermehrt neuen Absatzmärkten in Schwellenländern wie Indien und China zuwenden und sich stärker um die Entwicklung und den Vertrieb von Elektroautos kümmern. Neben einer veränderten Arbeitsethik - weg vom Streben nach dem schnellen Gewinn und hin zu mehr Nachhaltigkeit in Entwicklung und Vertrieb – will sich Toyota stärker dem Kunden zuwenden. Vor allem in Amerika sollen die regionalen Strukturen gestärkt werden, damit der Konzern schneller auf Kundenwünsche reagieren kann. Seine ehrgeizigen Ziele will Toyota auch mit einem Personalabbau an der Unternehmensspitze erreichen: Von den zur Zeit 27 Mitgliedern im Verwaltungsrat werden ab Juni nur noch elf übrigbleiben.

Autor: Dirk Kaufmann (dapd, rtr)

Readktion: Zhang Danhong