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Wirtschaft

Reis erreicht Rekordpreise

Die Krise um weltweit steigende Lebensmittelpreise hat einen neuen Höhepunkt erreicht. In Thailand kostete eine Tonne Reis mehr als 1000 Dollar. Auch die USA sind mittlerweile von der Krise betroffen.

Reisgeschäft in Indien, Quelle: AP

Wird Reis bald Mangelware?

Nach einem Ansturm von Restaurantbesitzern haben die zwei größten US-Großhandelsketten damit begonnen, ihr Reisangebot zu rationieren, wie die "Los Angeles Times" am Donnerstag (24.04.2008) berichtete. Danach können Kunden in den Warenhäusern von Sam's Club, einer Tochter des weltweit größten Einzelhandel-Konzerns Wal-Mart, nur noch maximal vier Neun-Kilo-Säcke Basmati-, Jasmin- und Langkornreis pro Einkauf erwerben.

Auch in mehreren Warenhäusern der Kette Costco gibt es mittlerweile Kaufbeschränkungen für große Mengen, nachdem wiederholt die Regale binnen kürzester Zeit leer gewesen waren. Betroffen ist in diesem Fall vor allem die US-Westküste, wo besonders viele asiatisch-stämmige Menschen leben.

Der große Ansturm ist aber offenbar nicht auf Knappheit zurückzuführen, sondern auf die Furcht von Besitzern vor allem kleinerer Restaurants oder auch Läden vor einem weiteren Preisanstieg. Deshalb wollten sie sich ausreichende Vorräte anlegen.

70 Prozent in 12 Monaten

Unruhen in Haiti im März und April 2008, Foto: AP

In Haiti haben die Unruhen nach der Lebensmittelknappheit schon die Regierung gestürzt

Die rasant steigenden Lebensmittelpreise hatten in den vergangenen Wochen von Asien über Afrika bis in die Karibik bereits zu gewaltsamen Protesten geführt. In Haiti stürzte die Regierung im Zuge der politischen Unruhen. Mehrere Produktionsländer in Asien haben Bestimmungen gegen das Horten von Reis sowie Exportbeschränkungen erlassen. Die US-Regierung sagte in diesem Monat den Philippinen die Lieferung von 100.000 Tonnen Reis zu, um einer dort drohenden Knappheit zuvorzukommen. Experten zufolge ist der Reispreis weltweit in den letzten zwölf Monaten um etwa 70 Prozent angestiegen.

Der Kapitalismus gescheitert?

In Lateinamerika haben die linksgerichteten Regierungen von Venezuela, Kuba, Bolivien und Nicaragua bei einem Präsidentengipfel in Caracas gemeinsame Maßnahmen gegen die Lebensmittelknappheit beschlossen. Dazu solle ein Hilfsfonds von 100 Millionen US-Dollar gegründet werden, teilten die vier Regierungen am Mittwochabend in der venezolanischen Hauptstadt mit. Außerdem wollen sie sich bei der Entwicklung der Landwirtschaft unterstützen.

In Venezuela kommt es schon seit Monaten zu Engpässen in der Versorgung mit Milch, Zucker oder Rindfleisch. Die weltweite Lebensmittelkrise beweise "das historische Scheitern des Kapitalismus", erklärte Staatspräsident Hugo Chávez.

Ursachensuche

Symbolbild Biosprit und Nahrungsmittelknappheit, Quelle: dpa

Wer ist schuld an der Krise? - Der Biosprit?

Die Weltmarktpreise für Nahrungsmittel sind in den vergangenen Monaten förmlich explodiert. Der Preisindex für Nahrungsmittel stieg nach Angaben der Welternährungsorganisation (FAO) zwischen März 2007 und März 2008 um 57 Prozent. Bei Reis betrug die Steigerung innerhalb von zwei Monaten 75 Prozent, bei Weizen lag sie innerhalb eines Jahres bei 120 Prozent. In der Euro-Zone stiegen die Lebensmittelpreise im März um 6,2 Prozent.

Die Weltbank, das International Food Policy Research Institut (IFPRI) und die FAO machen vor allem Konkurrenz von Nahrungsmitteln und Agrartreibstoffen für die Preisexplosion verantwortlich. Die Agrarenergieproduktion trage demnach - je nach Produkt - zwischen 26 und 72 Prozent zu den Preissteigerungen bei Lebensmitteln bei. Hinzu kommen außerdem Spekulationsgeschäfte mit Nahrungsmitteln durch Hedge-Fonds und andere Investoren.

Neuer Hilferuf

In der sich verschärfenden Hungerkrise hat die FAO einen Hilferuf an die internationale Gemeinschaft gesandt. "Zusätzlich zu Lebensmittellieferungen in Krisenregionen müssen wir den Bauern in den Entwicklungsländern Zugang zu Saatgut und Dünger verschaffen", forderte FAO-Generaldirektor Jacques Diouf am Donnerstag. Er warf der Weltgemeinschaft vor, Warnungen vor Nahrungsmittelkrisen jahrelang in den Wind geschlagen zu haben. Die Vereinbarungen der Welternährungsgipfel von 1996 und 2002 seien nicht eingehalten worden.

Seine Hoffnung richtet Diouf auf ein von der FAO ausgerichtetes Ernährungsforum von Staats- und Regierungschefs vom 3. bis zum 5. Juni in Rom: Nach seinem Willen sollen die entwickelten Staaten hier einen Weg finden, wie Hilfen schneller bereitgestellt und Bauern in Entwicklungsländern stärker unterstützt werden können. (ina)

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