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Sprachbar

Reichlich eingeschenkt

Zu Ostern gibt es Hasen aus Schokolade, zu Weihnachten darf es schon etwas mehr sein und zur Konfirmation gibt es vor allem Geld. Schenken ist eine wichtige Sache und hat seine sprachlichen Spuren hinterlassen.

Mehrere Geschenke unter dem Weihnachtsbaum

Geschenkorgien unter dem Weihnachtsbaum

Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft sagt man und denkt an die kleine Aufmerksamkeit genauso wie an die unauffällige Bestechung. Einen Strauß Blumen für die Ehefrau, eine Schachtel Pralinen für die Sekretärin und zum Jahreswechsel eine Kiste Wein für den Geschäftspartner. Das kann auch zum ausgebauten System werden.

"Seilschaftsgeschenke"

Der Arzt, der für die Verwendung bestimmter Medikamente von der Pharma-Firma zum Ski-Wochenende in die Alpen eingeladen wird, der Gemeinde-Politiker, der von der Baufirma einen Sonderpreis für das eigene Haus bekommt, wenn er den Auftrag für die Stadthalle an sie vergibt.

So entsteht schnell, was man eine Seilschaft nennt, eigentliche eine Gruppe von Bergsteigern, die mit einem Seil verbunden sind. Heute aber viel gebräuchlicher für Verbindungen zwischen Politik und Wirtschaft, die die gegenseitige Karriere stützen.

In der Schenke wird nichts verschenkt

Ursprünglich hat das Schenken einiges mit dem Trinken zu tun, und zwar mit dem Ausschenken von Bier, Wein und anderen Getränken in der Schenke, die man inzwischen Kneipe nennt. Allerdings war diese Bewirtung von Gästen nicht umsonst, sondern ein Tausch. Was für viele heutige Geschenke aber auch gilt, wenn man die Sache genau betrachtet. Jemandem gehörig einen einschenken hat indes eine ganz andere Bedeutung. Da hat man mal einem Menschen so richtig die Meinung gesagt, und das nicht besonders freundlich.

Aber zurück zum normalen Beschenken. Da wird gegenseitig manchmal sehr genau betrachtet, wie groß oder teuer das Präsent ist, das man von Freunden und Bekannten bekommt und ob es denn genauso groß und teuer ist wie das, was man selbst verschenkt hat. Überhaupt ist das mit dem Schenken keine einfache Sache. Deshalb gibt es mittlerweile reichlich Anleitungen, was man schenken kann und wie man Geschenke richtig verpackt.

Keine Überraschungen bitte!

Geschenktische gibt es aber auch noch. Das sind Tische in Kaufhäusern oder Haushaltwarengeschäften, die von baldigen Brautpaaren bestückt werden. Oft mit reichlich teuren Ausstattungen, also nicht gerade geschenkt.

Die Hochzeitsgäste dürfen dann aussuchen, was sie gerne kaufen und verschenken möchten. Das ist wichtig, damit es nicht zu unliebsamen Geschenken kommt. Die gibt es nämlich massenweise. Allerdings gilt hier: man darf sich nicht beschweren. Oder anders gesagt: einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul. So wird denn manche kitschige Vase wieder aus dem Karton geholt und auf den Tisch gestellt, wenn die entsprechende Tante zu Besuch kommt – egal, ob die Vase nun hässlich ist oder nicht. Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten.

Geschenke-Vielfalt

Meistens sind Geschenke natürlich etwas Schönes und Angenehmes: Geburtstagsgeschenke, Abschiedsgeschenke und Weihnachtsgeschenke. Von letzteren gibt es meist besonders viele, so dass das Fest der Besinnlichkeit bisweilen zur Geschenkorgie mutiert.

Dann gibt es noch Gastgeschenke – die man bei Besuchen mitbringt -, Hochzeitsgeschenke, Patengeschenke und Werbegeschenke. Bei diesen wären wir dann wieder bei der Pflege von Geschäftsbeziehungen.

Himmelsgeschenke

Es gibt aber auch ganz andere Geschenke: ein Geschenk des Himmels ist nicht nur der Regen nach zwei Monaten Trockenheit, sondern auch schlicht der Nachbar, der etwas von Autos versteht, wenn das eigene an einem Wintertag mal nicht anspringt.

Auch den Lottogewinn könnte man als Geschenk des Himmels bezeichnen. Oder die große Liebe, die plötzlich wie vom Himmel gefallen vor einem steht. Und schließlich auch die Gabe, also das Geschenk, ein großes Talent zu besitzen, sei es für’s Klavierspielen, Tanzen oder Fußball spielen.

Gaben der Aufmerksamkeit

Weil Kinder etwas ganz Besonderes sind, bezeichnet man sie oft auch als Gottesgeschenk und die Frau, die sie geboren hat, schenkte ihnen das Leben. Zuvor hatte sie sicher dem Vater der Kinder ihr Vertrauen und schließlich ihr Herz geschenkt.

Wenn die Kinder dann auf der Welt sind und reden können, muss man ihnen zuhören, ihnen Aufmerksamkeit und Gehör zu schenken, egal was die Kinder gerade zu sagen haben. Das ist wichtig, sagen Psychologen, damit auch sie später anderen Glauben und Vertrauen schenken können.

Nichts zu verschenken

Nun sehen natürlich nicht alle Lebensläufe glücklich aus. Viele haben vom Leben nichts geschenkt bekommen, hatten es schwer und mussten das Meiste alleine durchstehen.

Trotz aller Anstrengung hat es mancher dennoch nur zu einem bescheidenen Wohlstand gebracht und muss sparsam leben, hat also nichts zu verschenken. Meistens sind Zuwendungen und Aufmerksamkeiten ja eine angenehme Sache, ob uns jemand nun ein Buch zum Geburtstag schenkt oder sein Ohr, wenn man traurig ist.

Keine welken Blumen!

Und Zuwendungen und Aufmerksamkeiten sollte auch ein Ehemann seiner Frau schenken und zwar so oft wie möglich und nicht nur zum Hochzeitstag, den er ja sowieso gerne vergisst. Überreicht er seiner Frau etwa Tage später mit schuldbewusster Mine einen halb welken Blumenstrauß, den er eben an der Tankstelle gekauft hat, dann kann er sicher sein, dass sie ihm den vor die Füße wirft – mit den ergänzenden Worten: Das kannst Du Dir schenken und die Ausreden auch!

Autor: Günther Birkenstock

Redaktion: Beatrice Warken

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