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Kultur

Reicher Mythenschatz des Dogon-Volkes

Das Felsplateau von Bandiagara im westafrikanischen Mali bietet eine spektakuläre Landschaftskulisse. Die Kunst des dort lebenden Dogon-Volkes ist jetzt in Bonn zu sehen.

Dogon Trog (Foto: Robert T. Wall)

Diesen Trog benutzten die Dogon

Museum im Dogon-Dorf © Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland

Bandiagara ist eine Stadt und zugleich der Name für eine Region im westafrikanischen Staat Mali. Das rund 200 Kilometer lange Felsplateau von Bandiagara im Land des Dogon-Volkes wurde zusammen mit dessen Traditionen 1989 in die Welterbeliste der UNESCO als Kultur- und Naturerbe aufgenommen. Mehr als 270 Skulpturen, Masken und Alltagsobjekte aus privaten und öffentlichen Sammlungen in aller Welt zeigen in der Ausstellung in Bonn ab Freitag (14.10.2011), warum die Dogon zu den bedeutendsten Kulturen Afrikas gezählt werden.

Kunstgenuss und differenzierter Blick

Kunst aus Afrika auszustellen, bringt andere Herausforderungen mit sich, als Kunst aus Europa und der westlichen Welt zu zeigen. Allzu oft wurde afrikanische Kunst in der Vergangenheit entweder als Blick in eine ferne Welt dargestellt, um eine Lust am Exotischen zu befriedigen. Oder aber sie wurde in schwerfälligen ethnographischen Ausstellungen wissenschaftlich abgehandelt. In Bonn will man Kunstgenuss und den differenzierten Blick auf eine fremde Kultur vereinen und sich auch von der Darstellung im Pariser Museum "Quai Branly" abheben, wo die Objekte in diesem Jahr zunächst ausgestellt wurden. Dort wurden die Werke der Dogon mit einem rein kunsthistorischen Anspruch gezeigt, erklärt Ausstellungsleiter Wolfger Stumpfe: "es ging ausschließlich um die Ästhetik."

Satimbe Maske (Foto: Robert T. Wall)

Die "Satimbe"-Maske

In Bonn dagegen bemüht man sich um die Verbindung von Kunstgeschichte und Völkerkunde. Im Grunde handelt es sich bei der Bonner Schau daher um zwei Ausstellungen, eine kunsthistorische und eine ethnographische. Riesige Fotografien sollen zudem die Atmosphäre des Landes vermitteln und verdeutlichen, in welcher Umgebung die Kunstgegenstände entstanden sind. Damit wollte man auch einer langjährigen Diskussion Rechnung tragen, die die Frage umkreist, was Kunst aus Afrika denn überhaupt ist: Kunstobjekt im westlichen Sinn, geformter Gebrauchsgegenstand oder Kultobjekt? Letztlich gibt es keine Antwort auf diese Frage. Die ausgestellte Kunst, so Wolfger Stumpfe, sei all das zusammen.

Kritischer Blick statt Voyeurismus

Die ausgestellten Kunstobjekte sind ausgesprochen vielgestaltig. Verzierte Alltagsgegenstände stehen neben fein ausgearbeiteten riesigen Masken, die auch heute noch ausschließlich bei rituellen Tänzen verwendet werden. Zahlreiche Skulpturen bieten Einblicke in die traditionelle Welt der Dogon und ihre Mythen, mal naturalistisch genau, mal bewusst abstrakt geformt.

Ein Holzhaus auf Steinpfählen (Foto: Robert T. Wall)

Das "Palaverhaus"

Exotismus, der voyeuristische Blick auf das Kuriose, wird bewusst vermieden. Im Eingangsbereich wurde ein Affenbrotbaum nachgebildet, der für das klassische Afrikabild steht. Daneben hängt eine der schönsten Dogon-Masken. Als Gegengewicht werden auf großformatigen Fotos moderne Alltagsszenen gezeigt: ein Maskentänzer steht neben einem kleinen Dogon-Jungen, der ein Deutschland-Fußballtrikot trägt. An einer Hauswand hängt ein Transistorradio und direkt daneben getrocknete Affenschädel.

Und was halten die Dogon von der Ausstellung?

Nicht nur die Sicht der Westler auf Afrika wird thematisiert, auch die Sicht der Dogon auf den Westen. Wolfger Stumpfe: "Wir zeigen Interviews, die wir mit den Dogon geführt haben. Auf die Fragen, wie sie denn finden, dass diese Ausstellung so groß in Paris und Bonn gezeigt wird, antworteten die meisten Dogon, dass sie stolz sind, dass ihre Kultur so eine große Aufmerksamkeit erregt. Andererseits finden es einige merkwürdig, dass sie selbst keine Gelegenheit haben, die Objekte zu sehen, obwohl sie ja eigentlich ihre Tradition und Kultur darstellen."

Nicht nur, dass den meisten Dogon wohl das Geld fehlen dürfte, um nach Europa zu fliegen, auch politische Schranken würden sie abhalten. Denn sie müssten ein Visum beantragen. Und für einen Ausstellungsbesuch bekommt man eigentlich kein Visum.

Maskentanz in Tireli / Dogonland Foto: Frank Buchholz © Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland ***

Maskentanz in Tireli

Bezeichnenderweise stammt keines der 270 Ausstellungsstücke aus Afrika selbst. "Fast alle kommen aus europäischen und amerikanischen Sammlungen", bemerkt Ausstellungsleiter Stumpfe. "Und das ist natürlich schon seltsam, wenn man sich im Umkehrschluss vorstellt, dass alle rheinischen mittelalterlichen Madonnen in Burkina Faso so ausgestellt werden und die Leihgaben aus Kambodscha und Neu-Guinea kommen und wir nicht dorthin können."

In Bonn wird die Kunst, Kultur und Geschichte der Dogon ausgesprochen differenziert betrachtet. Damit bewegt sich die Ausstellung auf einem aktuellen wissenschaftlichen Niveau und trägt der Tatsache einer jahrzehntelangen Dominanz des Westens Rechnung. Die kritische Haltung verhindert aber keineswegs, dass man denn Anblick der ästhetisch ansprechenden Skulpturen und Masken auch einfach nur genießen kann.

Autor: Günther Birkenstock
Redaktion: Gudrun Stegen

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