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Asien

Reiche Bodenschätze in Afghanistan

Das US-Verteidigungsministerium überrascht die Welt mit einer sensationellen Meldung: Man habe in Afghanistan Bodenschätze im Wert von rund einer Billion Dollar entdeckt. Was bedeutet der Fund für den Krieg?

Eine chinesische Delegation der China Metallurgical Group besucht im April 2007 südöstlich von Kabul eine Kupfermine (Foto: AP)

Eine Delegation der "China Metallurgical Group" besucht im April 2007 südöstlich von Kabul eine Kupfermine

Im Krisenstaat am Hindukusch sollen sich - nach Bolivien - die zweitgrößten Lithium-Bestände der Welt befinden, außerdem mächtige Vorkommen an Eisenerz, Kupfer, Kobalt und Gold. Für den Befehlshaber der US-Einheiten in der Region, General David Petraeus, hat der Fund ein "überwältigendes Potenzial". Und hohe US-Beamte gehen davon aus, dass er die afghanische Wirtschaft auf ein neues Fundament stellen und den Verlauf des Krieges beinflussen könnte.

Die Meldung des Pentagon zu den gewaltigen afghanischen Bodenschatzfunden und deren wirtschaftlichem Potenzial hat aufhorchen lassen. In Afghanistan nehmen die Menschen die plötzliche Aufmerksamkeit mit Freude wahr. "Wir werden jetzt vor Ort Proben entnehmen und den Mineraliengehalt der verschiedenen Lagerstätten ermitteln", erklärt Abdurrahman Ashraf, der als Sachverständiger für Bodenschätze für die afghansiche Regierung arbeitet. Man werde die Washingtoner Informationen eingehend prüfen. "Danach können wir sagen, bei welchen Lagerstätten sich ein Abbau wirtschaftlich lohnt und bei welchen nicht."

Die Geschichte einer "Sensationsmeldung"

Hamid Karsai (Foto: picture alliance/dpa)

Für Hamid Karsai ist die Sensationsmeldung keine Neuigkeit

Die vermeintlich neuen Informationen der US-Regierung sind in Wahrheit schon altbekannt. Während der Besatzung Afghanistans hatten sowjetische Geologen bereits Bodenerkundungen gemacht. Nach dem Abzug der Roten Armee versteckten afghanische Geologen die Karten, die ihre sowjetischen Kollegen zurückgelassen hatten. Die Informationen blieben so lange unter Verschluss, bis im Jahr 2001 westliche Mächte die Taliban aus Kabul vertrieben hatten.

Bislang allerdings schien das Weiße Haus in Washington die Bodenschätze nicht beachtet zu haben - bis vor kurzem ein interner Bericht des US-Verteidigungsministeriums den Wert der Lagerstätten am Hindukusch mit rund einer Billion Dollar bezifferte. Der afghanische Wirtschaftsexperte Sayfuddin Sayhoon glaubt, dass die US-Experten den Reichtum seines Landes sogar noch unterschätzen. "Die von Amerikanern genannten Zahlen sind eher untertrieben. Einige andere Quellen sprechen sogar von einem Wert von sechs Billionen Dollar." Neue Informationen zu den vorhandenen Lagerstätten hätten die Amerikaner aber nicht. Im Grunde hätten sie nur alte Informationen neu präsentiert, so Sayhoon weiter.

Rätselraten um den Zeitpunkt

Afghanisches Landschaftsfoto vor Bergkulisse (Foto: AP)

Unter der afghanischen Erde schlummern riesige Schätze

Experten in Kabul rätseln, warum Washington diese Sensationsmeldung ausgerechnet jetzt publik macht. Spekulationen zufolge wolle das Weiße Haus den US-Bürgern zeigen, dass die amerikanischen Soldaten in Afghanistan nicht umsonst kämpfen, sondern dass es dort vielmehr um sehr viel Geld gehe.

Wirtschaftsexperte Sayhoon vermutet zudem noch andere Motive. "Die USA warnen uns und legen uns Afghanen nahe, über die Ausbeutung und Nutzung dieser Bodenschätze nachzudenken." Außerdem solle die Nachricht die Aufmerksamkeit westlicher Firmen erregen. "Einige westliche Firmen scheinen bereits über den Abbau von Bodenschätzen in Afghanistan nachzudenken."

Karte Afghanistan

Möglicherweise ist das auch der Grund dafür, dass Karsais Sachverständiger für Bodenschätze, Abdurrahman Ashraf, die Erwartungen zu drosseln versucht. "Der Abbau und Verkauf dieser Bodenschätze benötigt besondere Sachkenntnis, über die wir zur Zeit nicht verfügen", betont er." Außerdem hat unsere Generation nicht das Recht, alles zu verkaufen." Ashraf deutet weiterhin an, die wertvollen Bodenschätze eher an chinesische oder indische Interessenten verkaufen zu wollen als an westliche Käufer. Er erklärt dies mit Standortvorteilen, ins Detail geht er nicht. Experten werten diese Aussagen als Versuch der Kabuler Regierung, Afghanistans Bodenschätze als Trumpf zu nutzen und den Westen, China und Indien gegeneinander auszuspielen.

Autoren: Arif Farahmand / Cem Sey
Redaktion: Esther Broders