1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Sprachbar

Reich

48 Milliardäre gibt’s in Deutschland, aber manche haben mit Ach und Krach gerade mal eine Milliarde erreicht. Die Armen! Offensichtlich gibt es keine reichen Menschen, allenfalls wohlhabende oder vermögende.

Reiche Menschen gibt es nicht. Bloß aus der Perspektive der Anderen, der Ärmeren bzw. der noch weniger Reichen. Aber die haben keine Ahnung. Die Reichen sind (fast) wie Arme. Arme haben nicht genug, Reiche kriegen nie genug. Und für die Reichen ist die Situation ausweglos. Wie viel mehr es auch immer sei: es wird ihnen nie reichen, nie genügen, ihre Finanzmittel sind allenfalls knapp ausreichend, Schulnote: 4 minus. Und dann die Steuerlast! Kein Wunder, dass sie jammern. Was soll man tun...?

Helfende Hände

„Reich mir mal den Knebel, Kollege.“ Ein beliebter Satz unter Gangstern. Überall da, wo Teamwork gefragt ist, gibt es die Bitte des einen, der andere möge ihm etwas reichen, die Marmelade, die Hand, oder auch die Hand der Tochter. Solch Eheanbahnungssymbolik ist selten geworden. Bei den Vätern wird nicht mehr oft nach den Töchtern gefragt. Eher interessiert da die Frage, ob denn das Töchterchen gut „betucht“ sei. (Wertvolle Tücher galten einst als wichtigster Teil einer Aussteuer)

Die Bezeichnung „tuchreich“ gibt es allerdings nicht. „Steinreich“ hingegen schon. Hat nichts mit Edelsteinbesitz zu tun, gemeint ist die Bauart von Häusern, Steinhäuser waren nämlich früher Luxus. Das ist die eine Version. Die andere: die Vorsilbe „stein“ bezeichnete im 17. Jahrhundert gerne so etwas wie unser „super“. „Steinreich“ war „sehr reich“, wie ja auch „steinalt“ für „sehr alt“ stehen kann.

Die Wurzel heißt Herrschaft

Alle Bedeutungen von „reich“ sind königlicher Abstammung. „Reich“ bezeichnet allgemein das mit einem Herrscher in Zusammenhang stehende, von ihm abhängige Gebiet. Daraus entwickelte sich das Reich als Staatsform, das seine Grenzen hat (es reicht von x bis y ) und einen Besitz (Reichtum) darstellt. „Reichthum wurzelt in dem Begriffe Imperium, Gewalt, Herrschaft, Herrlichkeit“, fassen die Brüder Grimm in ihrem großen Wörterbuch zusammen.

Sie weisen darauf hin, dass ein mit „Reich“ bezeichnetes Gebiet durchaus nicht begrenzt sein muss, vor allem, wenn es nicht von dieser Welt ist. „Dein Reich komme“ beten die Christen, und meinen das Reich Gottes. Und es heißt auch: „Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, denn dass ein Reicher ins Reich Gottes komme.“ – Aha! Möglicherweise gibt deswegen niemand zu, dass er reich ist...

Alle wollen mehr von allem

Die Bedeutung des Wortes reich ist reich an Facetten. Auch auf Erden. Beispiel: Frankreich. Frankreich ist ein umfangreiches Land und eine Bereicherung für die Europäische Union, es ist zwar nicht superreich (auch nicht steinreich), aber doch bevölkerungsreich. Heißt das, es hat nur reiche Menschen? Nein: es ist reich an Menschen. Hieße „kinderreich“, dass Kinder reich wären, es gäbe viel mehr kinderreiche Familien.

Festzuhalten ist: es gibt einen Reichtum, den man nicht zählen kann, man kann ihn nur schätzen (möglichst nicht gering). Ihn zu benennen liegt außerhalb unserer geistigen Reichweite. Die Bereicherung, die Kinder einem Leben bringen können, kann man schlecht in Kilogramm messen.

Geschmack der weiten Welt

Reich steht im Sinne von Reichhaltigkeit auch für Vielfalt, großen Wohlgeschmack, ein opulentes Mahl gilt als reich, ein gehaltvoller Kaffee ebenso. Und so ein Kaffeeduft reicht weit, steigt auch in weit entfernte Nasen.

Hier wird „reichen“ intransitiv gebraucht, als „sich erstrecken“. Dass man (transitiv) jemandem etwas reichen kann, hatten wir schon: die Marmelade, die Hand oder das Wasser. Nein! Das Wasser reichen - das hatten wir noch nicht. Ist sehr selten. Wer viel auf sich hält, behauptet, kein Anderer könne ihm das Wasser reichen. Ob das Eigenlob im Einzelfall stimmt oder ins Reich der Fabel gehört – darauf mag sich jeder seinen eigenen Reim machen.

Geld ist ein Gedicht!

Wir reimen mit dem satirischen Autor Georg Christoph Lichtenberg, der vor 200 Jahren lästerte: „Im Deutschen reimt sich Geld auf Welt. Es ist kaum möglich, dass es einen vernünftigeren Reim gebe.“ Mag sein. Ein so genannter reicher Reim klingt jedenfalls anders: er ist mehrsilbig, meist wird auf zwei voll-vokalische Reimsilben gereimt. Das, sage ich in aller Klarheit, ist die Wahrheit. Jetzt noch ein Vers von Hans Sachs, das Reimen war für ihn ein Klacks, zusammenfassend er besingt, was uns das Reichsein wirklich bringt: „In herrschafft, reichtumb und gewalt / hab ich der freündt gar manigfalt.“

Fragen zum Text

Jemand, der steinreich ist,…

1. ist sehr schwer.

2. ist sehr reich.

3. ist sehr leicht.

Welches der drei folgenden Worte gibt es nicht?

1. kinderreich

2. bevölkerungsreich

3. tuchreich

Jemand, der behauptet man könne ihm nicht das Wasser reichen,…

1. möchte lieber Saft trinken.

2. hält sehr viel von sich selbst.

3. braucht keine Hilfe.

Arbeitsauftrag

Ein Traumhaus oder eine kleine Hütte, ein sieben Gänge Menü oder eine warme Mahlzeit am Tag, ein Schwimmbad oder eine Badewanne - Reichtum bedeutet für jeden Mensch anders. Was bedeutet Reichtum für Sie? Was würden Sie sich kaufen, wenn Sie reich wären? Schreiben Sie einen kurzen Aufsatz und begründen Sie Ihre Meinung.

Die Redaktion empfiehlt

WWW-Links

Audio und Video zum Thema

Downloads