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Kultur

Reich-Ranicki-Lehrstuhl in Tel Aviv

Als Jude wurde Marcel Reich-Ranicki 1938 nicht zum Germanistik-Studium in Deutschland zugelassen. Später wollte man ihn überall haben: als Gastprofessor und Ehrendoktor. Nun soll eine ganz besondere Auszeichnung folgen.

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Deutschlands führender Literaturkritiker

"Ich habe einige Übung im Empfang von Ehrendoktoraten", hatte Marcel Reich-Ranicki gesagt, als er Anfang Januar 2006 die Ehrendoktorwürde der Freien Universität in Berlin entgegennahm. Es war der siebente Titel dieser Art.

Und er fügte hinzu: "Der achte ist schon in Vorbereitung." Am 2. Februar wird Deutschlands führender Literaturkritiker die Ehrendoktorwürde der Universität Tel Aviv erhalten. Damit sollen Reich-Ranickis "außergewöhnliche Leistungen" als Literaturkritiker und sein Einsatz zugunsten der Universität Tel Aviv gewürdigt werden.

"Mein Leben" auf hebräisch

An die Auszeichnung schließt sich jedoch noch Größeres an als nur eine Feierstunde in prominenter Runde: Die Universität Tel Aviv und die Freunde der Universität in Deutschland wollen einen Reich-Ranicki-Lehrstuhl für Deutsche Literatur an der Universität einrichten.

Dr. Matityahu Kranz ist der Repräsentant der Universität Tel Aviv in Deutschland. "Mit der Einrichtung des Lehrstuhls wollen wir Reich-Ranickis Leistungen für die deutsche Literatur würdigen", sagt er. Sein Name sei bekannt in Israel, seine Bücher würden dort gelesen. "Seine Biografie 'Mein Leben' wurde sogar ins Hebräische übersetzt", erzählt Matityahu Kranz. "Zwar werden die älteren Leser immer weniger. Aber auch die jungen Leute zeigen Interesse an deutscher Literatur. Wir hoffen, dass Reich-Ranicki als Anziehungspunkt wirken wird. Für die deutsche Literatur insgesamt."

Wenn das eigene Wohnzimmer zum Museum wird...

Reich-Ranickis Wohnzimmer im Jüdischen Museum in Frankfurt

Dabei spielt aber auch das Leben des polnischen Juden Marcel Reich-Ranicki eine Rolle. Er hat die Brutalität und Menschenverachtung des nationalsozialistischen Systems am eigenen Leib erfahren. Dennoch lebt und wirkt er seit Ende der 1950er Jahre in Deutschland. Er soll als Symbol für den geistigen Austausch zwischen Wissenschaftlern und Studenten aus Israel und Deutschland dienen.

Gastprofessor in Tel Aviv?

Der Lehrstuhl selbst soll offen sein für Gastprofessoren, die dort Vorlesungen und Seminare halten. Und natürlich auch offen für Reich-Ranicki selbst: "Wenn Marcel Reich-Ranicki unterrichten würde, würde uns das sehr freuen", so Matityahu Kranz. "Doch das hängt natürlich alles von seinem Gesundheitszustand ab. Er ist schließlich schon 86 Jahre alt. Doch grundsätzlich wäre das natürlich ein großer Gewinn für uns."

Obwohl Reich-Ranicki schon eine ganze Sammlung von Ehrendoktortiteln hat, habe er die Idee sehr positiv aufgenommen, so Kranz. "Ich glaube, er hat sich auch persönlich gefreut." Welchen Einfluss Reich-Ranicki auf Inhalt und Organisation des Lehrstuhles haben wird, stehe noch nicht fest. "Soweit sind wir noch nicht. Erst einmal muss ein grundsätzlicher Plan ausgearbeitet werden zwischen der Universität Tel Aviv, den Freunden der Universität und Marcel Reich-Ranicki."

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Bevor jedoch junge Israelis und Germanisten aus aller Welt am Reich-Ranicki-Lehrstuhl lehren und lernen können, braucht die Universität Tel Aviv Geld. Dafür will der Verein Privatpersonen und Stiftungen ansprechen und mit Hilfe verschiedener Benefiz-Veranstaltungen Gönner suchen.

Die Laudatio zur Verleihung der achten Ehrendoktorwürde wird Ex-Außenminister Joschka Fischer halten. Er selbst ist für seine Verdienste um die Nahostpolitik zum Ehrendoktor der israelischen Universität Haifa ernannt worden.

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