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Afrika

Reich an Diamanten, aber trotzdem arm

Afrikas Rohdiamanten steigen seit Monaten im Wert. Doch das Geld aus dem Diamantenverkauf erreicht die Menschen nicht. Es versickert bei den Eliten in den Hauptstädten und den zumeist ausländischen Minenunternehmen.

Simbabwe Diamanten Mine Diamantenmine (AP)

Simbabwische Diamantenmine

Vergangene Woche holte die tansanische Polizei zu einem Schlag gegen den internationalen Diamantenschmuggel aus: Am größten Flughafen des Landes wurde eine Diamantenlieferung im Wert von umgerechnet rund 28 Millionen Euro beschlagnahmt. Petra Diamonds, der weltweit größte börsennotierte Diamantenkonzern mit Sitz in der Steueroase Jersey, hatte eine Lieferung von 14 Kilogramm angemeldet. Es seien aber 30 Kilogramm gewesen, sagen die tansanischen Behörden. Die Rohdiamanten aus der Williamson-Mine sollten zur Weiterverarbeitung nach Belgien exportiert werden.

Die Williamson-Mine im Norden Tansanias ist ein Joint-Venture: 75 Prozent gehören Petra Diamonds, ein Viertel dem tansanischen Staat. Tansanias Präsident John Magufuli hat die Bekämpfung von Korruption im Minensektor zu einer Priorität seiner Regierung erklärt. Er war 2015 nicht zuletzt mit Unterstützung einer Anti-Korruptions-Plattform an die Macht gekommen.

Tansania Konfiszierung Petra Diamanten (Reuters)

Die in Tansania konfiszierten Diamanten sollen mehr als 30 Millionen US-Dollar wert sein

Sorge um das Investitionsklima

Die Beschlagnahmung der Diamanten sei rechtens, sagt Benedict Mahona, Wirtschaftsexperte an der Universität Daressalam, im DW-Interview: Die Zollgesetze der Ostafrikanischen Gemeinschaft seien eindeutig: Jedes Produkt, das importiert oder aus Gebiet ausgeführt wird, müsse vorschriftsmäßig registriert und deklariert werden. "Global agierende Konzerne plündern systematisch Afrikas Diamantenressourcen und nur ein Bruchteil der Steine wird ordnungsgemäß deklariert und versteuert", sagt Mahona. Der Diamantenklau geschehe fast immer mit Hilfe von korrupten Einheimischen.

Gleichzeitig laufe die tansanische Regierung mit ihrem harten Durchgreifen Gefahr, dass sich internationale Unternehmen aus dem Geschäft zurückziehen und in der Folge Arbeitsplätze verloren gehen, glaubt Rebekka Rumpel, Rohstoffexpertin bei der Londoner Denkfabrik Chatham House: "Das harte Vorgehen Tansanias wird ganz sicher negative Auswirkungen auf das Image des Landes haben." Ein Großinvestor aus Russland, der tansanisches Uran abbauen wollte, habe bereits sein Projekt auf Eis gelegt, so Rumpel, "auch aus Sorge um das Investitionsklima in Tansania".

Korruption hüben wie drüben

Präsident Magufuli hatte angekündigt, dass Tansanier die Diamantenminen übernehmen könnten, sollten die ausländischen Unternehmen weiterhin ein "Problem" darstellten. Das sei "reiner Populismus", meint Amani Mhinda, Aktivist bei Haki Madini. Die Nichtregierungsorganisation setzt sich für eine transparente Wirtschaft ein. "Das hat in der Vergangenheit auch nicht funktioniert", sagt Mhinda. "Einheimische Firmen sind mindestens genauso korrupt wie ausländische".

Tansania ist ein eher mittlerer Player auf dem afrikanischen Diamantenmarkt. Im Ranking der größten Diamantenproduzenten Afrikas belegt das ostafrikanische Land den zehnten Platz. Die tansanische Regierung hofft, dass der Bergbau bis 2025 mindestens doppelt so viel zum Bruttoinlandsprodukt beisteuert wie bisher. Derzeit beträgt der Anteil weniger als vier Prozent.

Simbabwe: Diamantengelder für den staatlichen Unterdrückungsapparat

Auch Simbabwe, fünftgrößter Diamantenproduzent Afrikas, haben die Diamanten kaum Wohlstand gebracht. Drei Viertel der Simbabwer leben in extremer Armut. Genaue Informationen über die Höhe der Einnahmen, die der Staat mit Diamanten erzielt, gibt die simbabwische Regierung nicht heraus.

"Milliarden sind verschwunden, bevor sie die simbabwische Staatskasse erreichen konnten", heißt es in einem aktuellen Bericht der britischen Antikorruptionsgruppe Global Witness. Die Diamanten hätten dem einfachen Volk keine Vorteile gebracht. Im Gegenteil: Die Geheimdienste und Militärs des Landes hätten einen nicht unbedeutenden Teil der Einnahmen systematisch für sich abgezweigt. "Simbabwes Demokratie wurde untergraben und es hat zu ernsten Menschenrechtsverletzungen geführt", sagt Michael Gibb, Berichterstatter von Global Witness.

Ähnliche Strukturen wie in Simbabwe finden sich auch in den anderen großen Diamantenländern Afrikas. In Angola oder der Demokratischen Republik Kongo haben die Diamantenvorkommen ebenfalls zu mehr Armut, Gewalt und Unterdrückung geführt.

Botswana: Viel Transparenz, mehr Wertschöpfung

Anders in Botswana: Der größte Diamantenproduzent Afrikas gilt in vielerlei Hinsicht als Vorbild wenn es darum geht, die Gewinne aus dem Rohstoffexport der Gesellschaft zufließen zu lassen. 75 Prozent der Deviseneinnahmen des Landes stammen aus dem Verkauf der Rohdiamanten.

Großbritannien Rohdiamant Lesedi La Rona (Getty Images/AFP/D. Emmert)

Rohdiamant aus Botswana, Afrikas größter Diamantenproduzent

Das Land scheint aus den Negativbeispielen in Afrika gelernt zu haben. Es versucht, die Wertschöpfungskette möglichst lange im Land zu behalten: Ein Großteil der Rohdiamanten wird direkt in Botswana weiter verarbeitet, geteilt, geschnitten, poliert, gebohrt. Diese Arbeitsschritte wurden bis vor wenigen Jahren zum Beispiel im belgischen Antwerpen oder in Israel durchgeführt. Bei anderen afrikanischen Diamantenproduzenten ist das noch immer der Fall.

Diamantengeld nutzen, um die Wirtschaft breiter aufzustellen

Anders als fast alle anderen Staaten in Afrika ist Botswana mit seinem Reichtum sorgsam umgegangen: Die Regierung leistet sich Sozialprogramme, auf die die afrikanischen Nachbarn mit Neid schauen. Dazu zählen die freie Schulausbildung und eine kostenlose Gesundheitsversorgung. Daneben wird ein Teil des Geldes aus der Diamantenförderung in den Ausbau des Straßen-, Telefon- und Internetnetzes gesteckt.

Nun müsse es Botswana nur noch gelingen, die Gewinne aus der Diamantenförderung auch in den Aufbau anderer Industriezweige zu investieren, sagt Ricardo Soares de Oliveira, Afrika-Wissenschaftler an der Oxford-Universität, im DW-Interview. "Dann kann garantiert werden, dass in Zukunft noch viel mehr Geld im Land bleibt."

Mitarbeit: Columbus Mavhunga, Sudi Mnette

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