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Kultur

Rehabilitierte Giftmischer

Die Borgias waren besser als ihr Ruf, zumindest jedoch nicht schlimmer als ihre Zeitgenossen. Das ist die Botschaft einer Ausstellung in Rom, die sich um die Rehabilitierung der berühmten Adelsfamilie bemüht.

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Borgia-Ausstellung in Rom

Lucrezia Borgia hat niemanden vergiftet. Das weit verbreitete negative Bild der spanischen Fürstenfamilie, die in Italien ihre kirchliche und weltliche Herrschaft mit Morden und Intrigen errungen haben soll, entspricht nicht der ganzen Wahrheit. Eine große Ausstellung in Roms Palazzo Ruspoli bemüht sich von diesem Donnerstag an, mit Vorurteilen aufzuräumen.

Herrschaft mit Intelligenz und Gewalt

"Die Borgias - die Kunst der Macht" zeigt anhand von Kunstwerken, Dokumenten, Möbeln und Waffen die Vielfältigkeit der Papstfamilie. Während sie ihre Macht in der für das 15. Jahrhundert typischen Art auch mit Gewalt ausübte, förderte sie gleichzeitig Kunst und Wissenschaft. Die Ausstellung dokumentiert das unter anderem durch Gemälde von Sandro Botticelli, Perugino, Tizian und Lucas Cranach dem Älteren, die von den Borgias in Auftrag gegeben wurden.

Die Intelligenz des Staatsmannes erlaubte Papst Alexander VI. in seiner Amtszeit von 1492 bis 1503, den Streit zwischen Spanien und Portugal um Amerika zu schlichten. Er unterteilte den neuen Kontinent in zwei Herrschaftsgebiete für die beiden europäischen Länder, wie eine zeitgenössische Landkarte in der Ausstellung demonstriert. Die blutigen Mittel zur Wahrung der bestehenden Ordnung zeigt unter anderem ein Gemälde, auf dem der Bußprediger Girolamo Savonarola in Florenz auf dem Scheiterhaufen verbrannt wird.

Familienfilz und Günstlingswirtschaft

Die spanisch-italienische Ausstellung zeigt die bekannte Seite des berüchtigten Papstes, der die Macht zur Versorgung seiner sieben Kinder nutzte. Sie veranschaulicht aber auch unbekannte positive Aspekte der Familiengeschichte. So hob ein Vorgänger von Alexander VI., der Borgia-Papst Calixtus III., die Verurteilung der französischen Nationalheldin Jeanne d'Arc wegen Zauberei und Ketzerei auf.

Cesare Borgia, der Sohn Alexanders VI., wurde für den Florentiner Staatstheoretiker Niccolò Macchiavelli zum Vorbild des idealen Fürsten. Bis heute lässt sich nur vermuten, dass Cesare seinen Bruder Giovanni tötete, da die Ermittlungen wenige Tage nach dessen Tod abgebrochen wurden. Sicher ist, dass Cesare Borgia die in zahlreiche Fürstentümer gespaltene Region der Romagna vereinigte. In Italien gilt er damit als früher Wegbereiter der Staatsgründung, die erst im 19. Jahrhundert erfolgte.

Verleumdungsopfer Lucrezia

Die berühmte Tochter Alexanders VI., Lucrezia Borgia, wird von der römischen Ausstellung in ein unerwartetes Licht gestellt: Die hoch gebildete Mäzenin von Dichtern wie Ariost und Gesprächspartnerin von Erasmus von Rotterdam wird als fromme Mutter gezeigt. Neben Fantasieporträts wird ein drei Tage vor ihrem Tod geschriebener Brief ausgestellt, in dem sie Papst Leo X. um Vergebung für ihre Sünden bittet.

Lucrezias schlechter Ruf als sittenlose Giftmörderin entstand den Kuratoren der Ausstellung zufolge durch Verleumdung. Bei der Annullierung einer ihrer drei Ehen verbreitete der entehrte Gatte Gerüchte wie das, sie sei die Geliebte ihres Vaters gewesen.

Die Ausstellung "I Borgia, l'Arte del Potere" ist noch bis zum 23. Februar im römischen Palazzo Ruspoli zu sehen. Zusätzlich widmet Ferrara Lucrezia eine eigene Sonderausstellung.

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  • Datum 09.01.2003
  • Autorin/Autor André Moeller
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  • Permalink http://p.dw.com/p/37KP
  • Datum 09.01.2003
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