Regisseurinnen in Hollywoods erster Liga | Filme | DW | 26.01.2018
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Frauen im Filmgeschäft

Regisseurinnen in Hollywoods erster Liga

Mit Greta Gerwig ist in 90 Jahren Oscar-Geschichte eine von insgesamt fünf Frauen für den renommierten Regie-Award nominiert worden. Nach wie vor haben sie und ihre Kolleginnen in einer Männerdomäne zu bestehen.

Greta Gerwig mit Kopfhörern am Filmset neben einer großen Kamera. (picture alliance/AP Photo/A24/M. Wallace)

Greta Gerwig am Set ihres Films "Lady Bird"

Hollywood-Ikone Barbra Streisand tritt auf die Bühne des Dolby Theatres in Los Angeles. "Heute Abend könnte zum ersten Mal eine Frau die Gewinnerin sein", beginnt sie ihre Oscar-Laudatio in der Kategorie "Beste Regie". Dann öffnet sie den Umschlag, hält einen Moment inne und sagt: "Die Zeit ist gekommen." Die Kamera hält auf Kathryn Bigelow. Die US-amerikanische Regisseurin schreibt an diesem Abend im März 2010 Filmgeschichte: Mit ihrem Kriegsdrama "Tödliches Kommando - The Hurt Locker" setzt sie sich als erste Frau gegen die männlichen Nominierten durch, darunter James Cameron, Lee Daniels, Jason Reitman und Quentin Tarantino.

"Da ist mehr für mich drin"

Für viele weibliche Filmschaffende war dies ein Schlüsselmoment. "Das hat mir persönlich sehr viel bedeutet", sagte die US-amerikanische Schauspielerin und Regisseurin Greta Gerwig kürzlich im Interview mit der New York Times. "Plötzlich stand sie [Kathryn Bigelow, Anm. d. Red.] da und ich fühlte, da ist mehr für mich drin." Gerwig war damals 26 Jahre alt. Heute, acht Jahre später, ist sie auf dem besten Weg, in Bigelows Fußstapfen zu treten. Anfang der Woche gab die Oscar-Academy bekannt, dass die 34-Jährige mit ihrem Spielfilmdebüt "Lady Bird" zu den Nominierten in der Kategorie "Beste Regie" gehört - als erste Frau seit Bigelow.

Kathryn Bigelow hält am Abend der Oscarverleihung 2010 ihren Oscar in der Hand. (AP)

2010 erhält Kathryn Bigelow den Regie-Oscar. Greta Gerwig könnte die zweite Frau sein, die den Preis gewinnt.

In der 90-jährigen Geschichte der Oscars lassen sich die weiblichen Nominierungen in dieser Kategorie an einer Hand abzählen: Lina Wertmüller (1977), Jane Campion (1994), Sofia Coppola (2004), Kathryn Bigelow (2010) - und nun Greta Gerwig. Im Schnitt kommen damit seit Beginn der Oscar-Verleihungen auf jede nominierte Frau knapp 90 nominierte Männer.

Andere internationale Film-Awards weisen ähnliche Statistiken auf. Bei den diesjährigen Golden Globes machte die Schauspielerin Natalie Portman auf das Ungleichgewicht zwischen Regisseurinnen und Regisseuren aufmerksam. "Hier sind die allesamt männlichen Nominierten", sagte Portman, bevor sie die Preisanwärter in der Kategorie "Beste Regie" nannte. Wie auch bei den Oscars gibt es bisher nur eine Frau, die einen Golden Globe für ihre Regiearbeit erhalten hat: Barbra Streisand mit "Yentl" im Jahr 1984. 

Weniger Fördermittel für Frauen

Umso bedeutender ist die Oscar-Nominierung für Greta Gerwig. "Als fünfte Frau nominiert zu sein, gibt mir die Hoffnung, dass Frauen jedes Alters den Mut finden, ihre eigenen Filme zu drehen", so die Schauspielerin gegenüber der Nachrichtenagentur Associated Press, "das hoffe ich ganz eigennützig, weil ich ihre Geschichten sehen will."

Greta Gerwig auf der Bühne bei den Golden Globes 2018. (picture-alliance/AP/NBC/P. Drinkwater)

Mit ihrem Regie-Debüt "Lady Bird" hat Greta Gerwig bereits zwei Golden Globes gewonnen

Doch Regisseurinnen haben es nach wie vor schwer, ihre Projekte erfolgreich umzusetzen. "Seit über hundert Jahren erzählen im Wesentlichen Männer die Geschichten im Film", erklärt die Leiterin des Internationalen Frauenfilmfestivals Silke Räbiger. "Oft sind auch die Fördergremien überwiegend mit Männern aus dem traditionellen Filmgeschäft besetzt, die sich nur ungern neuen Formen öffnen." Die Filmideen von Frauen würden häufig kaum honoriert. Zudem würden Regisseurinnen von vorneherein meist weniger Fördermittel beantragen.

Gerwig distanziert sich von Woody Allen

Mit Gerwig ist es nun wieder einer Frau gelungen, ganz oben mitzuspielen. Der internationale Durchbruch gelang ihr bereits 2010 als Hauptdarstellerin des Spielfilms "Greenberg". Der Regisseur und Drehbuchautor Noah Baumbach engagierte Gerwig, nachdem er sie in mehreren Independentfilmen gesehen hatte. Seit der Filmproduktion sind die Schauspielerin und der Regisseur ein Paar.

2012 spielte Gerwig in Woody Allens Film "To Rome With Love" mit. Vor kurzem distanzierte sie sich dann aber klar von dem Hollywood-Regisseur, dessen Adoptivtochter, Dylan Farrow, ihm vorwirft, sie sexuell missbraucht zu haben, als sie sieben Jahre alt war. "Wenn ich damals gewusst hätte, was wir heute wissen, hätte ich nicht in dem Film mitgespielt", sagte Gerwig der New York Times. "Ich habe seither nicht mehr mit ihm gearbeitet und werde das auch zukünftig nicht tun." 

Greta Gerwig und Woody Allen (Getty Images/J. Merritt)

Er war lange ihr großes Vorbild. Jetzt hat sich Gerwig öffentlich von Woody Allen distanziert.

Wendepunkt für Frauen im Filmgeschäft?

Steht Greta Gerwig für eine neue Generation von Hollywood-Frauen, die sich erfolgreich von den Seilschaften einer Männerdomäne lossagen? "Ich glaube, wir stehen an einem Wendepunkt, vor allem als Drehbuchautorinnen, Regisseurinnen und Produzentinnen", wird Gerwig in der New York Times zitiert. Frauen hätten im vergangen Jahr so hervorragende Arbeit geleistet, dass ein Gleichgewicht zwischen männlichen und weiblichen Filmschaffenden sehr viel näher gerückt sei.

Zum allerersten Mal überhaupt wurde in diesem Jahr auch eine Kamerafrau für den Oscar nominiert: Rachel Morrison geht für ihre Leistung in "Mudbound" ins Rennen um die begehrte Trophäe.

Ob Gerwig den Oscar am Ende mit nach Hause nehmen darf, entscheidet sich am 4. März. Sie wäre erst die zweite Regisseurin. Das zeigt: Was die großen Preise betrifft, gibt es noch viel aufzuholen.

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