Regisseur Wedel bestreitet sexuelle Übergriffe gegen Schauspielerinnen | Aktuell Deutschland | DW | 04.01.2018
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Deutschland

Regisseur Wedel bestreitet sexuelle Übergriffe gegen Schauspielerinnen

Drei Frauen haben im "Zeit-Magazin" schwere Vorwürfe gegen den bekannten Fernseh- und Theaterregisseur Dieter Wedel erhoben. Der 75-Jährige weist die Anschuldigungen über seinen Anwalt zurück.

Der Regisseur Dieter Wedel hat Aussagen von Frauen widersprochen, die ihm gewalttätige und sexuelle Übergriffe in den 1990er Jahren vorwerfen. In einem Bericht des "Zeit-Magazins" kommen teils namentlich genannte Schauspielerinnen zu Wort, die schwere Anschuldigungen erheben - bis hin zum erzwungenen Sex.

Wedel habe vor Erscheinen des Berichts "eine umfassende eidesstattliche Erklärung zu den schweren Anschuldigungen abgegeben", teilte sein Anwalt Michael Philippi mit. "Darin versichert er, dass die offenbar von mehreren Schauspielerinnen gegen ihn erhobenen Vorwürfe unzutreffend und nicht gerechtfertigt sind. Er habe zu keinem Zeitpunkt diesen oder anderen Frauen in irgendeiner Form Gewalt angetan", heißt es in der Mitteilung des Anwalts, der für die Hamburger Medienrechtskanzlei Unverzagt von Have arbeitet. Diese vertritt den Regisseur. Die Stellungnahme des Rechtsanwalts wurde auf der Webseite der Bad Hersfelder Festspiele veröffentlicht. Wedel ist derzeit Intendant der Festspiele.

Eine der Schauspielerinnen schildert im "Zeit-Magazin", Wedel habe sie 1996 in einem Hotel zum Sex gezwungen, als sie 27 Jahre alt war. Eine weitere namentlich genannte Schauspielerin beschreibt, wie Wedel sie 1991 gewaltsam in einem Hotelzimmer angegangen habe. Die Schauspielerin Corinna Harfouch wird als nicht selbst Betroffene mit den Worten zitiert: "Viele haben gewusst, dass Wedel Schauspielerinnen schlecht behandelt und demütigt. Das war ein von allen gestütztes System." Zudem kommen ehemalige Mitarbeiter von Wedel und Personen aus dem Umfeld der Frauen zu Wort, deren Aussagen die Anschuldigungen stützen sollen.

"Massiver öffentlicher Pranger"

Wedel geht gegen die mehrere Seiten lange Veröffentlichung im "Zeit-Magazin"und die Online-Version vor. "Mein Mandant wird sich gegen diese Veröffentlichung mit allen juristisch zur Verfügung stehenden Mitteln zur Wehr setzen", betonte Rechtsanwalt Philippi. Wedel werde durch die "erstmalige Veröffentlichung derartiger Verdächtigungen" einem "massiven öffentlichen Pranger ausgesetzt".

Im "Zeit-Magazin" wird Wedel selbst mit den Worten zitiert, dass er "ein überbordendes, manchmal auch grenzüberschreitendes Temperament" habe und dabei "vermutlich auch oft Schauspieler und Schauspielerinnen in ihrem Stolz und Selbstwertgefühl verletzt" habe. In der Stellungnahme seines Anwaltes heißt es in diesem Zusammenhang weiter: "Unser Mandant bedauert, dass er im Rahmen seiner langjährigen Tätigkeit als Produzent und Regisseur Schauspielerinnen und Schauspieler insbesondere am Set manchmal überharter, wohl auch verletzender Kritik ausgesetzt hat. Einen Zusammenhang mit den ihm unterstellten Übergriffen gab es dabei nie."

Ermutigt durch MeToo-Initiative

Die Vorwürfe gegen Wedel erinnern an die Diskussion über sexuelle Übergriffe in den USA, die Hollywood-Schauspielerinnen Ende 2017 angestoßen hatten. Erstmals seit der sogenannten #MeToo-Debatte erheben nun auch Frauen in Deutschland konkrete Vorwürfe gegen einen prominenten Mann aus der Filmbranche. Die Schauspielerin, die den Vorwurf von 1996 erhebt, sagte dem "Zeit-Magazin", erst nach den #MeToo-Enthüllungen und der Beratung eines Anwalts traue sie sich, ihre eigenen Erfahrungen öffentlich zu machen. Das "Zeit-Magazin" schreibt weiter, alle drei Frauen betonten, "dass es ihnen nicht darum gehe, einen prominenten Mann wie Dieter Wedel nachträglich in Verruf zu bringen, sondern den Machtmissbrauch offenzulegen und damit die Mechanismen der Filmbranche zu verändern".

Wedel gilt als einer der erfolgreichsten deutschen Regisseure. Er machte sich vor allem in den 1990ern mit Fernseh-Mehrteilern einen Namen. Dazu zählen unter anderem "Der große Bellheim"(1993), "Der Schattenmann"(1996) und "Der König von St. Pauli"(1998).

kle/qu (dpa, www.bad-hersfelder-festspiele.de)