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Filme

Regisseur Paul Verhoeven wird Präsident der 67. Berlinale-Jury

Der niederländische Regisseur steht für europäisches Autorenkino und große Hollywood-Blockbuster. Sein neuer Film "Elle" kommt ein paar Tage vor der 67. Berlinale 2017 in die deutschen Kinos.

Das ist zweifellos eine gute Entscheidung. Mit der Wahl des holländischen Regisseurs Paul Verhoeven zum Berlinale-Jury-Präsident hat Festival-Chef Dieter Kosslick wieder einmal ein gutes Händchen bewiesen. Er hat einen Mann der internationalen Filmszene ausgewählt, der sowohl das eigenständige, unabhängige Autorenkino repräsentiert, aber auch deutliche Spuren in Hollywood hinterlassen hat. Wenn also bei der kommenden Ausgabe der Berlinale (9.2.-19.2.2017) am Ende der Goldene sowie die Silbernen Bären verliehen werden, dann darf man sicher sein, dass hier ein fachkundiger Mensch an der Spitze der Jury gestanden hat.

Oscar und Golden-Globe-Nominierung

Verhoeven machte das holländische Kino in den 1970er Jahren weltbekannt. 1973 war sein Skandalfilm "Türkische Früchte" ein kommerzieller Erfolg, spaltete aber aufgrund der expliziten Sex-Szenen sein Publikum. "Türkische Früchte" wurde im Jahr darauf für einen Oscar nominiert. 1977 brachte das Historiendrama "Der Soldat von Oranien" einen weiteren Karriereschritt für Verhoeven. Der Film spielt während der deutschen Besatzung der Niederlande durch die Nationalsozialisten. Dafür gab es eine Golden-Globe-Nominierung. Auch der Thriller "Der vierte Mann" (1983) spielte, insbesondere in der Bundesrepublik, viel Geld an den Kinokassen ein.

Festival de Cannes - Film Elle (Festival de Cannes)

Verhoeven bei den Dreharbeiten zu "Elle", der in Cannes 2016 Premiere feierte

So war es nicht verwunderlich, dass es diesen Regisseur, der ein Gespür für populäre Themen und vor allem deren spektakuläre Umsetzung hatte, nach Hollywood zog. Hier hatte er größere finanzielle Möglichkeiten. Verhoeven machte sich einen Namen als Science-Fiction-Regisseur ("RoboCop" und "Total Recall", später folgte dann noch der höchst umstrittene "Starship Troopers"). Spektakulär war auch sein Welterfolg "Basic Instinct" mit den noch heute berühmten und viel zitierten Szenen mit Sharon Stone.

Flop mit "Showgirls"

Doch Verhoeven gelang nicht alles. Sein Las-Vegas-Striptease-Drama "Showgirls" entwickelte sich zu einem Flop, sowohl künstlerisch als auch kommerziell. Nach einem weiteren Hollywood-Film kehrte er Amerika den Rücken und konzentrierte sich wieder auf seine Arbeit in Europa. Künstlerisch bemerkenswert fiel der in Berlin-Babelsberg gedrehte "Black Book" aus, wieder ein Film, der sich mit dem Nationalsozialismus in seiner Heimat Holland auseinandersetzte.

Nach einer längeren Filmpause verschaffte sich der 1938 in Amsterdam geborene Regisseur vor kurzem mit seinem Kino-Comeback "Elle" Respekt. Das Vergewaltigungsdrama mit Isabelle Huppert wurde in Cannes vorgestellt und läuft kurz vor der Berlinale in den deutschen Kinos an (2.2.2017).

Film Elle Isabelle Huppert (MFA+)

Isabelle Huppert in "Elle", Verhoevens aktuellem Film

Immer wieder lösten Verhoevens Filme Debatten aus: Über seinen Einsatz von Gewalt und Sexualität auf der Leinwand wurde viel gestritten. Verhoeven versteht es zu provozieren. Das passte nicht immer allen. "Starship Troopers" wurden faschistische Tendenzen vorgeworfen, einigen anderen Filmen ein vulgärer und menschenverachtender Umgang mit Sexualität. Verhoevens Oeuvre ist somit nicht unumstritten.

Ein fachkundiger Mann an der Spitze der Jury

Als Jury-Präsident wird der Niederländer, ein Mann, der sich in der Geschichte des  Kinos gut auskennt, sicher nicht für derartige Kontroversen sorgen. Die Jury-Mitglieder sind dazu angehalten, hinter geschlossenen Türen zu tagen. Doch das Blitzlichtgewitter am Roten Teppich dürfte groß sein, wenn der Holländer vorüberschreitet.

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