1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Kultur

Regisseur Jürgen Gosch ist tot

Bis zuletzt hat er gearbeitet und sich nicht unterkriegen lassen. Nun ist der bekannte Theaterregisseur Jürgen Gosch im Alter von 65 Jahren gestorben. Sein Motto: "Man muss immer gucken, ob man weit genug gegangen ist."

Jürgen Gosch (Foto: dpa)

Jürgen Gosch

"Ich hänge am Leben" - diese letzten Worte ließ Jürgen Gosch den Hauptdarsteller seiner Inszenierung "Idomeneus" am Deutschen Theater Berlin sagen. Anschließend wurde er im Rollstuhl vor die Bühne gefahren - gezeichnet von seiner schweren Krebserkrankung. Das war im April 2009. In der Nacht zum Donnerstag (11.06.2009) ist Jürgen Gosch, einer der bedeutendsten Theaterregisseure der Gegenwart, mit 65 Jahren in seiner Berliner Wohnung gestorben.

Nach den Grundsätzen seiner Theaterarbeit gefragt, hatte Gosch stets verkündet: "Man guckt immer, wie weit man gehen kann", um dann entschieden hinzuzufügen: "Und man muss immer gucken, ob man weit genug gegangen ist." Oft sorgte er mit Inszenierungen für einen Skandal - so 2005 am Düsseldorfer Schauspielhaus, wo er Shakespeares "Macbeth" ausschließlich von nackten Männern spielen ließ.

Politisch "unzuverlässig": Von Ost nach West

Die Laufbahn Goschs begann Anfang der 60er Jahre in der damaligen DDR mit dem Studium an der Ost-Berliner Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch". Nach verschiedenen Engagements als Schauspieler und ersten Regiearbeiten in Potsdam etablierte sich Gosch an der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz im Ostteil Berlins. Als dort 1978 seine Inszenierung von Büchners "Leonce und Lena" aus politischen Gründen abgesetzt wurde, siedelte der gebürtige Chemnitzer nach Westdeutschland über.

Deutsches Theater in Berlin (Foto: dpa)

Deutsches Theater Berlin

Späte Preise

Nach der Wende ging Gosch zurück nach Berlin - nach Stationen an verschiedenen großen Bühnen, unter anderem Hannover, Hamburg und Bremen. Er arbeitete als freier Regisseur und musste lange auf die Ehren des Theaterbetriebs warten. Das Theatermagazin "Theater heute" wählte ihn 2004 zum Regisseur des Jahres. Zur "Inszenierung des Jahres 2008" wurde Goschs Version von Tschechows "Onkel Wanja" am Deutschen Theater Berlin gekürt. Beim Theatertreffen deutschsprachiger Bühnen in Berlin, zu dem er im Mai 2009 mit zwei Inszenierungen eingeladen worden war, erhielt er den "Theaterpreis Berlin". Eine seiner letzten umjubelten Inszenierungen war Anton Tschechows "Möwe" mit dem Ensemble des Deutschen Theaters, das ihm noch zu Lebzeiten die Ehrenmitgliedschaft verliehen hat.

"Gewinn an Gedanken und Gefühlen"

Das Typische seiner Arbeit benannte er einmal kurz und bündig so: "Ich möchte, dass die Leute mit Gewinn aus dem Theater gehen, Gewinn an Gedanken und Gefühlen. Was nicht immer Zustimmung heißen muss. Meinungsstreit um das Gesehene kann doch sehr anregend sein."

Gosch hatte bis zuletzt an einer Neuinszenierung der "Bacchen" des griechischen Dichters Euripides gearbeitet. Das Drama sollte Ende Juli bei den Salzburger Festspielen und im September am Berliner Ensemble aufgeführt werden. (es/sd/gri/dpa)

Die Redaktion empfiehlt