Regisseur Dieter Wedel tritt als Intendant zurück | Kultur | DW | 22.01.2018
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Kultur

Regisseur Dieter Wedel tritt als Intendant zurück

Mehrere Schauspielerinnen hatten dem Starregisseur sexuelle Belästigung vorgeworfen. Jetzt ist Dieter Wedel als Intendant der Bad Hersfelder Festspiele zurückgetreten - und erhebt seinerseits schwere Vorwürfe.

Als Grund für sein Ausscheiden führt Wedel in einer Stellungnahme die anhaltenden Vorwürfe gegen ihn wegen sexueller Belästigung an, wie das Festspielbüro mitteilte. Wedel habe Bürgermeister Thomas Fehling (parteilos) vorgeschlagen, die Aufgaben des Intendanten an seinem Stellvertreter Joern Hinkel zu übertragen. Die Festspiele Bad Hersfeld teilten außerdem mit, dass Wedel sich nach einer Herzattacke zur Behandlung in einem Krankenhaus aufhalte. Er sei "gesundheitlich angeschlagen". Der Autor, Regisseur und Produzent war 2014 zum Bad Hersfelder Festspielintendanten berufen worden.
 
"Seit mehr als zwei Wochen sehe ich mich einer nicht enden wollenden Flut schwerster, öffentlich in den Medien erhobener Anschuldigen und Vorwürfen ausgesetzt. Der Umfang und die Art und Weise dieser Beschuldigungen haben mich zutiefst verstört und erschüttert", erklärt Wedel in seiner Stellungnahme. Die Vorwürfe reichten bis zu 20 Jahre zurück. Wichtige Zeugen, die zu seiner Entlastung beitragen könnten, seien inzwischen verstorben, beklagte der Regisseur. Für ihn, seine Gesundheit und seine Familie sei damit ein erträgliches Maß weit überschritten.

Wedel beklagt "Verdachtsberichterstattung"

Wedel weist in seiner Stellungnahme auch auf Erpressungsversuche von vermeintlichen Zeuginnen hin. "In diesem Klima der Vorverurteilung, der sogenannten Verdachtsberichterstattung, die auf keine erwiesenen Fakten gestützt sein muss, kann ich den Kampf um meine Reputation nicht gewinnen", schreibt Wedel in seiner Stellungnahme. Offenbar genüge allein schon der Verdacht, um jemanden zu jedem beliebigen Zeitpunkt an den medialen Pranger zu stellen. Der Regisseur ("Der Schattenmann", "Der große Bellheim") wehrt sich seit Anfang des Jahres mit seinem Anwalt gegen Missbrauchsvorwürfe von Schauspielerinnen. Im Zuge der #MeToo-Debatte hatten diese sich an die Öffentlichkeit gewandt und Wedel der sexuellen Belästigung beschuldigt.
 
Bürgermeister Fehling zeigte sich über Wedels Entscheidung bestürzt. Der Magistrat wolle sich am Abend mit der Situation befassen und die Weichen für die aktuelle Spielzeit und darüber hinaus stellen.

ka/HF (dpa/epd)

 

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