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Fokus Osteuropa

Region Vojvodina: Brücke Serbiens nach Europa?

Die serbische Region Vojvodina bildet mit rumänischen und ungarischen Bezirken eine Euroregion. Bisher hält sich die überregionale Zusammenarbeit in Grenzen – eine ungenutzte Chance für Serbien, meinen Experten.

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"Freiheits-Brücke" in Novi Sad

Auf Einladung der Südosteuropa-Gesellschaft aus München und der Universität Novi Sad haben Experten auf einer Fachtagung in Novi Sad über die Zukunft der Euroregion "Donau-Kreisch-Marosch-Theiß (DKMT) beraten. Mitglieder diese Euroregion, die 1997 gegründet wurde, sind die serbische autonome Provinz Vojvodina sowie acht Verwaltungsbezirke in den serbischen Nachbarländern Rumänien und Ungarn.

Die Idee der Euroregion sollte künftig besser mit Leben erfüllt werden, waren sich die Teilnehmer einig. Die praktische Anwendung der Idee der europäischen Regionen sei eine große Chance für Serbien, auf dem Weg in die EU die Bereitschaft für eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit zu demonstrieren. Es sei aber auch ein Weg, um beträchtliche finanzielle Mittel aus diversen Fonds der EU für die eigene wirtschaftliche Entwicklung abzuschöpfen.

Chance auf Wachstum für alle

"Durch die grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit rumänischen und ungarischen Partnern können sowohl Vojvodina als auch die anderen teilnehmenden Regionen ihre wirtschaftliche Kraft erheblich steigern", sagte Dr. Horst Förster, Professor am Geografischen Institut der Universität Tübingen während des Treffens in Novi Sad. "Die Potenziale der verschiedenen Bezirke lassen sich auf diese Weise besser bündeln, gemeinsame Planungen und Organisation sind viel produktiver, so wird doppelte Arbeit vermieden", äußerte sich Förster in der Hauptstadt der Vojvodina. Über die positiven Eigenschaften der Vojvodina als Teil der Euroregion sagte Mihailo Brkic, Direktor des Fonds für die Entwicklung der Vojvodina, gegenüber der Deutschen Welle: "Ich denke, unsere Infrastruktur hat die schlimmen Zeiten in den letzten Jahren einigermaßen gut überstanden. Zudem wurde auch viel in die Infrastruktur investiert. Das könnte unser Vorteil sein. Außerdem haben wir in der Vojvodina ein sehr investitionsfreundliches Steuersystem".

Verkehrsverbindungen als entscheidender Faktor

Die Idee der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit ist gut, darin waren sich die Teilnehmer der Konferenz einig. Die Vorschläge aber, wie diese Idee mit Leben zu füllen ist, waren unterschiedlich. Bei allen Ideen spielen die Verkehrverbindungen eine große Rolle. Der Dekan der juristischen Fakultät in Novi Sad erinnerte die Teilnehmer der DKMT-Konferenz an einige historische und verkehrstechnische Fakten: "Temeschwar war früher ein bedeutender Hafen, die Theiß war bis Becej schiffbar, es gab Bahnstrecken, die das ungarische Szeged mit dem vojvodiner Kikinda und dem rumänischen Temeschwar verbanden. Diese Strecke war übrigens Teil der berühmten Zugstrecke des Orient Express", erklärte der Jurist aus Novi Sad.

Etappe auf dem Weg in die EU?

Svetozar Ciplic, Richter am serbischen Verfassungsgericht, ist der Meinung, dass die serbische Öffentlichkeit immer noch nicht erkannt hat, was für eine Chance sich für ihr Land durch die überregionale Kooperation bietet. "Serbien muss ein Land der Regionen werden", betonte er. Ciplic hob auch hervor, dass die grenzüberschreitende Zusammenarbeit eine notwendige Verpflichtung auf dem Weg in die EU darstelle. Dies zu erkennen, sei Serbiens Aufgabe. Dafür müssten aber noch mentale und politische Hürden überwunden werden. "Wenn Serbien sich nicht für diese Politik öffnet, schließt sich dieser Weg in die EU", gab der serbische Verfassungsrichter zu bedenken.

Dinko Gruhonjic, Novi Sad
DW-RADIO/Serbisch, 4.9.2007, Fokus Ost-Südost