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Nahost

Regimekritischer Regisseur in Teheran verhaftet

Der renommierte iranische Filmemacher Jafar Panahi gilt als wichtiger Unterstützer der grünen Oppositionsbewegung. Schon im Februar war ihm die Ausreise zur Berlinale verweigert worden. Jetzt wurde er im Iran verhaftet.

Der iranische Regisseur Jafar Panahi bei seinem Berlinale-Besuch 2006 (Foto:ap)

Der iranische Regisseur Jafar Panahi bei seinem Berlinale-Besuch 2006

Wie die iranischen Justizbehörden am Dienstagabend (02.03.2010) bestätigten, wurde der 49-jährige Regisseur am Montag bei einer privaten Versammlung in seinem Haus in Teheran festgenommen. Oppositionelle Webseiten berichten, dass Männer in Zivilkleidung Panahi, seine Frau, seine Tochter und rund 15 weitere Gäste verhaftet und an einen unbekannten Ort gebracht haben sollen. Dabei seien auch Panahis Wohnhaus durchsucht, sein Computer und mehrere persönliche Dinge beschlagnahmt worden. Die Festnahme sei nicht politisch begründet, sagte der Teheraner Staatsanwalt Abbas Jafar Dolatbadi. Panahi sei wegen "anderer Vergehen" in Gewahrsam genommen worden, sagte der Staatsanwalt weiter, ohne Einzelheiten zu nennen.

Kritischer Cineast

Szenebild aus dem Film Offside Berlinale 2006

Auch Frauen wollen Fußball sehen: Eine Szene aus Panahis Film 'Offside'

Jafar Panahi, ein früherer Assistent des Regisseurs Abbas Kiarostami, zählt zu den international renommiertesten Filmemachern aus dem Iran. Einen Namen machte er sich als Vertreter des neuen iranischen Autorenkinos vor allem mit sozialkritischen Gesellschaftsportraits. Im Inland sind die meisten seiner Filme der Zensur zum Opfer gefallen, international wurde er dagegen schon mehrfach ausgezeichnet: 1995 gewann er mit "Der weiße Ballon" die goldene Palme in Cannes, im Jahr 2000 den Goldenen Löwen in Venedig für "Der Kreis" (2001). 2006 erhielt er auf der Berlinale den Silbernen Bären für "Offside", einen Film über eine Gruppe junger Frauen, die dagegen aufbegehren, dass der Besuch von Fußballstadien im Iran nur Männern erlaubt ist.

Keine Ausreise zur Berlinale

Protestierende Oppositionelle im Film 'Red, white & the Green' (Foto: Internationale Filmfestspiele Berlin)

Protestierende Oppositionelle im Film 'Red, white & the Green'

Nur wenige Wochen nach Ausbruch der Proteste im Sommer 2009 gegen die Wiederwahl des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad, stellte sich Panahi beim Filmfestival von Montréal öffentlich hinter die grüne Oppositionsbewegung. Nach seiner Rückkehr in den Iran war der Regisseur schon einmal kurzzeitig verhaftet und mit einem Ausreiseverbot belegt worden. Kurz darauf hatte Panahi einen Auftritt in "Red, White & the Green", einem Dokumentarfilm seines Kollegen Nader Davoodi über die Hoffnungen, Wünsche und Träume der Regimegegner im Iran. Weil der Film auf der diesjährigen Berlinale gezeigt wurde, war auch Panahi eingeladen. Als Ehrengast sollte er an einer Diskussionsrunde zur Zukunft des iranischen Kinos teilnehmen. Doch Teheran verweigerte ihm erneut die Ausreise nach Berlin. Bei Berlinale-Chef Dieter Kosslick war die Haltung der Regierung in Teheran auf großes Unverständnis gestoßen: "Wir sind überrascht und bedauern zutiefst, dass einem mit vielen internationalen Preisen ausgezeichneten Regisseur verweigert wird, an unserem Jubiläums-Festival teilzunehmen", hatte der Festivalleiter noch vor zwei Wochen verlauten lassen.

Viele Künstler unterstützen die “grüne Bewegung”

Gerichtsverhandlung gegen Regimekritiker in Teheran (Foto:FarsNews)

Seit Sommer 2009 stand eine ganze Reihe von Regimekritikern in Teheran vor Gericht

Wie Jafar Panahi unterstützen viele Intellektuelle die grüne Oppositionsbewegung im Iran: Rund 800 bildende Künstler, Schriftsteller und Filmemacher hatten bereits vor der umstrittenen Wahl im Juni 2009 eine Wahlempfehlung für Mahmud Ahmadinedschads schärfsten Konkurrenten, den Oppositionspolitiker Mir Hussein Mussawi, abgegeben. Nach der Abstimmung demonstrierte die Opposition monatelang immer wieder gegen die Wahl. Teheran reagierte mit harter Hand. Seit dem Herbst 2009 wurden in einer wahren Verhaftungswelle zeitweise tausende von Regimegegnern festgenommen, darunter auch Familienmitglieder der Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi sowie die Künstlerin Parastou Forouhar. Über 80 Oppositionelle erhielten Haftstrafen von mehr als 15 Jahren, mindestens elf Menschen wurden im Zusammenhang mit den Protesten zum Tode verurteilt, zwei von ihnen bereits hingerichtet.

Autor: Thomas Latschan (afp, dpa, rtr)

Redaktion: Diana Hodali